Interview with Charly Pfeifer

Title

Interview with Charly Pfeifer

Description

Charly Pfeifer recounts his experiences of the bombing of Betzdorf an der Sieg, a small town not far from the Ruhr. He explains the strategic importance of the city, due to the presence of locomotive works. He recounts taking shelter from the bombs in a former manganese mine. He remembers the time as a child, when he used to go into the forest looking for mushrooms and finding incendiary devices. He tells that he wasn’t afraid of these objects because at school there were posters with detailed descriptions of the ordnance. He happened to find V-2 ramps hidden in the forest. He explains how it was a very interesting time for children because there was always something happening. The most annoying aspect, he remarks, was being woken up, not only by the air alarm, but also by the rumbling of his own tummy. He recounts seeing Pathfinder aircraft, which they as children used to call 'The Iron Gustav' and when it dropped the target indicators, which they called 'Christmas trees'. He tells about his sister’s weird and unexplainable behaviour. Although she was only three months old at the time of end of the war, later on whenever there was a fly coming into the kitchen, she jumped down from her chair and quickly hid under the table.

Creator

Publisher

IBCC Digital Archive

Date

2016-06-27

Contributor

Peter Schulze

Rights

This content is available under a CC BY-NC 4.0 International license (Creative Commons Attribution-NonCommercial 4.0). It has been published ‘as is’ and may contain inaccuracies or culturally inappropriate references that do not necessarily reflect the official policy or position of the University of Lincoln or the International Bomber Command Centre. For more information, visit https://creativecommons.org/licenses/by-nc/4.0/ and https://ibccdigitalarchive.lincoln.ac.uk/omeka/legal.

