Interview with Ingrid Dennull

Title

Interview with Ingrid Dennull

Description

Ingrid Dennull reminisces about her wartime experiences in Berlin and then as an evacuee and teacher in East Prussia. She recounts various episodes related to the Dresden raid and its aftermath: seeing from a distance the target indicators, dubbed “Christmas trees” falling over Dresden; evacuees lodged in schools and farms; mentions people from Wroclaw and Silesia among the casualties; herself hiding in a barnhouse together with other women from Russian troops. Ingrid remembers various episodes from wartime Berlin: blackout measures; disposing of incendiary bombs; food rationing; strictly opposing entering the League of German Girls; disruption of train lines; her time spent in a shelter; a friend of hers being killed in an air raid at the end of the war in Potsdam. Gives a vivid account of her trip from Dresden back to Berlin. Tells of her father, a member of the Confessioning Church, serving in the military postal service in France and elsewhere. Tells of how many people she knew privately opposing Hitler, but publicly supporting him. Recounts her life and time as a teacher in postwar Berlin.

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Creator

Publisher

IBCC Digital Archive

Date

2018-06-18

Contributor

Peter Schulze

Rights

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Format

01:34:49 audio recording

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Type

Identifier

ADennullIGE180622

Coverage

Temporal Coverage

Transcription

PS: Dieses Interview wir für das International Bomber Command Digital Archive geleitet. Der Interviewer ist Peter Schulze, die Befragte ist Frau Ingrid Denull. Heute, wir sind in Berlin und heute ist der 22 Juni 2018. Wir bedanken uns recht herzlich bei Frau Denull, dass sie bereit ist, sich interviewen zu lassen. Ihr Interview wir Teil des International Bomber Command Digital Archive, das an der Universität Lincoln angesiedelt und vom Heritage Lottery Fund finanziert wird. Also, liebe Frau Denull, können Sie mir erstmahl erzählen wo Sie geboren und aufgewachsen sind, ehm, Ihre Familie und Umgebung in der Sie geboren sind, die ältesten Erinnerungen, die Sie haben.
ID: Die ersten Erinnerungen, als Baby kann ich natürlich nicht, darüber kann ich nichts sagen. Die richtigen Erinnerungen beziehen sich auf einen Urlaub an der Ostsee den mein Vater organisiert hatte und ich dort versucht habe das Schwimmen zu erlernen. In Berlin ist es ganz schlimm gewesen dass meine Mutter plötzlich an Diabetes 1 erkrankte und [unclear], die musste morgens, mittags und abends spritzen auch der, ehm, Ernährungsplan wurde vollkommen umgestaltet, es gab so viel Gemüse so gut es ging, bis in die Kriegszeiten hinein ging das alles ganz gut. Meine Mutter hatte, is gut [unclear] worden in dem Krankenhaus Lazarus in Berlin. Ich selbst bin mit sechs Jahren eingeschult worden in Pankow und habe dort vier Schuljahre erlebt und bin dann in die Mittelschule im selben Ort überwiesen worde. Dort, das ist dann nachher in meiner Erinnerung was die Schulzeit angeht nicht so schön, die erste Stunde [unclear] immer ausgefallen ist und dabei, bei Hitler angeordnet worden ist dass immer mehr Sport betrieben werden musste. Ich war eine verhältnismäßig gute Schülerin mir hat es nichts, es ist mir nicht schwer jefallen. Mit acht Jahren bin ich sehr schwer an Nierenwassersucht erkrankt und war zehn Wochen im Krankenhaus. Dort musste ich hungern aber ich habe alles überstanden. Ich bin sehr zufrieden dass meine Lehrerin mich nicht hat sitzenlassen sondern mich sehr gefördert hat und ich weiter den Schulunterricht so weiter folgen konnte. [pauses] Der Einschnitt, was mein früheres Leben betrifft, ist ja die Anmeldung zu den Jungmädeln. Mein Vater war Beamter und ihm wurde nahegelegt, zu einer Nationalsozialistischen Organisation mich anzumelden. Dort wurden Heimabende durchgeführt aber schnell fand man heraus dass ich gar nicht für die Heimabende so wichtig bin sondern ich spielte Flöte und wurde der Jugend Musikschule zugeteilt dass ich immer nach Berlin fahren würde, ich kriegte sogar das Fahrgeld für eine Tour, dass ich da Volksmusik durchjeführt habe. Weiterhin, was die Jungmädelzeit angeht, [pauses] ist ein Einschnitt dass ich mich stark gewährt habe dem BDM überführt zu werden. Das ging nur dass ich mich bereit erklärt habe, einen Gesundheitskurs durchzuführen. Das habe ich gemacht und blieb dann bei den Jungmädeln auch auf Fahrten immer, ehm, die ich begleiten musste, das war nicht schlimm, es waren keine Grossen Unfälle dabei. Was, die heutliche Umgebung in Pankow war so dass ich von meinen Eltern angehalten wurde, Sonntags immer zum Kindergottesdienst zu gehen. Ich bin Evangelisch und mit vierzehn Jahren konfirmiert worden. Das, ein Unterschied gab es zwischen der Beteiligung in der Kirche und zur selben Zeit war denn Appell auf dem Marktplatz in Pankow. Ehm, von den Jungmädeln ist noch zu sagen dass ich die Fahrten eigentlich nicht mal mitmachen konnte weil mein Vater ja das viele Geld brauchte um Mutter vom Krankenhaus, in dem Krankenhaus Aufenthalt zu bezahlen denn nur von der Krankenkasse ist die Mutter ausgesteuert worden, des gib’s heute nicht mehr, aber alles andere wurde bezahlt, Plaster und Zahnsachen, alles wurde bezahlt, nur alles was Diabetiker angehen, wurde ausgesteuert. Die Zeit vergeht und ehm, [pauses] ab ersten September sind wir auf dem Schulweg angehalten worden zuhause su gehen weil der Krieg ausgebrochen ist. Am ersten September war keine Schule und die Verordnung mit der Verdunkelung wurde einjeführt, es ist noch lustig in meiner Erinnerung dass die Straßenbahnfenster zujemalt wurden sind, ein kleiner Schlitz gab etwas ganz spärlich Licht in die Straßenbahn. [sighs] Meine Schulzeit ist dann beendet worden in Berlin und ich kam auf die Lehrerinnenbildungsanstalt nach [unclear. [unclear] war ein Polnisches Dorf das die Deutschen ja im Wartheland besetzt hatten. Die Lehrerinnen waren verschieden bis und Allgemeinbildung sehr bemüht. Wir haben viel gelernt, ich bin sehr zufreiden über die erste Zeit bis dann ein SA-Mann die Leitung übernehmen sollte und wir Fahnenappelle hatten. [pauses] Auch Gedenkstunden wurden abgehalten. [pauses] Was ist, jetzt weiss ich nicht, was Sie interessiert. In den Ferien bin ich ja nach Berlin jekommen und diese Zeit waren dann manchmal Bombenangriffe. Die, [pauses] in Pankow wo ich groß geworden bin ist nicht viel passiert zunächst. Nur in den späteren Kriegsjahren denn wurde aufgerufen das wenn Brandbomben auf der Strasse lagen die entsorgt werden mussten. Da habe ich auch Handschuhe anjezogen und wie angedacht war, die Bomben in die Vorgärten geworfen. Ich weiß es nicht, aber ich bilde mir ein, noch heute, sie liegen dort, im tiefen Sand die Brandbomben aus der Kriegszeit. Ich legte dann im April ‚44 die erste Lehrerprüfung ab. Dass bedeutete dass wir als ausgebildete Lehrkräfte unser Praktikum