Interview with Jutta Petenati

Title

Interview with Jutta Petenati

Description

Jutta Petenati recollects her wartime life in Berlin while she was a young girl. She recounts various episodes: the black market; removing incendiary bombs from her house; seeking shelter in an underground train station instead of her house basement, which her father deemed unsafe; children evacuation; prisoners of war forced into bomb disposal squads; and bodies of German soldiers hanging from a lamp posts. She reminisces that her father sensed how Hitler’s rise to power would lead to the conflict. She remembers the end of the war in Berlin: Russian shelling; Americans giving away chocolate; a friend being killed by a stray bullet; and how she escaped an attempted rape by a Russian Army officer. She recollects being arrested by the Stasi after the war and remarks how the bombings were at the same time targeting civilians and the regime, and in doing so shortening the war.

Creator

Publisher

IBCC Digital Archive

Date

2018-06-22

Contributor

Peter Schulze

Rights

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Format

02:04:09 audio recording

Language

Type

Identifier

APetenatiJ180622

Coverage

Spatial Coverage

Temporal Coverage

Transcription

PS: Dieses Interview wir für das International Bomber Command Digital Archive geführt. Der Interviewer ist Peter Schulze, die Befragte ist Frau Jutta Petenati. Wir sind in Berlin, im Amfortasweg 13 und heute ist der 22 Juni 2018. Wir danken Frau Petenati sehr herzlich dass sie bereit ist, sich interviewen zu lassen. Ihr Interview wir Teil des International Bomber Command Digital Archive, das an der Universität Lincoln angesiedelt und vom Heritage Lottery Fund unterstützt wird. Also, Frau Petenati, können Sie mir erstmahl erzählen wo Sie geboren sind, wann und mir ein bisschen von Ihren ältesten Erinnerungen erzählen, die Sie haben.
JP: Geboren bin ich natürlich in Berlin, aber ich bin, und das ist schon bei mir auch schwierig, bei mir ist vieles schwierig, ich wäre zu Hause, meine, da meine Eltern aus Pommern kamen, sind Sie in der Ackerstraße wo die Zeitzeugenbörse jetzt war, Sie haben sicher, kennen den Namen, da haben wir, da haben meine Mutter, mein Vater haben da eine kleine, ein Zimmer, war nur ein Zimmer, da wäre ich eigentlich, wäre ich geboren werden, aber der Arzt, der Frauenarzt in, dort in der Ackerstraße praktisch, der hat meine Mutter nach Steglitz geschickt, weil hier ein Krankenhaus ist, wo das besser für die Entbindung ginge. Und da ist meine Mutter, dann mit mir im Bauch noch, also schwanger, hier nach Steglitz gefahren und in diesem Krankenhaus, das ist jetzt geschlossen, ja? Ich habe das alles recherchiert, hab’s mir auch vorher angesehen und dieses Krankenhaus ist lange schon geschlossen, da bin ich geboren, also ich bin in Steglitz geboren, aber nur weil ich gerade mit meiner Mutter hier war, es ist so schwer zu erklären für jemandem der nicht, dem ich‘s erklären soll. Und dann kam der Pfarrer aus der Evangelischen Kirche, meine Mutter ist sehr mit der Kirche verbunden gewesen, bis zu ihrem Tode und hat, ist sogar in das Krankenhaus gekommen und hat mich getauft, denn meine Mutter hatte zuhaus in Stadtmitte, in der Ackerstraße, da wo meine Eltern wohnten, keine Möglichkeit in einem Zimmer ne Taufparty zu machen, det ging gar nicht damals, aber ich bin getauft worden auch in dem Krankenhaus. Det ist alles für mich sehr schwer aber meine Mutter ist dann als Baby mit mir, eh, ich habe da noch ein Photo, nee, det ist jetzt hier nicht dabei, hat meine Mutter denn einen Kinderwagen gekauft, nicht, und hat mich da als Baby da reingepackt und dann ist sie mit mir, in, ehm, bei sich spazierengefahren, um das Schloss, wir, bei uns wird jetzt das Schloss, dat liebe ich, und wenn ick bloß wieder hin kann, in unser Berliner Schloss, ich weiß nicht ob sie Unter den Linden das neue gebaute Schloss, deshalb verfolge ich, meine Mutter hat mir immer erzählt, sie ist mit mir im Kinderwagen um dat Schloss, wo es ja stand, das war ja noch in der Nazi-Zeit, rumspazieren gefahren und hat gesagt: ‚Ah, so ein schönes, grosses Schloss!‘. In Pommern waren nur so kleine Güter, nicht, also das habe ich schon als Baby erlebt. Und dann, ehm, ja dann ging es jetzt weiter nachher bin ich noch in der Ackerstraße in die erste Klasse mit sechs Jahren eingeschult worden und war dann, ehm, eben wieder immer in Steglitz. Bis dann diese, ja, es dann weiterging. Und, ehm, meine Mutter wollte aber aus der Ackerstraße raus, die hatte keinen guten Ruf, meinten meine Eltern, nicht, und da haben sie eine Wohnung, die hatte wenigstens noch ein kleines Zimmer, an der Chausseestraße, wo die Friedrichstraße ist, wo Bahnhof-Zoo da auch, Anhalter-Bahnhof da und der Zoo Bahnhof da, da, ehm, hatte meine Mutter dann eine kleine Wohnung ergattert, wo wir dann wohnten, wo ich auch die ganzen Jahre wohnte, dort, in Stadtmitte nannte sich das damals ja, weil es ja in der Mitte genau war, nicht, und ja, und da haben wir den die Nazi-Zeit noch erlebt und, und natürlich auch den Krieg, nicht, denn, ehm, jetzt kürzer gesagt, ich bin dann immer weiter zur Schule gegangen, weil ich leider von der sogenannten, später nannte man das Stasi, das ist eine Abkürzung für eine Russische Bezeichnung, eine Sowjetische-Russische, lange die ich nicht aussprechen kann. Ich habe sie nur mal geschreiben gesehen, die wird ja immer auch heute noch, Stasi denn später genannt. Und die hat, die hat, ehm, damals dann, für uns weil’s ja noch die Nazi-Zeit war, weil Hitler ja kam, von, ja leider, leider Hitler kam, ehm, und da hat’s, ehm, da hat mein Vater ja so dagegen gestimmt aber konnte mein Vater nichts machen, denn er ist in Frankreich gefangen genommen als er im Krieg, als Siebzehnjähriger freiwillig in Krieg gezogen, wo viele Junge Leute det jemacht haben, ehm, weilse meinten, sie müssten dem Vaterland helfen und da ist er denn gefangen genommen, weil er ist nicht fertig gekriegt hat, auf’n Franzosen in den Schützengräben zu schiessen und ist dann gefangen genommen, war noch mehrere Wochen im