Format

00:35:31 audio recording

Language

Type

Identifier

APfeiferKW160627

Coverage

Spatial Coverage

Transcription

PS: Lieber Charly,
CP: We can talk English, if you like to.
PS: Nein, es ist besser auf Deutsch. Können Sie mir erstmal ganz einfach ein bisschen von Ihrer Jugend erzählen. Die ersten Erinnerungen die Sie haben.
CP: Ja, die hängen natürlich zusammen mit den Zweiten Weltkrieg, weil, das ja außergewöhnlich, Krieg ist immer außergewöhnliche Situation, und da ich in der Nähe einer Stadt wohnte, in der zum Beispeil, sehr viel militärischer Nachschub über die Eisenbahn verschoben wurde, gleichzeitig gab es dort eine Fabrik für Lokomotiven und Industrie für Reparatur von Lokomotiven undsoweiter. Weil alles was in der Nähe im Krieg zerschossen wurde, wurde dort repariert. Also waren die Alliierten daran interessiert, diese Werke und die Eisenbahn, den Eisenbahnknotenpunkt stillzulegen durch air raids, was sie dann auch gemacht haben. Und ich kann mich dann als Kind in soweit daran erinnern, denn Bombenabwürfe sind ja nun nicht uberhörbar. Dann war es so, das abends und nachts, wenn die Alarmsirenen gingen, wir natürlich aus dem Bett mussten. Meine Mutter, mein Vater hatten schon immer einen gepackten Koffer da stehen. Und dann sind wir los in, entweder einen Bunker, das war aber kein Bunker der extra errichtet wurde, sondern das war ein Stollen von einer ehemaligen Mangangrube, oder aber wir sind, war auch wir bei also in einen Eisenbahntunnel dann nachts. Und… [dog barking] Dann ist klar das nach Bombenangriffen die Stadt dann brannte und ich kann mich erinnern dass meine Mutter mich auf den Arm nahm, weil ich alleine nicht so aus dem Fenster gucken konnte, schauen konnte, und ich dann gedacht habe das die Sonne rot scheint weil der Himmel rot war, aber in Wirklichkeit war das ja nur der Wiederschein des Feuers aus der Stadt.
Speziel kann ich mich erinnern an den Winter 1944-45, wenn wir Kinder spät nachmittags draußen gespielt haben, und es war blauer Himmel, dann konnten wir die Abschüsse der V2 Raketen sehen, weil in unserer Nähe, war nur ein Paar Kilometer weg von uns, war eine Abschussstation für V2 Raketen und im abendblauen Himmel konnte man schön sehen den Kondenstreifen der Rakete und wenn Brennschluss war, sah man nur noch in der Abendsonne den hellen Punkt weiterfliegen. Die wurden damals aber schon nicht mehr in Richtung England geschossen, sondern Richtung Belgien und Holland, weil sich in dem Bereich die Alliierten schon befanden, nach der Normandie. Und das war natürlich für uns Kinder interessant, weil logischerweise wir das ja nicht so als Krieg empfunden haben, weil wir ja nicht direkt da involved, also beteiligt waren, sondern mehr als, ja eine Art von besonderer Ablenkung aus dem Tagesgeschehen heraus. Und wir sind dann, dass weiss ich noch, 1945, sind wir dann von Zuhause weg, weil so viel gebombt wurde, und sind das, aber nicht allzu weit weg, sind wir in so‘n Dorf gezogen, was für Bombardements kein Interesse war, wo also nichts war, keine Industrien und nichts. Da wo ich zum Anfang wohnte war natürlich viel Industrie und dran war man ja interessiert. Und das direkte Ruhrgebiet, das war ja auch nur 80-90 km weg von mir, damals, so dass wir das alles also mitgekriegt haben. Wo ich mich noch dran erinnern kann war dass, sehr oft, abends, wenn‘s dunkel wurde, dunkel war, wir, ein einzelnes Flugzeug kam, wir nannten ihn den eisernen Gustaf und der machte aber nichts anderes, das war der Pfadfinder, der vor wegflog, und dann die sogenannten, wir sagten Christbaüme, Weinachtsbaüme, gesetzt hat, das war also, sah aus wie ein Riesending mit Leuchtkugeln, das also die ganze Gegend erhelte, und das war wie wir, wie ich dann später erfuhr, als ich älter war, dass das kein Schauspiel war, sondern dass das die Zielmarkierung für die Bomber war. Und auch als Kind haben wir natürlich nicht gewusst, sind das nun Englische Bomber, sind das Amerikanische Bomber oder, für uns waren das einfach nur Bomber.
Nachwirkungen von all diesen Dingen, nach den Krieg, als ich dann selber einigermaßen unterwegs war, also selbststandig war. Wir haben sehr viel aus der Natur gelebt damals, das hieß, wir gingen im Herbst, auch Pilze sammeln undsoweiter, und da haben wir zum Beispiel massenhaft nicht explodierte Brandbomben gefunden, Stabbrandbomben, das waren Fehlwürfe, die also die Stadt nicht erreicht haben, sondern in einem Waldgebiet runtergegangen sind. Das könnte ich Ihnen hier auch, ich habe extra deshalb hier Google Earth angeschmissen. Ich kann Ihnen das mal zeigen wo das war. Ok?