in ländlichen Gebieten ausführen sollten. Inzwischen war die Evakuierung durchgeführt von den Berliner Kindern und ich kam nach Ostpreußen, nach Siegfriedswalde, einem kleinen Ort in Ostpreußen. Heute heißt es anders. Das ist meine erste Schule. Ich bin später mit Leuten dorthin jekommen und habe die Schule auch später noch besucht. Der Lehrer ja war ja, Hauptlehrer war einjezogen und ich hatte die Klasse 3 und 4 und die ganz kleinen Anfänger. [pauses] Es ist in ein Interview vielleicht interessant, dass ich mit den Goten [?] Sport machte und die gerne Brennball spielten. Und ich hab es noch heute in Erinnerung, wenn um zwölf die Kirchenglocken läuteten, legten die die [unclear] nieder, den Ball nieder, sie hockten und knieten und beteten erstmal ein Weilchen bis die Glocken zu Ende waren und spielten dann wie als wäre nichts gewesen war ihr Spiel weiter und hatten dann Sport. Ich wurde, es gab wohl eine Verordnung die ich nicht genau kenne, dass ich als so junge Lehrerin nicht in, alleine auf’n Dorf unterrichten sollte sondern in einer Stadt, Heilsberg, in einer Katholischen Knabenvolksschule von einem Rektor pädagogisch betreut werden sollte. Das hat auch so dann, ist auch so gekommen dass ich nach Heilsberg in die Katholische Knabenvolksschule kam. Da ist auch eine Erinnerung, dass mich der Direktor der Klasse vorgestellt hatte und dann gegangen ist und ich nun weiter für die Schulklasse verantwortlich war. Die Schüler beteten und es ist ein furchtbares, ein Schock gewesen, dass sie jetzt jesagt haben: ‘Erlöse uns von den Bösen, oder Übel, Heil Hitler, Jesus Christus, gestern und heute‘. Dass dazwischen Heil Hitler jerufen wurde, dass hat mich so schockiert, ich wusste gar nicht wie ich mich benehmen sollte. Jedenfalls habe ich denn dies zur Kenntnis jenommen, die Kinder waren daran jewöhnt, fanden gar nichts dabei, ich war so schockiert, ich weiß gar nicht was ich im ersten Moment da jemacht habe. Die Evakuierungszeit ging zu Ende [pauses] und wir kamen weiter wieder nach Berlin zurück, wie war, jetzt weiß ich nicht mehr.
PS: Erinnern Sie sich an das Jahr?
ID: In Berlin bin ich bis 1944 jewesen und wurde dann erneut evakuiert ins Erzgebirge. Weil dort auch angeblich Berliner Kinder evakuiert waren. Aber ich wurde vom Schulrat einjeteilt in die Volksschule nach Reichstädt, Kreis Dippoldiswalde. Und dort habe ich dann diese auch wieder, und da [unclear] das war ein langes Dorf, sieben Kilometer lang, im Oberdorf hatte ich die größeren Schüler und im Niederdorf habe ich die kleineren Schüler gehabt. Das ging ziemlich planmäßig bis die Russen kamen. 1945 kamen die Russen und eine, die Leute haben, die Bauern haben denn die Fahnen, die weißen Fahnen rausgehängt dass sie sich ergeben. Der, das [unclear] war aber auf‘n Feld und hat nicht die Fahne rausjehängt und der wurde dann gleich von den Russen erschossen. Die Russen zogen ab und dann kamen die Polen, die haben viel geräubert und zwischendurch war wieder Russische Besetzung. Wir, ehm, etwas für Fremde Lustiges, möchte ich hier einfügen, die Kinder waren ja gewöhnt, mit Heil Hitler zu grüßen und den Arm zu heben, und da hab ich den Kinder gesagt, sie sollen ihre Milchkannen immer in die rechte Hand nehmen, damit die gar nicht erst in Versuchung kommen, [laughs] den Arm zu heben. Das haben die gerne gemacht und auch sich daran gewöhnt. Die, ach, ich hab ja vergessen zwischendurch, den großen Luftangriff zu erwähnen. Ich hatte ein kleines Gerät, mit dem ich Rundfunk, wenn man einen Draht an die Heizung machte, dann ist der Kontakt, mit dem man konnte Radio hören. Und da konnte ich immer hören, Bomber über Hannover, Braunschweig, Berlin undsoweiter. Und eines Abends war kein Kontakt da und meine, und wir waren um den [unclear] zu erhalten, guten Empfang zu erhalten im Dachgeschoss des Hauses und, uhm, ich guckte raus aus’m Fenster und sag, ach Frau Kriche, Frau Kriche, der Wald brennt! Frau Kriche guckte auch, da war ja alles, alles hell, wie Tannenbäume, und das war aber kein Wald sondern zweiundzwanzig Kilometer entfernt war die, waren die Tannenbäume die die Engländer auf Dresden jeschüttet haben und dort war dann der wirkliche, der Brand am 13 Februar 1945 war des, ganz, ganz schlimm. In den nächsten Tagen kamen denn schon die Nacht die Leute auf Leiterwagen, in Decken gehüllt, die ausjebombt waren in Dresden und nun auch in den Bauernhöfen verteilt wurden. Ich wohne in einer, ehm, nicht im Betrieb [unclear] Bäckerei. Die Frau, die Bäckerfrau die hat zwei Leute aus Dresden auch aufjenommen, nee, müssen. Und ich war, die Ausjebombten wurden auch in den Schulen verteilt. Die Schule war jeschlossen und ich war dabei, entweder zur Betreuunung die vielen Leute die in der Schule oder irgendwo untergebracht wurde, dass sie eher irgendwie betreut wurden. Und denn habe ich Listen geschrieben, wer woher kommt, dass die weitergeleitet wurden, dass die Leute denn auch richtig betreut würden. Ich komme wieder zu nach vorne, was mich angeht, dass ich versucht habe, mich zu schützen in den, mit den anderen Frauen nachts in den Scheunen, dass die Russen kamen. Aber die Russen haben Heugabeln genommen und dann haben die Kinder aber geschrien und so wussten die Russen jenau wo wir Frauen versteckt waren. Da habe ich mich versucht abzu, ganz ist mir auch jelungen abzuhauen von den Frauen und [pauses] ich weiß gar nicht mehr ganz genau wie ich das jeschafft habe, der Mann der bei mir, uns im Hause, der Ausjebombte aus Dresden, der hat mir ‚ne Zeltbahn und ‚ne Decke mitgegeben, dass ich mich in einer fast Baum oder Felsenhöhle unter verkrochen habe. Der Mann brachte mir einmal am Tag was zu essen und als es wieder ruhiger wurde und ich wieder im Hause denn jewohnt habe, da habe ich mich bemüht, was zu schaffen, dass die Leute, die Leuten hatten ja erst keine Lebensmittelkarten, nur was die Bauern hatten wurde verteilt und die Leute, die keinen Bauernhof hatten, die waren nett, die haben alle verteilt und vergeben [?]