Kranken, ehm, eingesperrt und ist dann wieder nach Berlin gekommen, nicht? Und ist dann in Berlin und hat dann eine, eine Arbeit auch gekriegt und hat dann inzwischen gemerkt was für‘n Unsinn das war, dass die Jungen Leute sich gegenseitig so Krieg machen mussten, nicht? Und mit Franzosen und Deutsche dann und, ehm, aber dann, als dann, ehm ‚45 da die Russen das Sagen hatten für uns in Stadtmitte, denn das war ja dann schon eingeteilt, weil denn die Engländer, die Amerikaner und die Franzosen dann kamen,aber vorher waren schon die Sowjets da, die erste Vierteljahr ‚45 gleich und das schon vorher so furchtbar schwierig weil, bei dem Bombenkrieg, der begann in der Hauptsache so schon ‚53 denn da, ehm, nicht ‚53, uhm, ‚43, da hat, ehm, da war es so, dass das Haus, was ich vorher schon leider anfing, getroffen wurde und aber nicht gesprengt worden sondern es waren Rauchbomben sind runter, ich habe selbst Rauchbomben mit vom Dachboden geholt und runtergeworfen also die sind in das Haus gegangen und das Haus ist von oben bis unten ausgebrannt, alle Wohnungen waren kaputt, durch die Rauch, ehm, durch die Feuer, eben die Feuer gemacht haben. Polizei war sogar ‚43 noch mal da, wurde gerufen weil det brannte, det Haus, unser Vorderhaus aber es war damit nüscht zu machen mit Wasser und wir hatten auch schon nicht mehr so viel Wasser. Die Pumpe war schon leer, wir hatten auf den Straßen Pumpen die man denn wo man Wasser rauskriegte aber die eine war schon, gab’s kein Wasser mehr und ehm, da war’s eben so schlimm dass dann die, ehm, die, das Haus so als Ruine stehenblieb. Wir wohnten hinten, wir sind, unser Haus ist noch stehengeblieben, kriegte aber einen, das Wort kennen Sie vielleicht nicht, Blindgänger rein, kennen Sie den Namen?
PS: Ja, ja.
JP: Ja, der hat, ist nicht explodiert, da haben die Nazis Gefangene von sich, Leute, ich habe mir det mal angesehen, wir mussten aus‘m Haus raus und mussten den ganzen Tag in einer Turnschule bleiben aber ich bin nochmal zurück zu unserer Straße gegangen, da war zwar abjesperrt aber ich war immer ein bisschen neugierig weil ich wissen wollte, wat nun da los is, und hab gesehen, dass diese noch in ihren Kitteln, dass die Nazis diese reingeschickt haben, die sollten, hab ich dann später erfahren erst, entsorgt werden, also die wären in die Luft jeflogen, war denen ja egal den Nazis, ehm, aber des ist nicht explodiert, es ist ein Blindgänger geblieben und det war direkt bei uns, wo der kleine Luftschutzkeller angelegt war, aber da war nur ein [emphasizes] Sandsack ins Fenster gelegt ooch bei den anderen, ehm, also wenn der explodiert wäre, wären wir in dem kleenen Keller alle weg gewesen, alle tot gewesen. Und da hat mein Vater gesagt, das geht nicht, dass wir hier blieben bei den nächsten Angriffen und hat dann gesagt, wir gehen woanders hin und er hat sich dann informiert, na ja, das war nun die Ruine vorne und man kriegte’n Schlüssel dass man durch die, die war denn, ehm, ruhig geworden aber stand noch da, man konnte durch um nach hinten reinzugehen und, ehm, da war das eben so schlimm schon als, ehm, ja, weil denn ja dann kam der Krieg dann, ja, begann der ja mit Polen ‚39 und Hitler hat denn ja gesagt, die hätten anjefangen und nicht, det hin und her, haben Sie vielleich mitgekriegt und dann ging es ja weiter, Hitler wollte ja die ganze Welt an sich bringen, nicht? Und, ehm, und da hab ich wohl gewagt zu sagen, weil ich in der Schule, ich bin in die Schule weitergegangen, ins Seminar weil ich nicht, kein Abitur hatte, wollte ich eigentlich Abitur machen aber dat ging damals ‚45 gar nicht, ehm, und da hab ich gesagt, na ja, versuch ich Kindergärnterin, ist auch mit Kindern zu tun. Und da war ich in der Schule und, ehm, jedenfalls war meine Mutter hat zuhause alles jemacht, die hat nicht, war nicht berufstätig, waren ja früher waren die älteren Frauen meistens zu Hause, nicht? Bei den Kindern, wenn’se hatten, meine, ich hab da noch zwei Brüder gekriegt die nach mir kamen aber es war eben, ehm, diese Jahre schon sehr schlimm aber wir haben wenigstens, wir haben Essenskarten gekriegt haben die Nazis ooch noch gegeben aber da kriechte man immer, ein janz bisschen nur, wir haben, die haben, die Frauen haben gesagt, zum Leben nüscht gut und zum Sterben das bisschen Essen wat da uff den Marken gab. Das war noch der Nazi-Krieg und dann war ja, denn könnten wir jetzt sprechen von, ehm, von nochmal vom, vom Bombenkrieg wat ich da, dann, weil ich Kindergärnterin werden wollte habe ich meiner Nachbarin immer geholfen, die hatte vier kleine Kinder die noch nicht zur Schule gingen, ihr Mann war auch im Felde, also eingezogen und da ist sie immer nicht fertig geworden, wenn die Alarm kamen für die Flugzeuge die sich Berlin näherten dann hat sie det nicht jeschafft mit den vier Kinder, da habe ich mir zwei Kinder, det Baby hab ick immer jenommen, hab ihr noch geholfen, noch zu wickeln schnell und die an der Hand ein kleines Kind und da hat mein Vater inzwischen gesagt, also, wir gehen, wenn Voralarm kommt, werden wir sofort in die S-Bahn nach unten gehen, da im Tunnel, der Tunnel ist ganz unten, der war neu gebaut am, damals hieß es Stettiner Bahnhof, der Stettiner, jetzt heißt, die Stelle heißt jetzt Nordbahhof. Und da werden wir hingehen und, ehm, da hatte ich nun meiner Nachbarin geholfen die, ehm, aber ich bin da schon in der Zeit von der Stasi beobachtet worden weil die mitgekriegt haben, weil ich in der Schule sollte ich, mein Vater hat nicht so viel verdient und hat da in der Schule einen kleinen Zuschuss zu dem Schulgeld gekriegt und da hat die mich gefragt, ob ich in der FDJ wäre, det ist die Freie Deutsche Jugend gewesen, ich weiss nicht, ob Sie den Namen kennen, Freie, FDJ hießen bei uns, ob ich drin wäre, da habe ich jesagt, nein, und da sagte, ich musste, ich hatte schon die Ahnung, wenn ich jetzt offen spreche, det ist ne Kommunistin den det waren ja von den Russen in Stadtmitte die ersten Monate, haben die nur das Sagen gehabt, ja für uns alle, nicht? Die Sowjets. Ich hab immer gesagt, nicht nur Russen, ich hab Sowjets-Russen, waren ja Sowjets-Russen, ehm, und da hab