Interview with Brigitte Terboven

Title

Interview with Brigitte Terboven

Description

Brigitte Terboven (b. 1930) recalls the bombing of Essen and the dropping of an air mine by a British bomber which was trying to evade a German night fighter. The bomb hit the ground about 20 meters from her home which collapsed like a house of cards. Remembers the death of four people, including her mother; how she was severely injured, barely survived and kept in the dark about her mother’s death for a week. Describes the attempt to bet in touch with her father with the news of his wife’s death and how he was informed only a week later, coming home on her mother’s birthday. Emphasises wartime hardships: food rationing; daily calories intake dropping from the notional 1200 calories to 600; reduced spaces for obituaries in newspapers.

Publisher

IBCC Digital Archive
Memoro. Die Bank der Erinnerungen

Date

2012-09-07

Contributor

Peter Schulze

Rights

This content has been originally published on Memoro – Die Bank der Erinnerungen, which has kindly granted the International Bomber Command Centre Digital Archive a royalty-free permission to publish it as an audio track. To see it in its original video form and read the terms and conditions of use, please visit www.memoro.org and then click on the link to the German section. Please note that it was recorded by a third-party organisation which used technical specifications and operational protocols that may differ from those used by International Bomber Command Centre Digital Archive. It has been published here ‘as is’ and may contain inaccuracies or culturally inappropriate references that do not necessarily reflect the official policy or position of the University of Lincoln or the International Bomber Command Centre.

Format

00:06:25 audio recording

Language

Type

Identifier

Memoro#1031

Coverage

Conforms To

Temporal Coverage

Transcription


Brigitte Terboven: Ja, es war im Mai 44. In dieser Nacht mussten wir wieder mal, wie so oft, jede Nacht mussten wir ja raus, weil es Fliegeralarm gab, nicht nur tagsüber sondern insbesondere nachts kamen die Fliegeralarmen, die Bombergeschwader und flogen über uns weg, irgendwohin und in dieser Nacht war ein Angriff auf Essen. Das Ziel war eben die Stadt Essen, das Ruhrgebiet überhaupt. Ein Britischer, wie es hiess, Bomberverband kam und die in der nähe gelegene Flakbatterie durfte nicht schiessen, so hiess es später, weil Deutsche Nachtjäger in der Luft waren, nicht, da hätte ja dann möglicherweise ein Nachtjäger getroffen werden können. Ein Nachtjäger verfolgte einen Britischen Bomber und der, um schneller weg zu kommen, warf eine Luftmine einfach irgendwo runter und die kam 20 meter neben meinem Elternhaus nieder und das ganze Haus fiel zusammen wie ein Kartenhaus. Die Kellerdecke blieb zwar erhalten, aber in dieser Nacht war niemand von uns im Keller. Wir waren auf dem Wege in den Keller aber das war auch alles. Es sind vier Personen, meine Mutter, ein Ehepaar aus der Nachbarschaft und die Frau des Hauptmans dieser Flakbatterie ums Leben gekommen. Mich hat man rausgeholt. Ich soll, ich weiss es nicht mehr genau, ich war ja 14 Jahre alt, nach meiner Mutter gerufen haben, weil ich merkte, ich liege, aber ich liege nicht im Bett, ich liege, ich bin furchtbar eng, das weiss ich noch, und ich schmecke, ich habe Sand im Mund, oder Dreck, oder irgendwas, das habe ich gemerkt, das ist meine unmittelbare Erinnerung, und dann bin ich bewusstlos geworden und erst am nächsten Vormittag im Krankenhaus wieder zu mir gekommen. Und es hatt mich schon sehr gewundert dass mein Onkel, der Bruder meiner Mutter, im Verlauf des Vormittags kam, aber es gibt ja Zufälle im Leben und ich habe da nicht weiter drüber nachgedacht. Man hat mir die ersten acht Tage nicht sagen dürfen, das meine Mutter ums Leben gekommen war weil ich so schwer verletzt war, so das man nicht wusste, ob ich überhaupt überlebe.
Mein Vater war, wie gesagt, eingezogen und man kannte nur seine Feldpostnummer und hat an diese Feldpostnummer ein Telegramm geschickt, was er aber nicht bekommen hat. Mein Bruder war Luftwaffenhelfer, den hat ein Lehrer unserer Schule freundlicherweise geholt, als er erfuhr, was passiert war. Und mein Vater kam eine Woche später, da hätte meine Mutter Geburtstag gehabt, ihren 47sten, da hatte er es geschaft Urlaub zu bekommen und er kam, er stieg in Wuppertal in die Strassenbahn, damals fuhr noch eine Strassenbahn nach Cronenberg hoch, und traf einen Bekannten, der ihn kondolierte und mein Vater wusste überhaupt nicht, warum und weshalb und das war natürlich entsetzlich für meinen Vater. Mein Vater erst hat mir dann gesagt was wirklich passiert war. Mein Bruder hatte mich schon einige Tage vorher im Krankenhaus besucht. Als Luftwaffenhelfer trug er ja diese Hakenkreuzbinde mit, die rot-weiße Binde mit einem Hakenkreuz drauf, und auf dieser Binde hatte er einen Trauerflor, auch eine schwarze Binde. Und ich fragte ihn, “warum hast Du das schwarze Ding da drauf”, und er sagte, “damit es nicht dreckig wird”, so ganz beilaüfig, und sprach dann schnell von was anderem und ich habe ihm geglaubt. So naiv war man und man wehrte sich ja auch gegen tragische Erkenntnisse. Es war, das Leben war bedrolich, das wussten wir alle. Wir hatten kaum was zu essen, wir hatten im Wuppertal, als die Amerikaner dann ein Jahr später kamen, wären 1200 Kalorien pro Tag im Ruhrgebiet an Nahrungsmitteln auf den Lebensmittelkarten auszuteilen gewesen. Im Wuppertal war es besonders schlimm, da gab es nur 600 Kalorien pro Kopf. Und es war eine so schreckliche Zeit, die 44-45, die Zeit, da gab es so viele Tote zu beklagen, nicht nur gefallene Soldaten, sondern auch Bombentote, so das die Todesanzeigen in der Zeitung etwa 6-7 cm im Quadrat gross sein durften, weil einfach der Platz nicht ausreichte in den Zeitungen. Und jeder gefallene Soldat, und jeder Bombentote hatte dieses eiserne Kreuz in der Todesanzeige, links oben, glaub ich, oder rechts oben, das weiss ich jetzt nun nicht mehr, in der Ecke was dieses eiserne Kreuz angebracht. Ich weiss nicht, wie viele Seiten in der Zeitung voll waren mit diesen kleinen Todesanzeigen.


Citation

“Interview with Brigitte Terboven,” IBCC Digital Archive, accessed November 14, 2019, https://ibccdigitalarchive.lincoln.ac.uk/omeka/collections/document/50.

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