. Ich bemühte mit zu arbeiten mit den anderen jungen Frauen, es war ja Mai Heuernte und denn, die, ich war ja nicht so flink, die Bauernmädchen haben mir sehr geholfen dass ich immer in der Reihe mitgehen konnte und dann habe ich für den Mann der bei uns wohnte Sauerapfel in die, [pause] ehm, Tasche getan, sagt man denn in die Schürzentasche getan, der wollte die zum rauchen, der hat sie des aufgehängt und hat daraus da Tabak gemacht und auch jeraucht. Ich bin eines Abends hat mich ein Russe verfolgt und dann hab ich, hab ich jehauen und bin weggerannt un die Leute haben nachher ja jeschimpft dass ich bei ihnen Unterschlupf gefunden habe. Dass der mir nichts anjetan hat, dass ich verschohnt geworden bin von dem starken Russen. Ich, ich bin kein guter Läufer, aber ich hab des jeschafft dass ich irgendwo mich verkrochen habe im Keller, ich weiß nicht mehr alles genau, wie des nachher weiter gegangen ist, jedenfalls hat der Russe von mir gelassen [cries] Dass man rumjehorcht hatte, es gehen wieder Züge, die Leute auf Güterwagen, wie die Russen so alles arrangiert haben dass die Züge wieder weiter fuhren. Da habe ich mich bemüht, einen Passierschein zu kriegen dass ich wieder in meiner Heimat kam nach Berlin [gasps]. Dresden Neustadt war im Abteil ein Deutscher, der auch nach Berlin wollte und mir mit meinem Koffer ein bisschen jeholfen hat und wir mussten in Riesa alle nachts raus, der hat mir geholfen mit Quartier in Riesa und bis zum anderen Tag wieder weiter. Da hab ich es mit anderen Leuten jeschafft, wie es damals üblig war, auf das Dach des Güterwagens zu kommen. Hier waren glaub ich fünf oder sechs Leute, ich weiß nicht mehr, die auf dem Dach jelegen haben und Richtung Berlin weitergefahren sind. Und mit einmal schreit, schreit es und der Zug bremmst. Ich hab es nicht jesehen aber jehört dass ein Mann da an einer Brücke den Kopf gegen gestoßen ist und der Kopf weg war. Die Leute haben des alles erzählt, wenn ich es jetzt sage, es war, ich habe es nicht gesehen aber es war furchtbar, der Gedanke dass ein Mann ‚n Kopf verliert weil der Zug da unter der Brücke jefahren ist. Das sind die furchtbaren Erlebnisse unterwegs. [gasps] Ich, langsam langsam merk ich dass der Zug, kenn’se, so auf der Landkarte sehen’se Lichterfelde, mussten wir alle aussteigen und zu Fuß, das ist ja dann schon Groß-Berlin und in, wie ich dahinjekommen bin, dass ich an eine U-Bahn jekommen bin, dass weiß ich gar nicht mehr. Jedenfalls bin ich mit U-Bahn bis Pankow Vinetastraße gefahren und Vinetastraße waren die Strassen, waren Leitung alle kaputt, alles war runter, das war der 9 August 1945. Da traf ich eine Tante, wie der Zufall es will, die hatte den selben Tag Jeburtstag aber ich hab des gar nicht beachtet nur ich hab sie gefragt, steht denn das Haus noch? Ich wusste ja nicht jenau ob meine elterliche Wohnung noch ist, ich wollte ja in die Gegend nach Hause und das stimmte, das war nicht, hatte nur einen Artillerietreffer. [gasps] Ich schreite zurück, die Bombenzeit war und meine Verwandten waren in Berlin ausgebombt und wohnten bei ihrer Schwester in einer zurechtgemachten doch wiederbewohnbaren Wohnung in Berlin Ramlerstraße. Aber meine Tante [pauses] wohnte auch dort, die hat aber richtig kalkuliert, die Wohnung in Pankow wird besetzt, Vater ist bei der Feldpost in Frankreich, Mutter ist verstorben, die Tochter die da wohnte ist evakuiert, die Wohnung war leer, und da hat meine Tante richtig gehandelt, sie ist mit der Oma [unclear] nach Pankow in die Wohnung gezogen. Und wie ich jetzt erzählt habe dass ich, nach’m, als der Krieg zu Ende war, dort auch untergekommen bin ist schwierig jewesen, ich sollte ja keinen Zuzug nach Berlin geben aber meine Großmutter ist mit mir bei der Polizei jewesen und hat durchjedrückt, dass wir drei zusammen wohnen oder dass jemand anders beeinträchtigt wurde. Und da kriegte ich zuerst keine Lebensmittelkarten, weil ich keine Arbeit hatte, kriegte ich keine Lebenskarte, [unclear], und weil keine richtige Wohnung nicht angegeben war, wurde ich auch auf dem Arbeitsamt erstmal nicht registriert und dann kriegte ich, und auf dem Arbeitsamt haben sie mir, ich kriegte einen Ausweis und mit dem bin ich denn zum Schulrat nach Pankow jegangen. Und versuchte als Schulhelfer wie es damals war dass man erste Lehrerprüfung hatte und als Schulhelfer einjesetzt wurde denn die Nazionalsozialistischen Lehrer waren ja alle entlassen und man suchte Lehrer. Der Schulrat war irgendwie nett, ‚Aber ich hab schon so viele aber in Ihren Unterlagen steht doch Sie haben doch in Reinickendorf Ihre Ausbildung weiterjemacht. In Reinickendorf, versuchense mal dort‘. Un das habe ich jemacht. Da bin ich in Reinickendorf eines Morgens ganz früh und habe mir die Adresse ausjesucht und der Schulrat der dort war der sagte: ‚Ich schreibe Sie ein, aber der ganze, wer weiß ob Sie anjenommen werden, Sie waren auf der Lehrerbildungsanstalt, das ist ja ein, konzentriert gewesen nationalsozialistisch ausgerichtet‘. Ich sage: ‚Wir hatten ja normalen Unterricht, ich habe ja, des Abitur, ehm, nicht mit Latein sondern für das Fach war Pädagogik und, na ja, die Ausbildung‘. Jedenfalls hat der Magistrat mir eine Stelle zugewiesen im Bezirk Reinickendorf, Auguste-Viktoria-Allee bin ich eingewiesen worden. Da bin ich den ersten Morgen am 13 September 1945 bin ich von Pankow ganz früh los gelaufen, dass ich da vor der Schule jestanden hab, dass der Hausmeister aufjemacht hat und ich mich da vorjestellt hab. Da wurde ich eingewiesen für die dritte, vierte Klasse, da sollte ich rechnen, rechnen geben, heute sagt man Mathematik aber damals sagte man rechnen. Und ich habe aber [pauses] vorher [gasps] in der Nacht in der Evakuierungszeit [pauses] wo ich evakuiert wurde, musste ich die Wohnungen aussuchen wo die Kinder gemeldet waren die zu der Schule gehörten, ob die evakuiert waren. Wenn die nicht evakuiert waren, dann mussten sie sich immer alle zwei Tage in der Schule Schulaufgaben abholen und da war ich ja auch. Und denn, da habe ich einen Lehrer kennengelernt der dann in der Nachkriegszeit, wie ich des wusste, kann ich nicht mehr sagen, jedenfalls Herr Stock war inzwischen Rektor an der Hausotter-Schule in Reinickendorf und wohnte im Grindelbergweg [sic] und dort habe ich ihn aufjerufen. Und der, der erzählte mir, er kann mich doch jebrauchen, und der hat erreicht, dass ich nicht nach Auguste-Viktoria-Allee den weiten Weg nach entfernt fast in Wittenau machen musste sondern dass, sie haben da keine Vorstellung, ist Pankow und Reinickendorf det nebenander die Bezirke und ich wohnte hier und hier war die Schule [unclear] wo der Rektor war. Da hab ich des von da, brauchte ich nur vierzig Minuten dass ich da die Schule und da habe ich eine gute Zeit erlebt mit dem Rektor der sich große Mühe gegeben hat dass ich auch für die Prüfungen undsoweiter, ehm, weiterjebildet werde und ich hatte eine erste Klasse, laut zweihunderfünfzig kleine Mädchen. Wenn Sie alte Schulgebäude kennen, das waren immer Bänke, zwei Plätze und unter einem langen Balken waren die mit einander verbunden. So, nun hatte ich aber nicht so viele Plätze, musste ja, habe ich eingeteilt dass die Mädchen zwischendurch auf der Mittelbank, dies Verbindungslinie gesessen haben und so schlau war ich ja, die können nicht zwei Stunden da sitzen, des habe ich denn nach meiner Erinnerung so ungefähr, nach ‚ner halben Stunde, dreiviertel Stunde haben wir ein Lied gesungen und dann wechselte, die letzte Reihe kam dahin, alle ein Platz weiter dass die sich immer da in Bewegung fanden. [sighs] Ich hab ja gesagt dass ich, wir denn in Pankow wo ich wohnte, nicht ausgebombt waren und ich hab im Schreibtisch vom Papa altes Papier jefunden, ich hab noch heute so’ne Idee, immer Papier, die Blöcke aufzuheben. Jedenfalls hab ich die kleingeschnitten dass die Mädchen von zu Hause irgend’n Stiff oder irgendwas mitbrachten dass wir anjefangen haben, [unclear] zu schreiben, damals noch Deutsche Schrift. [pauses] Eine Episode, erste