PS: Ach ja, können Sie mir sagen wo Sie eben gelebt haben?
CP: Betzdorf an der Sieg, das ist 90 km nordöstlich von Köln. Köln ist für jeden ‚n Begriff. Da bin ich geboren, aufgewachsen und ich bin 1961 erst nach Jever gekommen hier, durch die Luftwaffe. Sonst habe ich da unten gelebt, in dieser Gegend, dicht, dicht zum Ruhrgebiet. Das ist, was ich Ihnen jetzt erzählt hab, ist alles nichts von Jever hier. Jever war nichts los hier. Die Bomben, das weiß ich von Bekannten, die Bomben die hier gefallen sind, waren alles Notwürfe, dass heißt die sie in Bremen nicht so wie Wellington, die sie in Bremen nicht losgeworden sind wegen Wetter, oder Wilhelmshafen vorbeigeworfen haben die hier, aber meistens im Land hier und wo nichts passiert ist. Aber wie gesagt, zu meiner Zeit, da unten ist sehr viel bombardiert worden, weil ja auch alle Flugzeuge, die Bomber, auch in der Nacht, wenn die zum Ruhrgebiet flogen, flogen die immer über uns weg. Weil wir, halt, aus der Luft betrachtet waren wir direkt vor der Haustür, wenn man so will. Denn aus der Luft betrachtet sind ja 80-100 km keine Entfernung. So, und [pauses] ich weiß allerdings, also eben nicht mein Erleben, das weiß ich auch aus der Erzählung meiner Tante, die dort nach wie vor, als wir mal kurzfristig weggezogen waren wegen der Bombenwürfe, die ist dort geblieben und die hat auch erlebt, wie dann die Amerikaner eingerückt sind dort und wo also gegenüber auf den anderen Hügel noch Deutsche lagen und die sich dann gegenseitig da beschossen haben. Hat’s auch noch ein Paar Tote gegeben, liegen noch drei und auch ein Amerikanischer Leutnant liegt noch bei uns in meiner Heimat noch auf den Friedhof heutzutage. Und das ist aber alles relativ schnell gegangen da denn das waren die letzten Kriegstage wo also, die Alliierten rückten vor und die Deutschen rückten nur immer weiter weg. Das war also nicht mehr weiter viel, wiegesagt. Nach dem Kriege dann [waren] wir als Kinder natürlich sehr interessiert an allem. Wir sind also überall hingelaufen, wo abgeschossene Panzer lagen, wo abgeschossene Flugzeuge lagen, weil das für uns Kinder interessant war sowas. Da sind natürlich überall hinmarschiert. In der vicinity, also in der Nähe da wo wir hinlaufen konnten. Und da gab es für uns natürlich einiges zu sehen, für uns Kinder, wir waren ja neugierig, wie, wo, was ist da. Ja, ich bin auch in dieser Gegend zur Schule gegangen. Bin dann nach der Schule, wie in Deutschland üblich, habe ich ‚ne Lehre gemacht und am Ende dieser Lehrzeit von dreienhalb Jahren bin ich dann zur Luftwaffe gegangen. Und hab dann so die Standardausbildung gemacht bei der Luftwaffe, Flugzeugführerschein, Fluglehrerlehrgang, irgendwann Offiziersschule und also was hier, und hab auch sehr viel Ausbildung in America gemacht, war also sehr oft in Amerika drüben, und bin dann 1993 hier in Jever Airbase auch pensioniert worden. Habe mich aber trotzdem immer weiter mit der Luftwaffe beschäftigt. Der Fliegerhorst Jever hier ist so mein zweites Zuhause. Und so ist das auch gekommen, nachdem ich die ersten Verbindungen mit Jack Waterfall hatte, das ich dann diese Geschichten wieder intensiviert hatte. Ich wusste zwar sehr lange schon, ich wusste, seit Anfang der Sechziger Jahre wusste ich, wo die Wellington abgestürtzt war, weil ich kannte den Förster, den Vor-Vorgänger von Carsten Streufert, den kannte ich auch gut, der hat mir das mal eines Tages gezeigt und damals, 1960, war das ja gerade zehn jahre, zwanzig Jahre her und die Baüme waren dann noch nicht so wie sie dann heute sind, das war alles noch gut sichtbar. Und wir haben dann damals auch schon Einzelteile gesammelt die man so noch oberflächlich fand weil wir in den Neunzehnhundertsechziger Jahren noch nicht die, oder überhaupt, wir hatten überhaupt keinen Metalldetector, oder wie wir sagen Minensuchgerät. Heute haben wir natürlich, ich auch, das modernste Gerät. Wenn ich heute da langgehe, piept es an allen Ecken und Kanten, weil immer noch Blechstücke, Munitionen und allesmögliche im Boden leigt. Denn die