ich, weil ick mich so, ich meine, die hat mir eine Rechnung, er hat mir für die Kasse [unclear], wenn Sie mir nachweisen, dass ich in die FDJ gehe, also unbedingt, Zwang schon, gleich einen Zwang auf mich, ehm, da habe ich gedacht, im Stillen, nee, also du lässt dich nicht gleich wieder zwingen, jetzt wo der Krieg gerade ausgegangen ist und da bin ich mit dem Zettel rausjegangen, vor die Tür, hab’s halb zerrissen, bin nach Hause gefahren und mein Vater kam von Dienst und da habe ich gesagt, Papa, so war des, also ich muss sehen, wie ich ein bisschen Taschengeld dazu kriege zum Betreuen der Kinder da, die drei die ich da von Nachbarn noch betreut habe, der sagte, da hast Du richtig jemacht, Mädchen haste richtig gemacht, ich sage, ich lass mich doch nicht gleich wieder, ehm, wieder einbinden und da habe ich gesagt, nein, das mach ich nicht. Es ist ja wie bei den Nazis, hab ich gewagt zu sagen, das haben die mitgekriegt und daraufhin bin ich denn ganz abgeholt worden und in den GPU Keller gesperrt worden. Wiel ich das gesagt habe, ja, wiel ich gesagt hab, also hier det ist ja jetzt, also, wie bei den Nazis, das war schon waren denn die Nazis, ehm, die Nazis, nicht mehr die Nazis sondern es war ja nun schon die DDR mit ihren schlimmen Sachen im Hintergrund, wat keen Mensch wusste, keiner kannte hier und da war das dann dass ich immer nach, hier nach Steglitz gefahren bin mit der S-Bahn als man noch konnte dann, nicht in Berlin noch die vier Sektoren den wurden, gestellt wurden und da habe, ehm, ich dann meinen Mann später kennengelernt, der hier auch in Steglitz geboren wurde, nicht. Wo wir, ich ja nur den eenen Tag auch jeboren wurde. Und der hat dann das auch gemerkt, dass ich immer beobachtet würde, denn die Frau, die Nachbarin der ich immer mit den Kindern geholfen hatte, ich hab, bin mit meinen Vater, während schon die Bomben fielen, wir haben det jesehen, ich hab die Bomben gesehen, zwar noch leuchten, aufleuchten der da kommen, denn der, der immer aufjepasst hat draussen war der, nah, Ich wees jetzt nicht die Namen alle so jenau, der hat gesagt, Mädchen, du kannst jetzt hier nicht rennen, ich sage, ich muss, ich hab nur die meine, Frau Müller hiess die meine Nachbarin, die Kinder mit fertig gemacht und da hatte ich die zwei und da hab ich mal gedacht, also jetzt wirst du später, weil ick gedacht habe wenn ick mal heirate wollte ick mehrere Kinder haben, habe ick mir so vorjestellt aber als ich die zwei Kinder hatte nur und gerannt bin um, ehm, mich mit, zu meinen Eltern, die sind schon vorher jerannt in die Gleise da unterhalb vom Bahnhof, da hab ich gedacht, nee, also du wirst dir am höchsten nur zwei Kinder anschaffen nicht wieder mehrere, du, hier, wenn wieder ein Krieg kommt denn habe ich hier dat eene Kind hier, dat andere an der Hand, hab ick so im Stillen jedacht, keiner versteht det meine Überlegung aber die kam einfach nicht durch aber, aber wir bei uns ist, da unten ist nie eine Bombe gekommen, die sind rings herum, die Haüser gingen kaputt, unser Haus war nun schon länger kaputt vorne und da wollte mich dann ein Offizier ooch noch vergewaltigen, ein Russischer Offizier, ich hab mich so geweigert und habe noch nie in meinem Leben sowas gemacht. Ich habe, dem sind seine Papiere, war sogar’n Offizier war, der kam, ich war bei meinen Nachbarn, bei anderen Nachbarn wo ich die Kinder auch betreut habe und kriegt da immer so ein bisschen Taschengeld da haben die, die haben mich immer bis zur Tür der Ruine von unserem Haus gebracht, aber über’m Hof bin ich ja alleine jegangen weil ich ja’n Schlüssel hatte, und das wollt ich gerade und da tauchte eben da Mann mit Leder, diese Offiziere hatten so Ledermäntel an bis unten so hin, auch di anderen Hüte, die einfachen Russen hatten die Hüte so, diese einfachen und der hatte einen richtigen Käppi oder so wie det denn nur heisst, und der kam auf mich zu im Dunklen, da war ja kein Licht und der tastete mich an, ich dachte, Ohgottogott, wat denn nu? Wer ist das und so und, ehm, da merkte ich dass das wat der wollte, nicht. Und da hab ich denn ich versucht, ich bin alt, ich habe versucht Russisch zu sprechen, ich alt, also, nee, weil er meine Brust gefühlt hat, du nicht alt, sagte er denn, und wollte mich vergewaltigen. Und ich hatte schon den grossen Schlüssel von der Ruine in der Hand, um durch zu meinen Eltern zu laufen [coughs], aber ich hatte nur und in dem Moment ist dem Offizier, Papiere sind ihm runtergefallen und er bückte sich seine, er hat hier so Taschen drin gehabt, er bückte sich und er kam denn so ein bisschen höher, da hab ich meine Knie, ein Knie genommen und hab den dahin getreten, wo man keen Mann treten würde aber mit aller Gewalt, da habe ich jedacht, es ist det alles egal also und habe den so getreten aber der hatte im Moment so‘nn Schreck, ja, gekriegt dass er, dass ich noch geschaft hab den Schlüssel zu drehen und bin über’n Hof gerannt, hab meinen Vater gerufen der, und wir wohnten da im sechsten, eh, vierten Stockwerk oben noch, nicht, und der ist denn immer hinter mir noch herjerannt, aber hat’s nicht mehr geschaft, mein Vater hat des dann gehört, gemerkt, mein Rufen, mein Geschreie und er hat gesagt, der kommt hier nüscht mehr rein und wenn er rein kommt, wenn er es schafft, denn schlag ich ihn tot, ja, mein Vater war ooch so, nicht? und der hat’s nüscht geschaft, der hat nun überall jekloft der Offizier, ehm, wollten sie mich immer haben, und noch später haben denn irgendwelche, andere Offiziere, das waren einfache Russische Soldaten, die wollten meine Freundin und mich mal abholen und da haben wir eine ganze Nacht bei Verwandten unter’m Bett gelegen die janze Nacht, nicht, weil wir alle Angst hatten, weil sie die Adresse gehört hatten wo wir wohnten, meine Eltern und ich, ja, war. Na ja das war dann auch durch, durch die Bombengeschichte und wenn wir dass wir nicht, meine Freundin und ich nicht explodiert waren mit den Bomben, mit den, denn wir haben denn am Bahnhof Wasser holen müssen weil’s kein Wasser mehr gab, zu Essen gab’s ja sowieso nüscht aber auch keen Wasser mehr bei uns dort, da sind wir über so