Klasse sogenannte Schreibschrift wurde damals eingeführt für die Kinder und ich habe an der Tafel, ich hatte ja Kreide [unclear] ausgebombt war, wir hatten ja Kreide in Pankow, habe ich versucht einen Elefanten an die Tafel zu malen und den Rüssel so einzuschwingen dass es E war und die Kinder mussten alle sich bewegen, und det E nachmachen undsoweiter. Die setzen sich wieder hin und in dem geht die Tür auf und der Rektor kommt rein und sagt: ‚Frau Denull, Sie sind hier im Parterre, Sie sind die erste die Glass kriegen‘. Es war ja alles kaputt, wir hatten ja Pappe und im Sommer war ja etwas frei dass Licht reinkam aber der hatte ‚n Glaser, das ist viel zu weit, brauch’s ja nicht zu erzählen, jedenfalls dreht der sich um, guckt an die Tafel und mach ein komisches Gesicht, ‚Frau Denull, Sie kommen in der großen Pause zu mir ins Amtszimmer‘. Ich denk, die Kinder die waren so anständig, die sind aufgestanden gleich als er da reinkam, guten Morgen und so. Die Kinder haben mir ja angenommen dass ich wat jemalt habe aber der [unclear] der wusste nicht wat an der Tafel war. Da können Sie sehen wie ich zeichnen kann, ich kann nicht zeichnen. Die Zeit vergeht regelleer, [pauses] ich bin ja mit der Klasse weiterjegangen, hatte eine sehr nette Kollegin die hatte die Parallelklasse erste Klasse. Wir haben gemeinsam Lehrspaziergänge jemacht aber 1947 war hier in Berlin im Herbst eine Epidämie mit Spinaler Kinderlähmung. Es, ich war erkältet aber es fehlten schon andere Lehrer und ich habe mich doch zur Schule geschleppt und der Rektor der hat mich nach Hause jeschickt und ich legte mich im Bett und meine Grossmutter, die ist dann zum Arzt jegangen und als er denn kam, da sagte er: ‘Bewegense mal den rechten Arm’. Ich konnte nicht, ich hab im Bett jelegen und konnte nichts bewegen, weder Beine noch Arme. Dann hat er des hochgehoben und hat wat ausgefüllt, dass ich ins Krankenhaus kam. Und ich muss meinem lieben Gott danken, der Herr war katholisch, der hat mich ins Berliner [unclear] Krankenhaus überwiesen. Das war auch ein Schock, es war ein schöner Tag, ich konnte ja nun nimmer sehen und so aber bewegen konnte ich mich nicht aber hören konnte ich ja und musste Haupthaus und wo die Krankenstation sind, ist über’m Hof, da wurde ich abgestellt auf’n Hof mit’ner Bahre und wurde gesagt, ja, die Frau die kommt nach Zimmer eins, im Parterre aber da muß es desinfiziert werden, da war Ruhr, da war’n Ruhrkranke, [unclear] es dauert Moment dass Sie, [unclear], Kontrolle dass sie keine Keime hat, und da wurde ich eingeliefert und gleich den nächsten Morgen wurde ich punktiert da haben sie mich umjedreht und aus’m Rückenmark das [unclear], da musste ich, habe Ich ja auch gemacht, ganz vierundzwanzig Stunden ganz steif liegen und ich habe denn was in Mund gekriegt, ich weiß nicht mehr jedenfalls ist es wieder zurückgegangen. Ich kann, die Muskeln die haben, dei Schwestern, waren ja Nonnen, die haben irgendwas gemacht, ich weiß, des weiß ich alles nicht mehr ganz jenau, jedenfalls konnte ich mich allmählich wieder bewegen. Auch nun was Lustiges, ich habe immer gerne jesungen, und ob det Wanderlieder waren oder die neusten Schlager oder Kirchenlieder, jedenfalls habe ich immer jesungen und da war ich für die Nonnen die evangelische Nachtigal. Ich wurde dann verlegt im ersten Stock im Krankenhaus, Dreibettzimmer, eine Frau war Richtung Fenster und in der Nische war’n Bett und ich war so [unclear]. Dann kam in des Bett der Nische habe ich drei mal erlebt dass die gestorben sind. Die haben des nicht überlebt. Aber ich war ja schon in Bewegung und lebte auf Infektionsstation, wenn Besuch war, denn konnte man sich verständigen undosweiter. Ich bin ja eigentlich Nichtraucher aber die Frau, die hat durch irgendwelches Sachen doch Zigaretten jehabt und Streichhölzer. Jedenfalls hat die mich jebeten ich möchte die Zigarette eher anstecken und ihr in den Mund stecken. Die war ja, auch fast gelähmt, ganz wenig konnte die sich bewegen aber ich wusste ja nicht wo ich mit dem rest hin sollte [laughs]. Das sind so Episoden. [pauses] Ich weiß nicht was ich Ihnen jetz noch sagen soll.
PS: Kann ich jetzt?
ID: Ich bin ja wieder jesund jeworden. Und wieder, ja. Was ich von dem Rektor jesagt hab, das man so Probestunden abhalten musste, da kriegt ich immer sehr gute Beurteilungen, [unclear] Bombenlehre, da hab ich auch sehr viel praktisch gemacht, mit den Kindern zur Post jegangen und was eben Praktisches nicht nur eben in der Schule aber [unclear] als ich vom Krankenhaus raus kam, als ich die Spinale vorbei hatte, da waren ja auch wieder Lektionen zu halten und da war ich immer schlecht, nichts habe ich richtig gemacht, ob nun eine Rechenstunde war oder Deutsch oder irgendwas, und da ist mein Schock gekommen dass ich die zweite Lehrerprüfung nicht bestanden habe. Ein, mein frührer Lehrer in Pankow ist in der Nachkriegszeit Dozent für die Junglehrer die in der Nachkriegszeit weitergebildet werden würden in Reinickendorf und der hat bewirkt dass ich nach Reinickendorf versetzt werde von, nach Berlin Wedding versetzt werde von Reinickendorf nach Wedding wo der der Schulrat kannte und der Schulrat der befürwortet hatte dass ich dahin kam. Und dort habe ich denn meine zweite Lehrerprüfung gemacht. [laughs] Das war ja immer noch, ich wohnte ja noch in Pankow und war ja Grenzgänger, den kennse den Ausdruck? [laughs] [pauses] Inzwischen habe ich ja mir ein Rad besorgt und bin den mit’m Rad zur Schule jefahren. Wollankstraße war Pankow die Grenze und denn war Wedding, hinter der Brücke, da fährt die U-Bahn Wollankstraße lang und hinter der Brücke währe ich doch vom Westdeutschen Zoll anjehalten, dass ich da Kaffee, den Schweden, aus Schweden kriege als bedürfte er in Osten, nein im Westen verkaufen will. Ich sag: ‘Können Sie mal nachgucken’. Das [unclear] jetzt so erlebt dass man nicht, dass der Ostpolizei dauernd kontrollierte, des war aber [unclear], das wollte ich ooch noch erzählen. Ich bin immerhin mit dem Rad gefahren, ich bin ja, als die S-Bahn ging dann auch bin ich mit der S-Bahn gefahren. Ich mußte von Pankow [unclear] in Bornholmerstraße umsteigen um nach Reinickendorf zur Schule zu kommen damals. Und hab in der Aktentasche so meine Sachen, wurde meistens nicht kontrolliert und eines Morgens werde ich kontrolliert. Bin in so’n Häuschen da rein, so’n Volkspolizist, packen Sie bitte alles aus, so ich, meine Bücher, des können Sie wieder einpacken, [pauses] und was ist das? Sie haben hier eine Waffe! Herr Kollege kommen Sie, wir müssen ein Protokoll anfertigen, hier ist die Frau, die hat eine Waffe! Ja, Waffe, was soll, soll ich Ihnen vormachen? Nee, nicht schiessen, nicht schiessen, werfense des nicht weg!. Und da hab ich ihm vorgemacht wie man eben den Ton kriegt dass er dat hier und der Kollege kam, dann sagte: ‘Sch, reiß den Protokoll kaputt, das ist ne Stimmgabel!’ Hat der, jedenfalls war der Protokoll war wieder weg. Ich konnte meinen Weg fortsetzen. Die Volkspolizei. Denn habe ich, die Mundpropaganda war, ein Antrag gestellt auf Übersiedlung nach Westberlin, als Herr Chruschtschow in Amerika war, das war Mundpropaganda, die sind nicht so streng bei der Volkspolizei und das habe ich dann jemacht mit Erfolg, dass ich denn am 28 November 1959 von Ostberlin nach Westberlin übersiedelt bin, mit [sighs] Klavier, Nähmaschine, vier Bücher, ne [unclear] Stehlampe, Oberbett, Unterbett, etwas Wäsche, des war was ich rüberbrachte. Ich hatte mich bemüht, bei einer, als Untermieter bei einer Zahnärztin, die hat einen Raum, wohnt aber woanders, da wollte ich unterkommen. Nun komm ich von West, von Ostberlin nach Westberlin mit den Möbelwagen, da war noch zwei anderen die nach Zehlendorf von Ostberlin gekommen sind auch dann, ja, aber die, weil die Zahärztin die hat sich [unclear] überlegt, die können Sie nicht aufnehmen, also, wie mir zumute war können Sie sich denken. Ich mit meinem wenigem Klimbim wo sollte ich nur auf der Straße, da hab ich angerufen beim wo ich in der Schule war in Wedding beim Rektor der möchte dem Hausmeister Bescheid sagen, das hat auch telefonisch jeklappt, so viele hatten ja war ja nicht Telefon so dass der Hausmeister den Filmraum aufmachen sollte, der den einzigen Sicherheitsschloss hat, die anderen Schulklassen hatten ja jewönliche Schlüssel und der Raum, da haben die Männer denn, des ist viel zu lang, das hat dann geklappt dass mein Klimbim da untergebracht war. Ja, nun, wo sollte ich denn nun hin? Da habe ich mich aufs Geratewohl in die Bahn, Bus jesetzt, Bus fuhr, nee, Bahn fuhr erst noch, ist egal, jedenfalls bei dem früheren Kollegen meines Vaters der ein Häuschen hatte in Lübars und die Leute die haben mich denn da aufjenommen. Bis ich bald einen Antrag stellte beim Berzirksamt Wedding [pause] nach einer eigenen Wohnung. Jetzt komm ich durcheinander, die Wohnung, [pauses] ich wohn, Moment mal, ach so, der Papierkrieg ist ja, der Bürokratische [unclear] wichtig, wo mann sich denn nur angemeldet, als Untermieter in der Schule. Ich wohnte ja so bei denen, wie war das denn? Denn habe ich durch Bekannte ‘ne Untermiete in Charlottenburg gekriegt, wa sich nicht den [unclear] und dort richtig gemeldet war. Und hier in Charlottenburg habe ich denn den Antrag jestellt nochmal auf, ehm, ne eigenen Wohnung. Und bei der Untermieterin, die war in Charlottenburg hier in der Kantstraße ne große Wohnung, die hatte noch zwei andere Untermieter. Wir waren einig wann wir kochten und wann nicht undsoweiter. Und det die Post war im Flur auf der Gardrobe und ich war ja nun zwischendurch bemüht, wenn ich was rumgehorcht hatte, wo ich überall mir selbst ne Wohnung suchen konnte, und am 31 Januar 1960 war Herr Lübcke der Bundespresident das erste Mal zu Besuch hier in Berlin und da hatten wir Schulfrei und da bin ich in Berlin, in Reinickendorf und Wedding, überall wo Reklame stand, Wohnungen, Wohnungen, Wohnungen, kleine Wohnungen und da hab ich mich auch bemüht an mehreren Stellen, war so üblich dass man mehrere versucht hat, mehrere Stellen zu nehmen, ich komme ziemlich spät nach Hause und finde einen blauen Brief auf der Garderobe und fasse ihn so an, das ist aber komisch, hat doch die Wirtin den Brief vorher vorsichtig aufgemacht und wieder zujeklebt. Die wusste vor mir dass mir eine Wohnung angeboten wurde vom Bezirksamt Charlottenburg, die wollte mich ja gerne behalten. Junge Beamtin, regelmäßig Miete, aber ich hab des denn sehr schnell gemacht dass ich mit Freundschaft [pauses] so viel Geld hatte, das hat’n Ausdruck, man musste Geld hinterlegen, dass ich diese Wohnung hier gekriegt habe, des war noch im Bau als ich mir das angeguckt habe, Entschuldigen Sie ich muß mal ganz schnell auf die Toilette. Und ich hab mich, jetzt hatte ich nur eine Couch hier, einen Tisch und mein Vater war inzwischen pensioniert in Hamburg, der war Postbeamter und kam wenn ich Ferien hatte nach Berlin. Und ich hatte, als ich hierher gezogen bin, mich anjemeldet bei der Fahrschule und [unclear] telefoniert ist bei der Verwandtschaft hab ich erzählt dass ich da hinging und mein Vater hat die ganze Verwandtschaft hinzugeredet die ist viel zu nervös, die kann nicht autofahren, dass ich bloß nicht ‘n Auto kaufe. Weihnachtsferien kommen, [pauses] und es war üblich daß ich mein Vater mit den Bus, der Busbahnhof war Stuttgarter Platz früher, heute ist er groß ausjebaut worden, damals war das Stuttgarter Platz. Ich hab dort geparkt und hol’ meinen Vater vom Stuttgarter Platz wie üblich, ja kurz, mein Vater [unclear] Straße, krumme Straße, kurzen Weg, da sag, nein, heute gehen wir bis zur Ecke, und dann mal richtig vorschriftsmäßig und da ist mein Vater, da wo ich mein Auto habe stehe, nun bleib mal bitte stehen, ich mache auf, du kannst dich hier hinsetzen. Ist es schon bezahlt? War die erste Frage von meinem Vater [laughs], der hat sich dran jewöhnt, und hat hinterher zwölf Mal die Sommerferien mit mir in Frankreich verbracht. Der hatte immer ausjearbeitet, die Franzosen haben auch Ferien, dass wir ausweichen können und immer schöne Straßen haben, der hat sich dran jewöhnt. Wat muß ich noch erzählen? Ja, es kommt, noch was wichtiges kommt noch.
PS: I will Sie, ich wollte Sie gerne eigentlich ein bisschen zurückbringen auf die, die Kriegszeit. Zum Beispiel, können Sie mir ein bisschen mehr von den Luftangriffen erinnern und
ID: Luft?
PS: Wie Sie die Luftangriffe erlebt haben.
ID: Wenn, es war sojenannte Vorwarnung [mimics the sound of the pre-raid warning], überall waren Sirenen auf’n Dach, dass die Leute sich fertig machten in Luftschutzkellern zu gehen. Ich hab es meistens bei nacht erlebt. Meine Angehörigen haben jesagt dass es auch viele Tagesangriffe waren. Dann [laughs] es war üblich dass man sich alles Mögliche übereinander zog, das war Zwiebelkleidung. Und im, im Luftschutzkeller [pauses] da war ein besonderes Erlebnis dass ich immer erzähl in Berlin war und meine Mutter in Koma war, dass sie ohnmächtig wurde war üblich dass ich ihr Zucker im Mund schob und dann kam sie wieder zu sich und einmal war schon Entwarnung, det Entwarnungslied, aber die blieb im Koma. Die Leute die bei uns im Haus wohnten, die sind alle schon in ihre Wohnungen gegangen nur die bei uns in der Etage wohnten, die Frau Kergel ist bei mir jeblieben, wir wussten ja nicht erstmal was wir machen sollten. Sie lag nur da, fast leblos und da sagt die Frau Kergel: ‘Ich geh rüber zu Luthers die den Garten da hatten’. Wo wir wohnten war ein zweistöckiges Haus aber so’n hoch [unclear] und hier waren, ehm, andere Häuser mit Gärten. [unclear], ich weiß wo die die Schubkarre haben, der, wo die Garage ist, da ist die Tür offen da hol ich die Schubkarre. Da haben wir meine Mutter in die Schubkarre jelegt, ick hatte noch’n Kissen [unclear] und dann sind wir, des ist, wen wir zu Fuß gehen, vielleicht sieben, acht Minuten, aber mit der Schubkarre war natürlich länger bis zum Pankower Krankenhaus, Galenusstraße und da haben wir die reingeschoben und da kam die Schwester und ein junger Arzt und die haben sie denn weitergenommen: ‘Wir kümmern uns um die Frau Denull’. Und wir warteten und musste ziemlich schnell wieder aufgewacht sein und die haben versucht, ihr, dass sie gehen kann. Und ich hab dann meine Mutter unter’n Arm genommen und Frau Kergel hat die Schubkarre genommen und nach Hause, dass wir nach Hause jelaufen sind. Da war ja, ja, das war denn nachher nochmal, in der selben Nacht war nochmal Alarm aber, das hat nicht lange jedauert, da ist nichts weiter passiert.