damalige Luftwaffe im Dritten Reich hat ja nur oberflächlich abgeraümt, die Grossteile die da rumlagen. Alles andere da hat keiner gesucht, was da an Kleinzeug rumliegt. Und deshalb findet da man das heute noch. Und Ich bin mir sicher, da will ich zunächst auch mal hin, dass man an anderen Stellen auch noch genügend findet. Denn südlich vom Flugplatz, die Wellington die ist ja runtergegangen im Upjeeverschen Forst. Noch weiter südlich sind auch welche abgeschossen worden und um die Stellen denke ich hat sich heute noch gar niemand gekümmert. Es ist auch in Deutschland ein bisschen kompliziert weil man, weil offiziell brauche ich ja jedesmal die Genehmiegung vom Landeigentümer, das ich da überhaupt hin gehen darf und normalerwiese müsste ich noch eine Polizeiliche Genemiegung haben, weil ja immer die Gefahr besteht, Munition zu finden und ähnliches. Die brauche ich aber nicht, weil ich Gottseidank Munitionsfachmann bin durch die Luftwaffe und Sprenglizenzen habe und Feuerwehrlizenz, so das ich das eigen verantwortlich machen kann. Aber am sonsten ist das immer mit Schwierigkeiten verbunden, weil viele Landeigentümer sagen nein sie wollen das nicht, das man auf ihrem Land keine Löcher gräbt zum Beispiel. Ja, [pauses] zum Krieg fallt mir natürlich jetzt im Moment so gar nichts mehr ein.
PS: Sie deuteten vorher… Sie haben mir vorher die Bilder gezeigt von der Gegend um Betzdorf und den anderen Ort. Können sie mir das moment noch einmal wieder ein bisschen erzählen, der Ort wo Sie Pilze…
CP: Ich bin aufgewachsen in einem Ort, der heißt Scheuerfeld. Da haben wir letztens erst 1100 Jahre Bestehen gefeiert. Das ist eigentlich ein ganz besonderer Ort. Das war zu der Zeit da unten als ich geboren wurde noch Gebiet der Freien Männer, so nannte man das, änhlich wie hier in Ostfriesland, deshalb heißen die Ostfriesen ja auch die freien Ostfriesen. Und dieser Ort liegt ungefähr zwei Km von der Stadt Betzdorf weg. So dass das letztendlich, wenn ich das aus der Luft betrachte, eine Einheit ist das ganze. [pauses] Ja wie gesagt, da bin ich halt geboren, aufgewachsen und habe das halt erlebt was ich vorhin nun berichtet habe, aus der Kriegszeit, genau in dieser Gegend da.
PS: Sie hatten mir da auch erzählt warum….. Sie hatten da eben etwas von Scheuerfeld und Betzdorf erzählt in Verbindung mit den Bombardierungen.
CP: Ja, genau. Weil in Betzdorf diese Werke waren, Eismann Ausbesserungswerk, Lokomotivenfabrik, also wo Lokomotiven gebaut wurden, und viele, viel Gerät der Bahn, der Eisenbahn war ja zum Teil nach Bombenangriffen nicht mehr zu reparieren also musste man ja auch noch neue Lokomotiven bauen. Und in Betzdorf war ein grosser Rangierbahnhof, wo also Waren, Kriegsmaterial zu Zügen zusammengestellt wurde, die dann halt irgendwohinn an die Front fuhren, und auch mit Kanonen drauf, Panzer, Munitionen, was weiss ich, und deshalb war Betzdorf für die Alliierten vom Interesse, logischerweise Nachschub abschneiden und halt verhindern das noch, durch Bombardierungen, das noch Lokomotiven gebaut or repariert wurden, undsoweiter. Das war ein Hauptgrund warum dort viel bombardiert wurde.
PS: Sind Sie noch in… haben Sie noch Familie in Betzdorf? Und Scheuerfeld?
CP: Nein, nur Bekannte. Schulfreunde. Meine Familie, meine Eltern sind tot und meine Geschwister wohnen überall nur nicht mehr da. Da wohnen nur noch Freunde, Bekannte, keine, keine Verwandtschaft von mir mehr. Wobei ich, wobei muss ich sagen, ich komme ein Mal im Jahr komme ich dorthin. Ich besuch also, einmal im Jahr besuche ich mein Schulfreund da unten. Ich bin ja auch, wie Sie sehen, Jägersman und mein Schulfreund hat auch ein Jagdgebiet da unten und da fahre ich einmal im Jahr zur Jagd da runter und frische die Jugenderinnerungen auf.
Zum Beispiel, habe ich, ich erzählte ja vorhin das wir im Winter da gesehen haben wenn die V2 flog. Da bin ich inzwischen mal gewesen, wo die abgeschossen wurde und das waren ja zum Teil ganz einfache Abschussgebiete. Da hat man einfach mitten im Wald irgendwo ‚ne Betonplatte gegossen, mehr war das nicht, und der Rest war ja alles in LKWs, die dann drumrum im Wald gut getarnt standen und da bin ich zum Beispiel hin gewesen, ein Ort der heißt Bad Marienberg und dort habe ich dann im Wald auch noch so eine Platte, so ne Abschussrampe, so ‚ne Platte gefunden. Das war Bad Marienberg und eine andere Abschusstellung, die war nicht weit davon, die hieß Hachenburg.