Haufen geklettert und das waren aufgeworfene Bombenkrater, richtig kleine, aber die waren eben nicht explodiert, hätten, wären die explodiert als wir da rübertanzten, meine Freundin und ich wären wir in die Luft jejangen, nicht? So war so vieles, ehm, ich hatte noch’ne andere, beinahe ooch‘ne Vergewaltigung aber später, will ich jetzt gar nicht erzählen, als ich bei anderen Freunden, die ich suchen wollte ob’s den einigermassen geht weil ich gehört habe dass die Mutter beim Wasserholen an der Pumpe erschossen geworden ist, und tot ist, nicht, da, wollte ich mich um die Mädchen kümmern aber das war, hing ja alles mit den Bomben, mit dem Krieg und mit dem Feuer und, [pauses] ja, und so ging’s dann weiter, ich, des, die Russen haben denn mit ihren Träcker, die haben dann, sind ja denn, die waren um Berlin, haben ja Berlin eingenommen von allen Seiten, nicht? Waren in den anderen Bezirken, da wo Sie jetzt, wo Sie sagten wo Sie jetzt im Hotel waren, nicht?
PS: Moabit.
JP: Wie bitte?
PS: Moabit.
JP: In Moabit, die anderen, aber in unseren Bezirken waren immer, da hat’s ein bisschen länger gedauert, nicht, desswegen hatten wir noch weniger zu Essen weil da nur gerne ständige Russen sind zwar mit ihren Träckern jekommen und haben, weil‘se nach außen ein gutes Bild mal haben wollten, haben sie denn ein bisschen Brot gehabt und abgeschnitten und hier verteilt und mein Vater hat det nicht vertragen und dann war mein Vater und musste oft zum Arzt weil er krank ja auss’m Krieg zurückgekommen war, weil er auch mit dem Magen so hatte, Magen und Darm, da hat, ehm, der Arzt gesagt, das Brot wat die Russen jebacken haben hat eine andere Zusammensetzung, nicht, die wird anders gemacht wie unser Brot, und das durfte mein Vater nicht essen. Jetzt hatten wir überhaupt nüscht zum Essen, nicht. Da bin ich, da find der schwarze Markt an und dann den fing dann so an und da habe ick meiner Mutter von ihren schönen Geschirr Sachen zwei schöne Teller, kleine Teller und Tassen, habe ich mir eingesteckt und habe jedacht, hauptsache, dass Vater mal eine Scheibe Brot wat von den Amis vielleicht essen kann, die tauschen ja da und, aber da waren immer Aufseher Soldaten, Polizisten die die Leute da, ehm, also ich wüsst nicht wat, nun musste ich da immer sehr aufpassen, weil ich da immer geguckt mit wem ich nur auch tauschen konnte, wat ich gar nicht wollte, nicht, und denn kriegte ich, Gott sei Dank, ein Amerikaner war, der Amerikanische Soldat, die sind ja ooch aus Amerika mit ihren angekommen zum Teil und der hatte Weissbrot, so’ne Stange, na ja, so’ne Weissbrotstange und die hab ich denn rasch gekriegt und dem det jegeben, hab ich’s noch einmal gemacht, ich bin Gott sei Dank dabei nicht erwischt werden, geworden aber mein Vater hat wenigstens mal eine Scheibe Brot, irgendwat essen können, nicht. So war das weil wir einfach gar nüscht essen konnten oder jekriegt haben, nicht, weil die Amis, die haben dann aber, als ich als Kindergärnterin doch in der Schule arbeiten konnte, die haben dann so Suppen gekocht für die Kinder und haben die in ziemlich zeitlich haben die das in die Schulen geschickt dass die Kinder wenigstens ein bisschen was zu essen,ein bisschen Suppe kriegten weil die ja auch nüscht was zu essen hatten, nicht. Das war schon eine schlimme Zeit auch noch danach bis, nicht, det so ganz ganz langsam ging das dann. Aber ich war denn nun eingesperrt in diesen GPU Keller und das davon will ich gar nicht erzählen, das wäre ein ganzer Roman für sich weil’s da unten, es waren überwiegend Männer, in kleinen, in so kleinen Kabinen drin ohne Fenster und wir haben, wo ich drin war, ick war ja erst fünfzehn, ich wurde gerade ja sechzehn, fünfzehn, ja sechzehn wurde ich gerade erst, da war eine ältere Frau die da schon drin war, die sagte: ‚Ach, jetzt kommt ein Kind!‘ Ick sah wohl sehr frisch noch aus immer, meine Haut is irgendwie, war immer ganz schön, nicht, so, nahm ich an und haben die anderen auch noch gesagt und, ehm, dann hat sie dann gesagt, sie ist ooch eingesperrt worden, weil sie nicht ihre Wohnung dafür, für die Amis geben wollte, nicht. Aber ich bin, meine Sache die ich da gesagt hatte, dass die mit vorher schon, der Satz da mit dem, ehm, dass die Stasi nachher genauso sind wie die Nazis, det ist in meiner, ich hab ja noch meine Akte, ich hab ja noch’ne Akte, nicht, bei den, bei der ganzen jetzt, bei dem Jan, der Jan war gerade im Fernsehen gestern, glaub ich, gestern oder vorgestern, die das nicht schließen wollen, die Akten die noch da sind, denn es sind ja furchtbar viele die in der DDR die haben ja, alle, also wie viele alle Akten haben und wie viele, aber bei mir war es besonders schlimm auch weil, ehm, alle wussten dass die Stasi mich beobachtet, nicht? Und die wollten mich mal zum, wie nennt man des, zum Spitzel machen, aber weil sie gemerkt haben, ich hab eben noch sprechen können und habe eben einiges offen gesagt und aber det ist ihnen denn nicht mehr gelungen weil mein Mann damals, wir waren verlobt aber der sagte, nee, ich habe Sorge dass du, die dich ein drittes Mal abholen, denn landest du in Sibirien, wie‘se die viele dahingeschickt haben und da haben wir denn in aller Eile geheiratet, 1952 schon, nicht, eine Ost-West Heirat gemacht praktisch, denn die Ostler konnte ich ja nicht einladen oder die die zur Kirche kamen, kamen, meine Kinder noch aus dem Kindergarten, die waren denn da und meine Freunde die, einige sind heut noch da, mein Schwager, meine Schwägerin sind verstorben, viele sind davon verstorben, da sind nur vier aus der einen Gruppe, nur noch vier Lebende übrig geblieben jetzt durch mein Alter, nicht, durch ihre Krankheiten und so, ehm.
PS: Ich wollte ein bisschen züruck gehen noch auf die, auf die Kriegszeit. Ehm, können Sie mir noch ein bisschen von Ihrem Vater erzählen und die Einstellung die er hatte, also, bei der Machtergreifung Hitlers und wie die Stimmung so zuhause war und wie man darüber redete?