PS: Wo war das, ehm, in welchen Jahr war das?
ID: 1941 oder ’42.
PS: Sie erzählten mir dass Sie als Mädchen die Brandbomben entfernen mussten.
ID: Die? Die waren ungefähr so lang. [unclear] zwei geteilt, die waren ja, die lagen auf der Strasse so wie hier Bürgersteig ist, und wo wir wohnten war so’n Vorgarten, da hatten die Leute anjefangen Tomaten und sowas, Salat zu [unclear] und zwischen wo der Sand war, da hab ich das hingeschmissen, die anderen Leute, Stück weiter auch.
PS: Ehm, in welchen Jahr war das? Wie alt waren Sie?
ID: Na siebzehn, ja, klar, ’42 unjefähr muss det gewesen sein.
PS: Erinnern Sie sich, was Sie von denen dachten, die die Bomben abwarfen? Damals, als Sie ein kleines Mädchen waren. Haben Sie sich je Gedanken darüber gemacht?
ID: Nein, eigentlich wenig. Mann war so in seinen Kreis, Lebensmittelkarten, wo gib’s was, wo [unclear] an, was, [unclear]. [pauses] Brot vor allen Dinger, auch Fleischmarken, das war denn, nee, das in der Nachkriegszeit, doppelte Ration Tunfisch für Fleisch. Solange Krieg war, war die Versorgung für die Bevölkerung sicherjestellt, der, Hunger und sowas kam erst und ins besondere Knappheit erst in der Nachkriegszeit, hier in Berlin. Aber trotzdem versuchte man in der Nachkriegszeit hamstern zu gehen. Oder Wald roden. Aber det, nee, fragense mal jenauer noch vom Krieg, was wollense noch wissen?
PS: Also Sie stellten sich nicht zu viele Fragen wer das war der, der Sie bombardierte und, ehm, warum sie das machten?
ID: Deutschland Wirtschafts zu ruinieren, so viel hat man, na ja, so wurde propagiert.
PS; Sie hatten mir etwas von den Flüchtlingen aus Dresden erzählt.
ID: Ja.
PS: Wann war das? War das als Sie evakuiert waren?
ID: Nein, nein, die Bombennacht 13 Februar 1945. War die Bombennacht und danach sind die Dresdner Ausgebombten verteilt worden in der, es war ja eine große Stadt und da sind ja sehr viele Breslauer, Schlesier umgekommen, die von dort geflüchtet waren und in Dresden war ja eigentlich trotzdem in Deutschland, Köln, München, Berlin, Hannover, Hamburg vor allen Dingen, schon überall verbombt war, Dresden war so wie ausjenommen. Die Schlesier sind nach Dresden geflüchtet, unter denen auch sehr, da sind sehr viele auch umgekommen [unclear] in Bahnhofsnähe. Die von den, wo es so brannte, wo die flüchten konnten, die sind nach Draußen, auf die Dörfer.
PS: Aber das war damals als Sie in
ID: Als ich in, während ich in Reichstädt war.
PS: Reichstädt. Das war der erste Ort, wo Sie evakuiert waren.
ID: Das Dorf. Der zweite Ort.
PS: Der zweite Ort.
ID: Ostpreußen war der erste.
PS: Ostpreußen war der erste.
ID: Astpreißen. Astpreißen. [pauses] Meine schönste, ich war vierzig Jahre Lehrer. Das eine Jahr, Ostpreußen, ist das schönste Lehrerjahr in meinem Leben. Ostpreußen war schön, man hatte keine Disziplinschwierigkeiten, viel später mit Türken und so. Fragense mal genauer.
PS: Ehm, beschreiben Sie mir ein bisschen Ihre Rückkehr nach Berlin am Ende des Krieges.
ID: Das war wo, wo ich mit dem, erst mit dem Zug bis Riesa und von Riesa auf’m Dach mit dem Zug gefahren bin, das ist 1945, Anfang August jewesen.
PS: Aber wie haben Sie die Stadt aufgefunden? Also
ID: Wie, hier war alles kaputt. Es lag teilweise auch noch der Schutt von den Ruinen auf den Bürgersteigen. Man ging eher auf’n, auf’n Fahrdamm aber nicht überall. In Pankow weniger, in der Stadt hier, hier, Krumme Straße, überall, da lag das alles noch auf’m Bürgersteig. Auch hier, die Suhr Allee, wo in der Mitte denn nachher die Straßenbahn fuhr. Alles kaputt.
PS: Haben Sie sich damals gefragt, wie das alles, was das zu alles gebracht hat, ich meine, die Zerstörung Berlins und
ID: Ja, mein Umkreis war immer noch eng mit den Angehörigen, mit den Nachbarn. Man hat sich nicht so viel um so politische Ereignisse so gekümmert.
PS: Können Sie mir etwas von ihrem Vater erzählen. Sie hatten mir angedeutet, Ihr Vater war Gefangener in Frankreich.
ID: Nee.
PS: Nein?
ID: Nicht jefangen. Mein Vater konnte sehr gut französisch, der hat beim Ersten Weltkrieg dreiundreißig Monate in französischer Gefangenschaft und hat sehr gut, hat sich dafür interessiert, der konnte französisch, es hat kein, wenn wir verreist waren hat niemand gemerkt dass er kein Franzose ist, der sprach hervorragend französisch. 1936 im Frühjahr hat die Post geworben französischsprechende Beamte für das Olympiastadion zur Verfügung zu stellen die dort als Dolmetscher so tätig waren, und das hat mein Vater auch gemacht und am sonsten ist er Bahnpost gefahren, als ich klein, nach Hamburg in der Hauptsache. Und als es nun Krieg war, da hat mein Vater gesehen dass er noch in dem Alter war dass er eventuell als Soldat eingezogen werde könnte. Da hat er sich bemüht bei der Feldpost nach Frankreich zu kommen und das ist ihm gelungen. Mein Vater hat ein, ich hab ein schönes Bild davon, dass er das Feldpostamt, das Hauptfeldpostamt in Hamburg, in Paris aufjebaut hat, mit sehr sehr vielen französischen Frauen die zum Teil eben etwas Deutsch konnten und sonst eben des weiterleiten, die Post die kam in der Zentrale über Flugzeug nach Paris und wurde zu den anderen Soldaten weitergeschickt. Eine Episode, eine von den Damen haben, als mein Vater später mit mir in Paris spazieren gegangen sind, und ich eine, ehm, Ansichtskarte suchte, ich hinter mir hörte, Monsieur Denull, Monsieur Denull, Monsieur Denull! Mh, wer ist denn das? Eine von den Arbeiterinnen oder Telefonistinnen vom Feldpostamt Paris. Mein Vater war nur in Paris zunächst sehr sehr zufrieden, französischsprechender Deutscher in Zivil. Der hat sehr viel auch seinen Kollegen geholfen, die irgendwat ausjefressen hatten beim [unclear] dann wat zu erledigen und so. Aber es kam dann ein Befehl dass er ‘ne Uniform geschenkt bekommt. Nun war er in Paris als, hat aber immer noch sein Kontakt aufrecht erhalten wo er was besorgen konnte. Er hat dann ganz wenig versucht für meine Mutter Insulin zu besorgen konnte, Depotinsulin, aber das hat nicht viel, war ganz wenig aber er hatt, is dabei gekriegt worden dass er in Frankreich Wurst gekauft hat und nach Berlin jeschickt hat. Und wurde von Paris nach Nantes an ein anderes Feldpostamt versetzt. Und dort der Krieg ging weiter und da hatte, ja, und da hat die Deutsche Behörde ihre Postbeamten zurückbeordert zu, wie nennt man denn, Arbeitsurlaub in Berlin. Da ist mein Vater wenige Monate, ich weiß nicht wie viel, hier nochmal Bahnpost gefahren, überwiegend Hamburg. Und dann ist er aber wieder, von der Feldpost einjezogen, weil man in Nordeuropa neue Feldpostämter einrichten wollte und er war, schon ein beschriebenes Blatt, der konnte det, der machte det, wurde er nach Oulu und Rovaniemi versetzt, nach Finland. Und dort hat des, des [unclear], da ist er ja Sommer und Winter gewesen. Feldpostämter einrichten, das war seine Hauptgabe [?] und von, und als die Russen aber Finland okkupierten, ist er denn nach Böhmen versetzt worden zur Feldpost. Und im damaligen Tschechoslowakei bei Budweis ist er in Amerikanischer Gefangenschaft gekommen und war nicht lange.
