Interviews with Jaun Schauerte

Title

Interviews with Jaun Schauerte

Description

Jaun Schauerte (b. 1936) recalls rushing to the shelter with a suitcase and a bag pack. Remembers one night when his grandmother fell under the heavy weight of the rucksack and nobody stopped to help her. Recalls the Bremen bombing, while he was inside a shelter; being evacuated to the Sauerland with his relatives; the Elberfeld bombing and how their house survived the attack unscathed. Recounts anecdotes of a small Hitler figure made of papier-mâché; wartime hardships; trips to get supplies and overcrowded trains. Describes the end of wartime precautions on the evening Germany surrendered.

Publisher

IBCC Digital Archive
Memoro. Die Bank der Erinnerungen

Date

2016-06-09

Contributor

Peter Schulze

Rights

This content has been originally published on Memoro – Die Bank der Erinnerungen, which has kindly granted the International Bomber Command Centre Digital Archive a royalty-free permission to publish it as an audio track. To see it in its original video form and read the terms and conditions of use, please visit www.memoro.org and then click on the link to the German section. Please note that it was recorded by a third-party organisation which used technical specifications and operational protocols that may differ from those used by International Bomber Command Centre Digital Archive. It has been published here ‘as is’ and may contain inaccuracies or culturally inappropriate references that do not necessarily reflect the official policy or position of the University of Lincoln or the International Bomber Command Centre.

Format

00:07:07 audio recording

Language

Type

Identifier

Memoro#15628

Coverage

Conforms To

Transcription


JS: Also ich bin Jahrgang 1936. Meine bewussten Kindheitserinnerungen, an die man sich so erinnert, sind eigentlich Kriegszeitenerinnerungen. Als der Krieg begann war ich drei Jahre alt, als er aufhörte war ich etwa neun. Und, ja, das war Alltag. Man konnte sich gar nicht vorstellen das es was anderes, das es eine andere Zeit geben könnte, ohne Bombenalarm, in den Keller runterlaufen, in den Bunker hasten, ohne diese Leuchtspuren am Himmel, ohne Artillerieabwehrfeuer in der Nacht, wecken durch Alarm, schnell noch die Oberkleidung anziehen, denn man schlief ja halb angezogen, das gehörte also zur Überlebensstrategie. [alarm clock goes off] Dann schnappte ich mein kleines Köfferchen, wo ich meine drei, sieben Sachen drin hatte, und einen kleinen Rucksack, Oma, Opa war ja wieder eingezogen, aber nicht als Soldat sondern war bei der SHD, bei der Schutz- und Hilfstruppe, und Oma nahm den schweren Rucksack und wir hasteten zum Bunker, der war ungefähr, fusslaüfig, fast ‘n Kilometer entfernt. Und ich weiss noch eines Nachts, Oma fiel, und Oma konnte allein mit dem schweren Rucksack kam sie nicht richtig hoch, die Leute hasteten vorbei. Ich rief, helft doch der Oma, helft doch der Oma. Es hat so lange gedauert bis dann jemand angehalten hat im Lauf und der Oma aufgeholfen hat, damit wir in den Bunker kamen. Ich hatte einen kleinen Hitler, so aus Pappmaché, angemalt, [showing the puppet’s raised arm] der war abgebrochen, das war für mich damals schon als Kind, als Kind, war das für mich schon ein Verlust. Wurde immer wieder angeklebt, aber fiel immer wieder langsam runter. Symbolisch eine durchaus bedeutsame Geste. Die Fliegerangriffe waren furchtbar. Man saß im Keller als der Barmen Angriff kam. Das werde ich nie im Leben vergessen, Licht ging aus, die Einschläge waren sehr sehr nahe zu hören, das Haus bebte, alle hatten Angst, alle, schrien zum Teil. Die Männer gingen behertzt schon nach oben und guckten, na ist in der Nahe etwas eingeschlagen? aber es war ja Barmen, das erste Wuppertaler Ziel. Das zweite Wuppertaler Angriff auf Elberfeld wo wir wohnten haben wir nicht abgewartet sondern... Ich heisse Schauerte, die Schauertes sind im Sauerland so beheimatet wie Schmidts im Rheinland und wir haben eben auch Verwandte [emphasis] im Sauerland gehabt und zu dem ist meine Mutter die wiederverheiratet war, natürlich direkt nach der Trauung, mein Vater starb als ich einanviertel Jahr alt war an TBC, mein Stiefvater geheiratet, eingezogen, zweimal [emphasis] zum Heimaturlaub gekommen, daraus resultieren meine zwei Halbgeschwister und naturlich beim dritten Urlaub überhaupt nicht mehr wiedergekommen, vermisst. Also meine Mutter mit meinen zwei kleinen Geschwister, meine Oma und ich, wir evakuierten sag ich mal ins Sauerland und haben den Eberfelder Angriff gehört. Unser Haus hat überlebt, aber die Giebelwand zur linke Seite zum Nachbarhaus war völlig weg weil das Haus war also getroffen worden und es war ein Gründerzeit-Mietshaus gewesen, erste Etage wir wohnten, nebenan wohnten Ralenbecks, hatten die andere Zweizimmerwohnung, und die hatten keine, die guckten wenn man die Tür reinging, direkt ins Freie. Nun haben die dann bei uns gewohnt, bis wir aus dem Sauerland dann wiederkamen. Es war eine fürchterliche Zeit, kaum was zu essen, wir konnten aus dem Sauerland immer wieder was mitbringen, Hamsterfahrten, auch nach dem Krieg noch, mit meiner Mutter Hamsterfahrten gemacht. Ich, kleiner Bömsel [?] auch im Rucksack, und dann zu den Verwandten hin. Die Züge heillos überfüllt, heillos überfüllt, auf den Trittbrettern, in den Coupées hinein, auf den Puffern, überall fuhren die Menschen mit. Das war auch hinterher noch, als ich in die Stadtmitte zur Schule musste, mit der Strassenbahn zu fahren, wir sind nur auf den Außenleisten gestanden und haben den Eltern den Platz im Wagen gelassen. Das grösste Erlebnis für mich war, und dann will ich von auch dieser Zeit gar nicht mehr grossartig erzählen wir haben’s ja alle überlebt, mit Aussnahme meines Stiefvaters, war als Deutschland dann schliesslich am 8. Mai kapitulierte und an dem Abend meine Oma mir sagte, „Junge, du kannst dich, kannst ausziehen wenn Du ins Bett gehst, kommt kein Angriff mehr“. Das hab ich nicht glauben wollen. Ich hab mein Leibchen, war ein selbstgestricktes Ding da von der Oma, als Unterzeug, wo man auch an Strapsen die langen Strümpfe dran machen konnte, das war furchtbar, ein Horror für einen Jungen, weil das war fast wie Mädchen und so, aber dies Leibchen lies man natürlich zur Kriegszeiten nachts immer unter. Ich habe der Oma nicht geglaubt, ich hab das Leibchen druntergelassen di ersten Nächte. Dann stellte sich langsam doch der Glaube ein, das diese schlimme Zeit vorüber war.

Citation

“Interviews with Jaun Schauerte,” IBCC Digital Archive, accessed November 14, 2019, https://ibccdigitalarchive.lincoln.ac.uk/omeka/collections/document/68.

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