JP: Ja, mein Vater hatt, ich habe mich selbst später immer darüber gedacht, einen besonders guten Instinkt für Politische Dinge, nicht, dass er eben gesagt, ich weiss dass er gesagt hat, denn seine Schwester, er war mit, meine Grosseltern hatten zehn Kinder, det war ja früher, die hatten alle ja so viele Kinder, und das waren acht Mädchen und zwei Jungs, und der jüngste davon war mein Vater der, nicht, und die Mädchen, die älteren, die waren ja nur älter, meine Tanten waren das ja dann, die haben mir das auch erzählt, nicht, Vater hatte, unser, ja, ehm, der hat immer habe ich schon vorher gesagt, nicht, wenn Hitler kommt gib’s Krieg. Und die haben manche gesagt, det kann doch nicht sein denn det der Hindenburg doch nichts machen, ja, aber der hat’s auch jemacht, hat sich ja ooch, die ganzen Politik war, wenn ich im Nachhineien recherchiert habe, ist alles sehr sehr schwer geworden, nicht, und das denn der Hitler dann trotzdem kam und durch ihn ja genau wie dann nachher Stalin, nicht, dass vierzigtausend Menschen tot waren und weggeschickt wurden und und und, so viele weggebracht wurden und das war alles so schwierig, aber mein Vater hat das immer gesagt, nicht. Und hat gesagt, wenn Hitler kommt, gib’s Krieg. Im Stillen, ich habe ihn doch wiedersprochen als ich’s mal gehört habe, dass er’s in der Richtung gesagt hatte. Ich habe auch in einer Zeitung dieses mal geschrieben oder wurde mir gesagt ob ich’s mal für die Zeitung schreiben würde, was mein Vater gesagt hat, nicht, wenn Hitler kommt, gib’s Krieg. Das warum es nicht mehr gedacht haben aber die waren alle, Hitler macht alles gut, baut Autobahnen, wat er jemacht hat, ooch nach außen hin, alles nach außen und, ehm, aber mein Vater hatte da wirklich einen besseren Instinkt, ich hab damals gar nicht det so mitgekreigt woher er, vielleicht weil er det so furchtbar fand, schon in als er mit Deutschen und Franzosen, und wo er beinahe erschossen wär aber wo er nicht schiessen konnte auf den Franzosen, nicht, denn beide sassen ja gegenüber. Er hatte mal gesagt, als Heilig Abend war, da er, da war auf beiden Seiten in den Schützengräben mal ein bisschen Ruhe, moment durch, da haben beide, beide sich gegenseitig, also [unclear], also gesehen und haben sich nicht beschossen, beide, nicht, beide, Franzosen und die Deutschen damals, am Anfang. Später hat sich dieser Französische, mein Schwager hat später eine Französin geheiratet, das hat sich alles dann gebessert, bis heute noch, eine Französin, zwei Französinen, auch Nichten von mir die leben noch, ehm, aber meine Onkeln und Tanten sind schon alle tot. Ja, das war also ertsmal det Leben bis zum Krieg und.
PS: Was, also, was machte ihr Vater während des Zweiten Weltkrieges?
JP: Ja, dass mein Vater dann, ja nun, dann zu hause war und nicht mehr, ehm, nach Russland geschickt wurde, da wurden die Deutschen Soldaten ja dann ooch zum Kämpfen hingeschickt, nicht. Aber er, durch seine Krankeit, die er nun durch die Magengeschichte hatte, ist er noch untersucht worden und wurde nicht mehr eingezogen. Er war denn zuhause und hat dann wenigstens ein bisschen helfen können. Ich war immer unterwegs, ick hab so viele andere Sachen gemacht. Im Roten Rathaus, jetzt hier unser Rathaus, det Rote Rathaus am Alex da, nicht, am Zoo, da, nicht am Zoo, ehm, na ja wo jetzt bei uns der Oberbürgermeister sitzt, nicht, auch der Müller, der Müller ist nicht so gut, kommt nicht so gut an, der Müller hier, unser jetzige Oberbürgermeister. Und da war unten eine Kantine, unten in diesem Roten Rathaus, immer schon solange wie det Haus ja, det rote grosse Haus ja noch schon stand und da, ehm, war ein Soldat, da bin ich als Mädchen, wir Mädchen von der Hitler Jugend wir hatten die Kleidung zwar aber wir waren, ick war nirgenswo drin, hab mich da immer, also bin nicht in die FDJ und denn nicht, in die, da, in die andere Richtung jejangen, habe mich immer da weggedrückt denn da bin ich da mit einer Schwester durchgegangen und da hockte ein jüngerer Mann am der, ringsherum waren so viele Deutsche Soldaten erschossen worden, nicht. Weil, als die Russen auf Berlin zuströmten und am Alex, hintern’m Alex waren schon die Russen und wir nun noch in diesem Roten Rathaus, nicht. Und, ehm, und der sagte dann, der sass da, ick sage, oh Gott, ick sage, können sie denn noch aufstehen? Nein, sagte er, ich muss, ich habe Schüsse in die Beine gekriegt, nicht. Und mit dem hatte ich auch viele, ehm, der ist dann später habe ich auch Kontakte noch aufjebaut, ich hab dem da jeholfen da unten aber der hat jesagt, leise jesagt, nicht, dieser verdammte Krieg, nicht, Der macht ja soviel hier die Toten, wir mussten, ich musste immer helfen mit der Schwester, diese Erkennungsmarken die diese Soldaten hatten, ich weiss nicht ob’s bei ihnen det immer, ob’s die Soldaten det ooch hatten, solche Nummern sind es oder was, nicht. Die Schwestern mussten det immer abmachen damit sie des später für die Verwandten dahin gehen, damit mann wüsste wo der Tote jeblieben ist und ich hab dabei helfen müssen, oh Gott, und ich so als so junge [unclear] mit fufzehn Jahren nicht so, in diesen Zustand, nicht. Also wat man uns so, oder ja, ick hab’s jemacht weil ick gedacht hab, man muss da überall helfen und det hab ich eben gemacht, nicht, ich meine, meine Mutter, sie hatte mal gesagt, du kommst so selten zu uns nach Hause, ein Glück dass wir noch leben. Ich sage, ja ich bin nun mal zufrieden wen ich, wenn ihr aber ich sage ich brauche ein bisschen Wasser, sagt meine Mutter, ich habe dir ein Töpfchen warem Wasser, unten auch im Keller denn meine Eltern waren ooch im Keller, ein bisschen Wasser aufgehoben, ich sage, ich muss moich wenigstens mal waschen, ich bin so durchgeschwitz nicht, det. Da hat’se so ein Töpfchen Wasser mir aufjehoben um damit ich mich waschen konnte. Das waren alles diese Dinge, ehm die und mein Vater, ehm, irgendwann hiess es dann die Lager die die Nazis hatten, det waren die Nazis, die hatten noch während des Krieges in den letzten Jahren so Lager angelegt mit Esswaren, ja und die wurden dann, die Russen haben gesagt die werden geöffnet, können die Leute ja gehen und mein Vater ist nicht dahinjejangen, meine Mutter sagte, nun geh du alle hohlen da wat zu essen, weil det die Lager jetzt da aufjemacht werden aber meine Mutter hat