PS: Und er ist dann zurückgekommen.
ID: Nach Berlin wollte er nicht. Berlin war Russisch besetzt. Da, die Männer, die kommen alle nach Sibirien. Dat hat er sich bemüht, bei einen, ist auch mit Erfolg, ist es gekrönt worden, ein Postbeamter der Gast, der eine kleine Landwirtschaft hat. Der, der hatt da den Postverkehr erst gemacht und die Briefe zu den Bauern jebracht und sowas alles gemacht. In dieser Zeit da hat es wieder anjefangen das etwas normaler wurde mit Schriftverkehr, da gab es ein Ministerialblatt, hat er mir erzählt, in dem stand, dass in Hamburg ein Postsparkassenamt eröffnet werden sollte im damaligen, das Deutsche Reich bestand aus Alten Reich und Österreich. Es gab vorher nur in Wien ein Postsparkassenamt. Als der Krieg zu Ende war, haben die Allierten Behörden und die Deutschen Behörden verabredet dass in Hamburg und in München je ein Postsparkassenamt eröffnet werden sollte, die [unclear] unjefähr die Mitte, was nach München gehört und was nach Hamburg gehört. Und da hat mein Vater das ergriffen dass er sich bemüht hat nach Hamburg das Postsparkassenamt mitzueröffnen. Dass es, als es dann fertig, am Gänsemarkt war das irgend eine Ruine die aufgebaut worden ist für des [unclear], da waren tausend Frauen und vier Männer [laughs]. Das ist dann, da ist mein Vater dann geblieben, das, das hat er mir immer gerne erzählt. Er war nur alleine, die ersten Jahre war keine Möglichkeit nach Berlin oder so zu Besuch zu kommen oder [unclear] wir hatten Verwandten im Westen, er hätte ja kommen können aber hat er nicht jemacht, dass er Weihnachten immer Schalterdienst gemacht hatte für die Postbeamten die Familie hatten. Dann war er bei der Auskunft Sportsparkassenamt [?].
PS: In Hamburg.
ID: In Hamburg. Und da ist er dann auch pensioniert worden.
PS: Sie hatten mir ganz kürzlich von den Verdunkelungs Maßnahmen erzählt, ganz am Anfang.
ID: Ja. Als der Krieg ausjebrochen war. Die, ehm, die Bevölkerung wurde aufgefordert überall wo Schulen mit Licht waren, Verdunkelungs zu machen. Viele haben sich einfach Vorhänge gemacht und Decken. Mein Vater hat denn, als er bei, doch, doch, da war er ja auch zuhause, Stangen genommen und Pappe. Meine Mutter musste dann so ein Rouleau machen, so. Aber, und als denn des mit dem [unclear] war, da, da haben wir ja alle Pappe jehabt, da habense Pappe vor die Fenster jemacht. Aber viele Leute haben [unclear] so wie Papa jemacht, da haben die Männer ein bisschen handwerklich geschickt waren, die haben [unclear] und wenn dann war ja immer so eingeteilt für mehrere Häuser war ein Luftschutzwart, der ging dann während Alarm war und guckte dass niemand irgendwo Licht hatte [laughs] denn wer da gekriegt worde, ist der dann bestraft worden.
PS: Und Sie suchten meistens Schutz vor den Luftangriffen in Luftschutzkellern?
ID: Ja, ich, davon müsste jemand mehr erzählen, der irgendwo in der Gegend wohnte, wo die Leute keinen Luftschutzkeller hatten, sondern inso’n Bunker gegangen sind. Es gab mehrere Bunker, der berühmteste ist hier am Jesundbrunnen wo da jetzt Ausstellungen sind und. Ich war auch mal in einem Bunker. Ich wollte verreisen, ja nach Reichstädt da [unclear] wollte ich, und da bin, ist Alarm jewesen und da mussten wir alle von der Straße weg in einen Bunker in Friederichshain, den hab ich kennejelernt.
PS: War da sehr viel Platz für sehr viele Leute, oder wie funktionierte das?
ID: Die, es war manchmal so voll dass diese nicht reingelassen haben, dass die auf der Straße kambiert [?] haben. Ganz schlimm muß das jewesen sein. Aber wenn, wenn Sie mich fragen, ich war nur nicht in der Gegend.
PS: Erinnern Sie sich als Hitler an die Macht kam?
ID: Da war ich im Krankenhaus, da hab ich im Krankehaus jelegen. Davon kann ich nichts sagen.
PS: Sie erinnern sich nicht and die Stimmung von damals? Also wie die Leute das so erlebt haben?
ID: Kann ich nichts von sagen, ich war acht Jahre lang, alt, kann ich nicht sagen.
PS: Sie haben das nicht so mitbekommen?
ID: Nein. Aber allgemein kann ich doch so berichten, wenn später so große Aufmärsche waren und ich meine Freundin so abgeholt habe. Da wo wir hingegangen sind. Die Eltern, ich kenne keinen von den Bekannten von meinen Schulfreunden und die Eltern, niemand war für Hitler, niemand. Man redete und man versuchte nichts anzu [unclear] öffentlich zu machen aber untereinander war keiner für Hitler. Wirklich, als ich so zehn, twölf, dreizehn Jahre war, die Leute sprachen alle gegen Hitler aber nur in der Wohnung. Offentlich ging man hin und war, grüßte mit Heil Hitler.
PS: Erinnern Sie sich an den Tag, an dem der Krieg zu Ende war? Also, der Tag der Kapitulation?
ID: Da war ich ja in Reichstädt, ja im [unclear] wo wir da gewohnt haben, mit den Leuten, Gott sei dank ist der Bombenkrieg in Berlin zu Ende. Wenn man von den eigenen Leuten gesprochen hat dass in Köln überall ooch zu Ende war [gasps] redete man nicht so. Von den eigenen, wer da getroffen war, keine Bomben mehr vielen und so. Und dass im Schloss die Leute, die Leute die da in Reichstädt im Schloss wohnten die sind, dass die nach dem Westen getürmt sind. [pauses] Der Lehrer der ja noch, als ich da in Reichstädt in der Schule war, die anderen Fächer da unterrichtete, der wurde entlassen, der wurde dann als Waldarbeiter den [unclear] worden von Russen.
PS: Noch eine Frage zu Ihrer Familie. Aus wie vielen Mitgliedern bestand Ihre Familie?
ID: Vater, Mutter, Kind. [laughs]
PS: Haben Sie noch Erinnerungen an Ihre Onklen, Tanten, ehm?
ID: Och ja.
PS: Großeltern?
ID: Besonderns wie wir zusammen gewohnt haben in Pankow mit der Großmutter und der anderen Tante die da ooch abgemeldet ist. Mama’s Schwester [gasps] Es gibt auch Sachen die ich gar nicht richtig begriffen habe damals. Meine Mutter wurde von, als meine Tante auch evakuiert war, von der Firma nach Kattowitz, die war alleine und da war jemand von der Partei da und hat jefragt ob die viele Kinder hatte. Ja, sie hatte zwölf Kinder. Ja, dann kriegen Sie ja das Grosse Mutter Kreuz. Also, die hat sich nichts dabei jedacht dass sie dat gesagt hat aber als meine Tante nach Hause kam und Oma nun erzählte wie sie, um Gottes willen, dass sie bei Hitler Großmutter, da hast du ja dem richtiges erzählt. Dass die Oma des jemacht hat, die hat sie dabei nichts jedacht als sie jefragt worden ist. Aber drei sind noch jeleben, meine Mutter [unclear], Bruno, ist der andere Sohn von Oma, also der Bruder von [unclear] und Hertha die mit ihr jewohnt hat und die denn noch viel jesorgt hat dass je da zusammen jelebt haben und wir zusammen auch jelebt haben. Eine sehr gutmütige, eine gutmütige Tante. Ich war frech manchmal zu ihr [laughs]. Das ist die nährere Verwandtschaft. Die Generation von meiner Mutter, dieser Teil ihrer Schwester Hertha, die hatten viele Kusinen. Mein Großvater, der schon ’35 jestorben ist, mütterlicherseits, ehm, der hatte viele Jeschwister und die hatten die vielen Kinder und vor allen Dingen die Mädchen unter einander, die trafen sich öfter und die haben dann erzählt dass mich, als ich Baby war, sich drum jerissen hatten, mich spazieren zu fahren ,weil meine Mutter ja schon so krank war. Na ja.