PS: Und das waren die V2.
CP: Ja, das war V2. Das wird auch gut beschrieben in einem Buch, das da heißt “Kriegsschauplatz Westerwald”. Da kommt das drin vor und dann gibt‘s aus dieser Gegend noch ein Buch, das hieß, ich erklär das gleich, “Gefrorene Blitze”. Das stammt aus den Volksmund, das heißt, das haben die Leute so gesagt, wenn die V2 ab einer bestimmten Höhe zog die auch Kondensstreifen und genauso wie bei jetzt von den Jets wenn der Kondenstreifen anfangt zu zerfallen, irgendwann zerfiel der natürlich auch und weil der eine Zeitlang da war und sah aus wie ein Blitz, haben die Leute auf den Land das “Gefrorene Blitze” genannt. Und so heißt auch das Buch. “Gefrorene Blitze” behandelt die V2 Stationen im Westerwald. Und das ist ja direkt an meiner Heimat. Ich bin zwar Rheinland-Pfälzer aber der Westerwald grenzte direkt an meiner Heimat dran.
PS: Hat der Freund den Sie hin und wieder besuchen noch Erinnerungen? Haben Sie je noch darüber gesprochen?
CP: Ja, wir haben vorwiegend nur über Nachkriegsdinge gesprochen. Zum Beispiel, wenn wir im Wald waren und Brandbomben eingesammelt haben und sowas. Aber ob er direkt noch aus den letzten Kriegsjahr oder so noch was weiß, oder das letzte Halbjahr, sagen wir mal 1945 Januar bis Mai, das weiß ich nicht, da musste ich ihn ja fragen, weil wir uns weniger darüber unterhalten haben.
PS: Ich weiss jetzt nicht ob ich das aufgenommen haben. Können Sie mir vielleicht noch Moment von dieser Erfahrung mit den Brandbomben erzählen?
CP: Ja, Wie gesagt, Die Brandbomben steckten, das waren die Sechskantstabe, so lang, die stachen einfach den Waldboden, weil sie nicht explodiert waren. Und wenn wir Kinder im Wald waren zu Pilze suchen oder sonst, haben wir die natürlich gefunden. Und neugierig wie wir waren haben wir natürlich auch welche mitgenommen. Weil das war so. Wir haben in diesen Dingern gar keine Gefahr gesehen, weil diese Sachen alle bei uns in der Schule sehr genau beschrieben waren. In der Schule auf den Fluren überall hingen Plakate, „Hände weg von Fundmunition“, und da waren die einzelnen Sachen, die man finden konnte, waren da alle beschrieben und da waren zum Beispeil die Brandbomben auch beschrieben. Und da ich mich zu der Zeit auch schon, was ich heute noch tue, für alle diese Dinge, Waffen und Kriegsmaterial und Sprengstoff und alles interessiere, habe ich also.. Also die Brandbomben da habe ich natürlich nicht mit vier Jahren gesucht, sonder das war in der Zeit wenn wir schon alleine in den Wald gingen um Pilze zu suchen, da war ich zehn, elf, zwölf Jahre alt. Und da hab ich mich also schon sehr für Munition und Sprengstoff und all sowas interessiert. Und das habe ich natürlich später beim Militär alles ausgebaut das ganze.
PS: Und wenn Sie jetzt zurückdenken an die Kriegszeit, gesehen von heute, welche Eindrücke haben Sie?
CP: Sagen wir mal so. Was störend war, war nachts aufzustehen und in den Bunker zu rennen. Am sonsten, für uns Kinder, war das eine interessante Zeit, weil immer was los war. Und dann, man sah Flugzeuge am Himmel und wusste natürlich als Kind noch nicht genau überhaupt nicht wer ist wer, man wusste nur “die mögen sich nicht” weil da geschossen wurde oben, das hörte man ja unten. Von daher war es seine erlebnisreiche, interessante Zeit. Wie gesagt, mal abgesehen vom Bunkerlaufen nachts und änhlichen. Und was natürlich gestört hat, uns Kinder, gegen Ende des Krieges, Kinder haben ja immer Hunger, und Essen war immer weniger gegen Ende des Krieges. Das hat also eine bischen gestört, dass man vom eigenen Magenknurren, nicht nur von der Sirene wach wurde nachts, sondern auch vom eigenen Magenknurren. Aber am sonsten was tagsüber war und was so geschah um uns drum rum, weil ja außer Bombardements direkt am Boden bei uns zu der Zeit keine Kriegshandlungen waren. War ja nix, das war ja alles in der Luft. Und deshalb war es für uns Kinder immer interessant. [pauses] Meine Schwester, das ist ein Phänomen, das müssten aber Psychologen klaren. Meine Schwester ist im März 1945 geboren, das heißt die war bei Kriegsende drei Monate alt. Und das war die Zeit wo also sehr viel Bombardement war, und sehr viel geschossen wurde in der Luft und und und. Was ich später erlebt habe war, da habe ich mich immer gefragt, wie kann das sein. Wenn wir beim Essen sassen, und es kam in der Küche nur eine Fliege angeflogen, da ist meine Schwester vom Stuhl gesprungen und hat sich unterm Tisch versteckt. Obwohl sie das ja eigentlich gar nicht, sie war drei monate alt als das alles passierte. In wieweit man das ganze Getöse im Mutterleib schon mitkriegt weiss ich nicht. Ich sag dass ist ein Fall für irgendein Psychologen, rausszufinden wie sowas kam. Aber meine Schwester brauchte nur eine Fliege sehen die ankommt, irgendwas was in der Luft fliegt, war die verschwunden, weg.