so viel mit ihm jeredet weil er sagte, nein, ick will’s nicht, ich kam gerade, wieder von meiner Arbeit und, ehm, denn hat er sich überreden lassen und ist denn doch hinjegangen und kam mit’m kleenen Säckchen, ick seh den heute noch, meinen Vater, so, mit Zucker, [laughs] sagt er, für euch, denn könnt ihr euch mal wieder Bonbons machen auf der Pfanne, nur Zucker auf die Pfanne, da kann man so Bonbons machen, det haben wir schon als Kinder jemacht aber ein bisschen wat anderes noch rein, nicht. Aber det haben wir jetzt versucht mit dem bisschen Zucker wat er, nur ein bisschen Zucker weil er für an die Bonbons gedacht hat. Also, aber nüscht anderes, nicht, da hat er gesagt, ich kann mich nicht da zwischen die anderen, die alle so gierig sind, ick sag, na ja, die haben ooch alle Hunger, Nicht? Hatten sie ja ooch. Es ist, und wir hatten keinen Garten, wer einen Garten hat, nicht, mein Mann war ooch noch eingesperrt, war von den Amerikanern im Westteil, der war im Westteil, nicht im Ostteil, ehm. aber weil er auch noch sehr jung war und der hatte nur mit sich durchgekämpft nach Berlin weil er nach Hause wollte wieder nicht, nach Hause und da hat er ein Paar Mohrrüben irgendwo rausjezogen und det hat jemand gesehen, die schon bei der Stasi war und hat gesagt, hat ihm gesagt, sie würde ihn anzeigen, mein Vater war, mein Mann war so ärgerlich darüber, nicht, für ein Paar Mohrrüben. Ah ja, weil vorhin wir sagten, was von dem im Wald, euhm, Blaubeeren oder irgendwo, natürlich wurde, haben wir jemacht, nicht. Da gab’s später ooch schon Blaubeeren, meine Nichte die hohlt mir ja immer zwei Mal im Monat ein, die war gestern hier und hat, und hat jesagt, du, ich hab dir Blaubeeren mal mitgebracht, die hast du doch immer so gerne jegessen, Blaubeeren, habe ich im [unclear] Wald später, ganz viel später, da wohnte och eine Kusine von mir, die ist lange ooch schon tot, da bin ich auch immer in den Wald jegangen und habe aber nur weil, weil eben Blaubeeren auch verkauft wurden, weil nicht alle Leute da sich bücken wollten und Blaubeeren jesammelt haben, hab ich auch gerne gemacht und hab’s gerne auch sogleich unten am Stiel jegessen. Aber Blaubeeren gib’s auch, habense auch angelegt, ist aber auch ewig her, hochgebaut, Blaubeeren, det wusst ick nicht, det hab ich erstmal durch meine Nachbarn, die hatten mich mitgenommen denn die hatten noch’n Auto und sind beim Auto, haben mich da mitgenommen und da waren wir in so einer Blaubeer, ja, Kaserne mit drin, nicht, und haben uns det angesehen. Ja, das war’s im Moment. Fählt Ihnen noch was ein? Irgendwie?
PS: Sie erzählten mir etwas von den Rauchbomben, die in Ihr Haus eingebrochen sind. Können Sie mir das noch ein bisschen?
JP: Ja, vielleicht die Sache noch, vorne die Ruine hatte ich ja gesagt, die brannte, da brannte es ja schon. Und da habe ich gesagt, da war ich ja ooch noch gerade mal fufzehn oder nicht mal, vielleich mal, nee, etwa vierzehn, da habe ich zum meinem Vater, haben wir beide jesagt, mein Vater auch sagte, Oh Gott, oben im Seitenflügel, bei uns gab’s ‚n Seitenflügel unten, hinten wo wir den Gartenteil wohnten unten Seitenflügel, und im Seitenflügel wohnte noch’ne Tante mit ihrer Tochter, auch, also, ehm, oben im vierten Stock, im Seitenflügel. Und da sagte mein Vater, Ohgottogott, der Seitenflügel grenzt ja an der Ruine so dran, nicht, die vorne war, nicht. Sagte, um Gottes Willen, meinst du dass, ick sag, ja, ick sag, wir gehen einfach, wir rennen hoch, während noch die Feuerbomben runter kamen, wir gehen hoch und gucken nach oder machen irgendwat, mein Vater mit seinen schlimmen Magen, und er konnte ooch schwer atmen, dachte, oh Gott, det kann Opa doch, also Papa war der damals, ehm, aber er hat sich mit hochgequillt und ein Glück dass, die Wohnung haben wir gerettet, hab ick mitjerettet weil die Gardinen hab ick runtergerissen weil die schon Feuer gefangen hatten, die Gardinen die da hingen, nicht, bei meiner Tante, die hatte schöne Gardinen und da hab ich die rasch runtergerissen und hab nun in der Küche geguckt ob’se noch’n Tropfen Wasser wenigstens hab aber da war in dem Töpfchen nur noch Muckefuck haben wir gesagt, für Bohnenkaffee, gab’s ja keene Bohnen mehr, ehm, Bohnen gab’s nicht und da hieß es Muckefuck, det wurde immer irgendwat durchjerührt, durchgebraten, gemahlt, durchgemahlt, da wurde der Kaffee denn damit jetrunken, da war noch so von dem Muckefuck so ein bisschen Wasser drin, den hab ick det jenommen und hab noch irgendwo ein bisschen wat machen können um des kleinere Zimmer, det war anderhalb Zimmer die Wohnung, und dat haben wir noch jeschafft, dass das nicht brannte mehr, weil wir das ja runtergerissen hatten und dann wieder bloß Stein war, Steine und also nichts mehr Brennbares war und mein Vater, konnte es, der hat kaum noch geatmet, ich hab, bin vorsichtig die Treppen wieder runtergebracht, nicht, weil der keene Luft mehr kriegte. Ja, das war alles solche kleinen Sachen noch dazwischen, wo ich immer noch davon erzählen könnte, nicht? Aber, das, das, meine Tanten die waren ooch, die waren in der Nazi-Zeit in den, gerade in den letzten Jahr habense sehr viele rausgeschickt aus Berlin, mit Kindern, so mit Klassen, nicht? Det habense noch jemacht und meine Tante wurde dann mit ihrer Tochter, mit meiner Kusine, auch nach Pommern, war ja da noch Deutsch damals, da noch evakuiert für kurze Zeit. Aber später sind ja sehr viele auch nach England, ganze Kinder, nicht, Schiffe, Jüdische, vor allem Jüdische Kinder, nicht, sind nach England aber ganz viel später, nicht. Als, na ja, det erinnere ich mich ooch so dass Kinder irgendwo noch hin und her geschickt nach Japan, nach, ehm, Sweden, Sweden hat ooch Kinder denn aufgenommen weil, ja, ist ja heut auch noch nationaler [unclear], die Sweden und eie haben ooch Kindergruppen aufgenommen, ganz viel später, weil sie in Deutschland wenig zu essen, oder kaum, später kriegten wir ja dann besseren Karten aber auch nicht viel, ich, die zur Schule gingen, kriegten nicht viele Abschnitte, und meine Mutter, weil’se zu Hause gearbeitet hat, meine Mutter hat zwischen durch immer mit die Mauersteine mit aufgebaut, hab ick ooch ein Paar mal mitgemacht, die Mauersteine die überall lagen auf den Straßen wurden ja in Ketten, die haben so Ketten gemacht, haben sich mich, haben wir uns auch mit rein [unclear], gereicht, und haben die Steine, die, da wurde später mit jebaut mit diesen Steinen, nicht, und det war alles sehr sehr schwer, muss ich sagen, das zu machen. Ganz, eine Sache könnte ich ja noch sagen, wenn ich nach hause, mal nach hause kam, zu gucken, ob meinen Eltern wenigstens gut ging, als ich da im Roten Rathaus war und zur Hilfe und so noch woanders war und zurück kam, da war ich, ehm, ja wat wollte ich jetzt da sagen? Jetzt habe ich den Faden verloren, was hatte ich gerade vorher gesagt?