PS: Ich wollte Sie ein Moment fragen, Sie hatten mir etwas von den Bund Deutscher Mädel erzählt.
ID: Ja, BDM.
PS: Ja.
ID: Die, ab vierzehn Jahre waren die Mädchen organisiert im Bund Deutscher Mädchen und die jüngeren waren Jung Mädel.
PS: Und Sie sind aber nicht zum BDM gekommen.
ID: Ich wohl, habe mich durchgesetzt, da wollte ich nicht hin. Die haben so viel Parteiabende jehabt und Schulungsabende für Hitler und Jenossen.
PS: Also waren Ihre Eltern sehr dagegen?
ID: Ja, sehr. Papa war bei der, ich war bei der, ich weiß nicht wie weit die über Deutschland ganz Bescheid wissen, die Bekennende Kirche, das ist auch so’ne Sache. Das bezahlte man eben die Kirchensteuer ging vom Gehalt ab und Bekennende Kirche wurde dann jeschickt, da gehste rein, das ist in Pankow jewesen die Filiale wo Bekennende Kirche war, und nebenan war ein Kino und da gehste rein und du gehst hinten raus wo der Kinoausgang ist, da gehste raus. Das ist, das ist eine Sache was ich jelernt habe, rein gehen und woanders rausgehen, nicht bei Juden kaufen. Meine Mutter hat mir, hat viel jenäht, meine, na ja, ist viel zu weit, und Druckknöpfe und Gummiband das konnte man eben, kaufte meine Mutter früher immer beim Juden und ich wurde dann, als ich größer war, in die Schönhauser Allee geschickt, da gehste rein und kaufst drei Päckchen Gummiband, ich brauch des für und aber sag der Frau die soll dich woanders raus lassen. Ich bin nicht den Laden beim Juden rausgegangen sondern durch den Hauseingang.
PS: Kommen Ihnen irgendnoch andere Erinnerungen and die, ehm, an die Bombardierungen? Ist Ihnen etwas eingefallen das Sie mir vielleicht noch erzählen möchten über die Zeit der Bombardierungen?
ID: Na ja, dass durch die Bombardierungen sind auch die Bahnlinien, ehm, getroffen gewesen und die Züge fuhren ja nicht denn so, des war ja bombardiert.
PS: Und, wenn Sie jetzt zurückdenken an die Zeit, wie sehen Sie die, welche Erinnerungen haben Sie von den Bombardierungen von damals?
ID: Ich [unclear] auch wenn ich bei Bekannten bin, dass bloß nicht wieder sowas vorkommt, dass die Menschen immer versuchen anders zu leben, warum ist es wieder, da war, als der Krieg zu Ende war, der erste September Weltfriedenstag, aber ich weiß nicht wie lange. Es ist ja immer wieder Krieg gewesen, irgendwo auf der Welt ist immer wieder Krieg, furchtbar. Wenn die mich fragen, was war, das es sowas nie wieder vorkommt hier. Ich habe im Bekanntenkreis hier wohl Leute, [unclear] die hab ich als junge Leute kennengelernt aber die fragen mich immer wieder auch was früher war. Gibt andere wenn ich irgendwo höre, davon wollen wir nicht wissen.
PS: Aber haben Sie irgendeine Meinung über, von denen die Sie, die die Bomben?
ID: Die betroffen waren?
PS: Ja. Nein, die die Bomben abgelöst haben, also die
ID: [unclear]
PS: Die Engländer und die Amerikaner, also.
ID: Die Deutschen haben auch in England abgeworfen! In Canterbury zum Beispiel, in Pankow in der Kirche, in der Nachkriegszeit oder wann hatte det anjefangen? Also im Eingang, Sie kennen ja Kirchen, ehe es im richtigen Kirchenraum geht, da ist, was früher war weiß ich nicht und jefähr zweimal so groß wie [unclear] war ein Holzbrett und da wurden immer Nägel [unclear], eine Spende für Canterbury.
PS: Canterbury?
ID: Ja, in Pankow von der Kirchenjemeinde wurden Spenden jesammelt für Canterbury. Und immer wer was gespendet hatte, der sollte da einen Nagel reinmachen.
PS: Nicht Coventry?
ID: Coventry, mann, mann! [laughs]
PS: So, ich würde jetzt aufhören, das war alles sehr interssant was Sie mir erzählt haben.
ID: Ja, aber ich glaube, das wichtigste fehlt Ihnen aber ich kann nur von meinem Standpunkt, nicht weiter was weg in Brandenburg oder Potsdam war. Ja, meine Studienkameradin ist in Potsdam umjekommen bei einem Luftangriff, ja.
PS: Ah. Hat man sie, können Sie mir etwas ein bisschen mehr darüber erzählen? Also, es war eine Klassenkameradin von Ihnen?
ID: Ja, von der Lehrerbildungsanstalt.
PS: Ah.
ID: Die ist eine der ersten die gestorben ist und zwar in Potsdam.
PS: Erinnern Sie sich wann das passiert ist?
ID: April ’45. Ganz zum Schluss, wie man nur sagt, der Krieg hat ’39 anjefangen und ’45 war er zu Ende.
Ps: Erinnern Sie sich an die Umstände? Also, Sie haben das nur so erfahren?
ID: Die ist, die Bomben ist im Keller, da wo sie eigentlich Schutz gesucht haben, dort ist die Bombe reinjekommen. Wo meine Großmutter ausgebombt ist, in der Treskowstraße im Prenzlauer Berg. [sighs] Wie die Alten, ja so noch weiter [unclear], hier in der Straße sind denn waren ja auch wo Oma ausgebombt ist. Und im Keller war ein Durchbruch zum Nebenkeller. Bei ihrem Keller konnten sie nicht mehr raus, das war alles schon verschüttet, kaputt und brandte aber durch den Nebenkeller haben sie sich jerettet und meine Großmutter hatte nur ein Bein. Die anderen habe ihr jeholfen durch den Keller da durchzukommen mit einem kleinen Köfferchen wo Papiere drin waren. Des ist was ich da jesagt hab das se den für ihrer Schwester da jekommen ist, die nicht ausjebombt war. Anjebombt wurde das Haus war wohl kaputt aber die konnten wieder des bisschen renovieren dasse leben konnten.
PS: So, ich würde jetzt wirklich Schluss machen. Alles das was Sie mir erzählt haben.
ID: Ich hoffe, dass Sie nicht zu unzufrieden sind.
PS: Nein, nein, ganz und gar nicht. Ganz und gar nicht, wirklich.
ID: Kann ich Ihnen jetzt was anbieten?
PS: [laughs] Einfach ein Glass Wasser. Aber erstmal möchte
ID: Saft?
PS: Danke, aber ich möchte mich erstmal sehr recht herzlich bei Ihnen bedanken auch im Namen des Archivs und ich würde sagen ich mache jetzt.
ID: Wenn ich etwas nützen kann, gerne. Aber ich glaube es ist immer nicht, die Hauptsachen dass die fehlen, dass ich des nicht kann, auch das Wesentliche wie Sie’s gerade haben möchten zu kommen.
PS: Sie haben mir sehr viele interessante Sachen erzählt. Ich bin Ihnen recht herzlich dankbar dafür. Ja, und jetzt glaub ich, kann ich Schluss machen. Noch vielen Dank.
ID: Ich danke auch.
PS: Danke.
End of interview

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Citation

Peter Schulze, “Interview with Ingrid Dennull,” IBCC Digital Archive, accessed July 21, 2019, https://ibccdigitalarchive.lincoln.ac.uk/omeka/collections/document/9436.

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