PS: Jetzt wo Sie seit einigen Jahren die Beziehungen, gute Beziehungen zu den Briten haben, wie sehen Sie das ein bisschen alles, ich meine die Bombenkampagne und, ja?
CP: Ja sagen wir mal so. Nicht nur die Engländer und Amerikaner haben gebombt, wir haben auch gebombt. Also beruhte auf Gegenseitigkeit. Deshalb bin ich auf niemandem gram. Und dann, habe ich auch heute den Standtpunkt dass die Welt noch wesentlich besser sein könnte, wenn wir keine Politiker hatten. Denn sehr viele Politiker sind ja Schuld an manch einem Desaster. Und wie man ja jetzt auch sieht in unseren Beziehungen mit den Verwandten der ehemaligen Besatzung und und und, Leute unter sich vertragen sich in der Regel immer gut. Das ist überhaupt kein Thema und ich hätte auch keinen Groll gegen irgendjemandem, was weil das ist halt Krieg. Da fürt nicht nur einer Krieg, sondern da führt auch der andere Krieg. Und da muss man halt rechnen, damit rechnen dass es da Tote und Verletzte gibt, und und und. Nur also ich stehe dem ganzen, und das war auch in der Zeit wo ich in Amerika war, eigentlich positiv gegenüber, weil ich mir sage, die Leute unter sich vertragen sich in der Regel immer gut. Irgendwelche die dann, da gibt es ja ein spezieles Wort für in Deutschland, Scharfmacher, Leute die also solange hetzen, aufhetzen bis der nächste meint er muss mal zum Gewehr greifen. Also ich will das was wir hier machen und deshalb wollen wir das auch für die Zukunft weiter aufrechterhalten. Da bin ich auch mit Jack einig, wir können uns naturlich, alleine schon aus Kostengründen, nicht jedes Jahr treffen hier. Aber wir werden das ganze am Leben erhalten und vielleicht haben ich ja noch die Gelegenheit, wenn meine Gesundheit mir keinen Strich durch die Rechnung macht, noch irgenwelche anderen Absturtzstellen zu erkunden hier und vielleicht noch Kontakt zu anderen Leuten bekommen in England. Denn die Zeit drängt ja. Wir als Zeitzeugen sterben aus und die Englischen Zeitzeugen sterben genauso aus, so dass man irgendwann keinen mehr hat mit dem man über diese Dinge reden kann, den man, weil halt niemand mehr da ist. [pauses] Und Ich habe leider, leider auch in meiner Heimat da unten, wie gesagt, ausser mein Schulkameraden, auch niemanden mehr der so alt ist, dass er mir berichten könnte, den der müsste ja so wie Heino, 94 sein. Und, Ja und ich selber bin auch 75 und viele von meinen Bekannten da unten leben schon gar nicht mehr. Mein Schulfreund, auch 75, Paar noch drum rum, aber es gibt natürlich auch welche die sich im ganzen Leben für sowas gar nicht interessiert haben, die wissen auch nix zu erzählen weil sie das nicht interessiert hat. Und wir wie gesagt, wir haben früher, als Kinder, alles was mit Militär zu tun hatte, was wir gefunden haben im Wald, haben wir mitgenommen, haben wir gesammelt, zum Leidwesen meiner Eltern, den die mochten ja auch keinen Sprengstoff und keine Bomben im Haus haben. Aber ich hatte, wie das früher auch im Land so war, wir hatten neben dem Haus ein Hühnerstall, und änhliches, da immer alles versteckt. Aber wie gesagt, kenne ich leider niemandem da unten der also älter ist und der sagen könnte “Ja, ich habe noch das und das erlebt”.
PS: Wissen Sie von mehreren anderen Absturtzstellen hier in der Gegend?
CP: Ja es müssen noch zwei in der Nähe vom Ems-Jade-Kanal liegen und im Bereich Wilhelmshaven müssen noch welche sein, wo ich aber nicht auf‘m Meter genau kenne, wäre aber herauszufinden.

Collection

Citation

Peter Schulze, “Interview with Charly Pfeifer,” IBCC Digital Archive, accessed July 15, 2019, https://ibccdigitalarchive.lincoln.ac.uk/omeka/collections/document/16.

Item Relations

This item has no relations.

Can you help improve this description?