PS: Vorher redeten Sie von den Mauersteinen.
JP: [coughs] Von den Steinen [coughs], ja, ja det haben wir ja gemacht mit den, ach so, ja, ich hab bei meinen Eltern jeguckt ob des in Ordnung ist aber eine gute Freundin von mir wohnte im Nebenhaus von mir, der Vater war da Hausmeister und die Tochter, waren wir gut befreundet, Und da hab ich gedacht, guck nach wat, wo, ob’s ihr auch gut geht und da bin ich rüber, schnell rüber jelaufen, war ja im Nebenhaus, und da kam sie und sagte, nee, Gott sei dank, aber hier, die Russen, jetzt sind’s die Russen die uns beschießen, nicht mehr die Amis oder Engländer und Franzosen, sondern es sind schon die Russen, die uns hier, die Leute beschießen. Ick dachte, det kann doch nicht sein, nicht, und wir und da halten uns gerade, stehen nebeneinander und da sah ich wie ein so’n Flugzeug ankam und ich habe auch noch den Russischen Stern gesehen, glaube gelb oder rot, rot war der, rot war dieser, denn ich habe das noch vorbeiblitzen sehen, da kam der Schuss von dem, wurde auf uns geschossen und meine Freundin ist jetroffen worden, fiel neben mir hin auf die Erde, also, natürlich können Sie sich ja vorstellen wie einem dann zumute ist, nicht. Dann lag sie da und ich hatte schon nur so ein bisschen gesehen bei dem Helfen im Roten Rathaus mit den Schwestern, wenn einer so liegt und ich habe, dass man hier anfässt und so, hab ick ooch jemacht, hab gedacht, oh Gott, sie ist gleich tot, und sie war auch sofort tot als sie neben mir lag. Also, ich war so fertig, also, wie selten auch denn dieser Schreck in dem Moment, nicht, det andere war so ein bisschen noch anders aber diese Sache und dachte ich, Oh Gott, jetzt musste ja ihrer Mutter, die sind hinten in ihrem kleenen Garten, wo der Vater Hausmeister ist und ooch noch da ist, aber ich, blieb mir nüscht anders übrig, ging zu der Mutter und hab ihr des jesagt und die kam denn an und fiel mir nun in die Arme und weinte das ja klar, nicht, ihre Tochter da, nicht. Und da ist die, ich hab ja gesehen, auf den Straßen lagen überall sehr viele tote Menschen auf der Erde, nicht, weil durch die Bomben, durch die ganzen Schiessereien und jetzt da auch zum Schluss da kam eine Kutsche, so’n, nicht’en Kutsche, sondern zum ziehen aus Holz, so’ne alte Karre, so’ne Karre, da lagen schon tote Menschen drauf, nicht, da haben’se meine tote Freundin, also da kann ich heute schon kaum erzählen, oben auch raufgepackt weil sie ja nun tot da lag, nicht. Ihre Mutter, also ihre Eltern haben nie im Leben gewusst wo ihre, die sind in Massengräbern gekommen, sie haben nie mehr in ihrem Leben für ihre Tochter einen, wo sie hingehen konnten, ein Blümchen hinlegen konnten weil sie ja nicht gewusst, dass war auch’ne Sache, die ich, da würde ick heut noch anfangen zu heulen wenn ich sie so, [unclear] sie ist auch inzwischen verstorben aber, ehm, andere Freundinnen sind von mir verstorben aber det [unclear] die nun in dieser Form neben mir dahinfällt, nicht. Ick hab immere jedacht, für wen will der liebe Gott, weil ich ja immer auch abends gebetet habe, meine Mutter war für die Kirche, ich bin auch jetzt noch in der Kirche tätig, und die, da habe ich immer jedacht, wat will der liebe Gott, ick helf doch schon, wat ick alles machen kann, nun mach ich doch, und aber warum auch andere, det hat doch [unclear] auch gemacht, hat doch ooch jeholfen, und warum kriegt die die Kugel? Aber die Gedanken kommen mir denn, nicht. Na ja, das war ooch eine sehr, gehört ja ooch mit den Bomben, mit den Bomben, aber det war nun von Sowjetrussen die geschossen haben.
PS: War das also ‚45 oder ‚46?
JP: Wie bitte?
PS: War das ‚45 oder ‚46?
JP: Nein, das war schon, das war schon, da war ich ja schon fünfzehn, ja, das war schon die Sowjet, war schon die, kurz bevor die Russen, denn det, da ja die Russen haben uns alle, wurden wir eher eingenommen praktisch dann der Bezirk Stadmitte, nicht, sowieso, das war nach ‚45, nee, als wir im Roten Rathaus war ich ja zwei mal, ach, ick muss immer überlegen. Kurz im, ja, jetzt weiß ich wieder, kurz bevor Hitler, det war Mai, bis der sich det Leben jenommen hat, der hat sich ja ooch verbrennen lassen der Hitler, nicht, wissen Sie ja warscheinlich. Und in der Nähe war ja det Führerhauptqaurtier nannte sich das, nicht, wo Hitler war mit seinen Leuten da. Und Unter den Linden, die Wilhelmsstraße runter, da war ja det Führerhauptquartier, von uns gar nicht weit so entfernt vom Roten Rathaus und, ehm, da sind wir, wurde uns gesagt im Roten Rathaus, ihr müsst jetzt raus, ihr Paar Mädchen, wir waren nur zwei oder drei Mädchen die da helfen sollten, ihr müsst raus, die Russen stehen vor dem Alex, ihr werdet sonst gleich, von denen gleich erschossen, und gleich oder irgendwas, ihr müsst hier raus. Und hab ich zu meiner Freundin gesagt, eine gute Freundin von mir, ich sag, und wo sollen wir hin? Verdammt noch mal, wohin jetzt? Wieder nach Hause, wo ringsherum die Russen sind und da habe ich gesagt, weiss’te, wir versuchen und dann sind wir denn am Schloss vorbei, damals war det Schloss noch, ehm, wurde ja schon durch die DDR kaputt gemacht, vorher stand ja noch ein Teil noch, nicht, und da vorbei und gegenüber ist die Universität, unsere Universität gewesen oder ist sie ja noch, die Wilhelm oder wie heißt sie jetzt? Ach, mein Gott, die Namen ist ja immer alles.
PS: Humboldt?
JP: Humboldt Universität, nicht. Ja, Humboldt war der hochgelehrter, na ja, und die Universität war ja nun schon lange da und ich wusste dass da viele schöne Bücher waren, ick hatte mal ja durchjeguckt und da sind, ich sag, denn geh wir erstmal da rein, nicht, und hören wat nun los ist, wat nun passiert ist, ob wir nun uns durchkämpfen müssen, ob ich nach Hause aber, meine Freundin, die ihre Mutter lebte ja in Kreuzberg, in Kreuzberg, ja, das war ja nun schon der Westteil gewesen, da hätte man jarnicht hinjekonnt, nicht. Da sag ich, dich nehm ich mit, wir versuchen zu meinen Eltern in die Schlegelstraße, Chausseestraße, Friedrichstraße, da wohnen ja meine Eltern, det kannte, wusste sie ja auch und da sind wir losgegangen, nee, da waren wir erst in der Universität und hatten noch die eine Nacht vor sich, det war, ehm, als Deutschland dann, am 8 Mai war ja die richtige, die Unterschrift auch von für Deutschland die Kriegsende aber am ersten Mai haben die Russen schon jefeiert, wir haben schon jehört, wie gross Theater, also Musik und oje und so, da sah ich als wir mal in der Nacht haben wir da auf den, unten im Keller haben die Leute dort im Haus, in der Universität, die wichtigen Bücher alle nach unten in die Keller gebracht und da haben wir eene Nacht ‚n Paar Stunden, na ja, kurze Zeit Stunden waren vielleicht zwee Stunden oder so auf den Büchern versucht zu schlafen, wo sollten wir auch die Nacht noch verbringen, nicht? Und als wir dann an dem Morgen raus kamen, am ersten Mai, da kam uns ein Deutscher noch angezogener Soldat angelaufen, woher der det wusste, habe ich nie rausjekriegt, habe immer mal nachgefragt hinterher aber woher, der kam nun an und hat gesagt, jetzt ist der Krieg aus, Hitler hat sich umjebracht. In dem Moment, kurz vorher war Hitler tot, der ist tot, da habe ich gesagt, hast du gehört? Meiner Freundin, Hitler ist tot, Gott sie dank ist der nun tot und, ehm, wir versuchen jetzt nach Hause, also zu mir nach Hause zu kommen, und dann sind wir, Unter den Linden sind wir dann vorbei an der Universität zur Friedrichsstraße, an der Ecke fängt die ja an, nicht, die Friedrichsstraße und dann sind wir, rechts und links mann hörte immer, angeblich sollen die Russen schon auf unser, wo die Kuppel oben drauf später jebaut wurde, dass sie die Deutsche Fahne da rauf jemacht haben, die Russen und die Deutschen Soldaten haben‘se da wieder runtergerissen, also det habe ich später mal jehört, det hab ick nich jesehen aber als wir in Friedrichsstraße waren, kommt der Bahnhof Zoo, ehm, kommt der da, Friedrichsstraße einem entgegen und da hingen zwei, ja, det hab ich ooch noch jesehen, zwei Deutsche Soldaten, noch in Uniform, aufgehängt an einem Ast oben, da stand drauf: „Er war, sie waren Feiglinge“ aber det wart noch aus der Nazi-Zeit, war ja kurz vorher noch und dann waren wir auf der Weidendammer Brücke, ich weiss nicht, ob sie die kennen, die Weidendammer Brücke, nicht? Die ist ja ooch ziemlich bekannt im vorigen Jahr, hat irgendein, in, soll, na ja ist egal wer det da war, wer, da hat einer gesungen, im vorigen Jahrhundert hat es irgendein Sänger oder, na ja, ist egal, die ist ja sehr bekannt die zum, und da wollten viele auch eine Gruppe aus’m Führerhauptquartier, die haben sich nun versucht alle abzusetzen weil sie ja nun wussten, Hitler ist tot, Krieg ist aus, wo müssen wir nur hin? Ooch die Nazis zum Teil noch, nicht, oder eben noch Deutsche höhere Soldaten. Und die kamen von allen Seiten und auch Zivilisten waren dabei, auch jüngere und ältere und das war ooch eine Sache die habe ich immer erzählen müssen, weil mich heute das noch, ich seh das heut noch vor Augen, und zwar als wir auf der Wiedendammer Brücke waren, war eine Barriere gebaut worden, die hatten die Nazis noch kurz vorher, so’ne Barriere gemacht, so’ne flache, nicht sehr hoch und die Russen auf der Seite, die haben da geschossen, haben, warscheinlich wollten sie uff die Barriere schiessen, um die wegzuhaben oder so, nicht, weil’se da hoch, rein wollten. Die Russen und da waren eben, waren, ehm, nun die vielen Leute die alle auf der Wiedendammer Brücke waren, waren voller Menschen, da hörten wir immer Schüsse von allen Seiten, also rechts haben noch Deutsche Soldaten geschossen, links haben die Russen geschossen, und da wurde, musste in dem Moment kurz vorher geschossen worden sein, da fasse ich meine Freundin so an, ick sag, komm, wir gehen um die Barriere rum, in dem Moment sehe ich dass neben mir war ooch ein Schuss gefallen oder zwee Geschüsse, ich wüsst ja nicht ob es mehrere waren, lag ein Deutscher Soldat auf der Erde und hatte seine Pistole raus jezogen und hat zu mir gesagt, weil ick daneben stand, der lag auf der Erde, ich stand und daneben stand meine Freundin, die jammerte, oh, die hat ooch ein Paar Schüsse abgekriegt aber nur aüssere Schüsse hier, also [unclear] irgendwas, und der da lag, der Soldat nahm die Pistole und sagt zu mir, Mädchen, zu mir, ja, ick guckte entsetzt ihn an, er sagte, hier, nimm hier meine Pistole, nimm die und erschieß mich, also det habe ick ooch nie vergessen, denn weiß Gott wo er die Schüsse reingekriegt hat, nicht? Er konnte, da dachte ich im Stillen, der kann ja noch sprechen, det wess ick noch, nur mein Gedanke, der kann ja noch reden, nicht, weiter hatte ich gar nicht im Kopf, ick war in dem Moment so fix und fertig, ick konnte auch nicht mehr, denn kamen mehr Leute die dann [unclear] machen, guckten und so und ich hab meine Freundin nur jenommen, die hatte ooch, da waren Belgische Soldaten, nicht Soldaten, die waren ooch von den Nazis eingesperrt, det habe ich ooch erst später erfahren, die hatten da, kamen [unclear] so zwee so, diese, inzwischen waren sie die Lager auch alle geöffnet von den Nazis, die die da eingesperrt hatten, die brachten ooch so’ne Schubkarre, so‘ne einfache, da hab ick dann meine Freundin, die nun ooch nicht loofen konnte, mit ihren schlimmen Beinen, hab ich zu [unclear] und hab gesagt, so, wo fährts du mit ihr dahin? Dann muss ich ins Bund, jetzt nennt man das Bundeswehrkrankenhaus, ich weiss nicht ob sie’s kennen, Scharnhorststraße runter und so, is det Bundeswehrkrankenhaus ist ja denn gebaut worden, nicht. Det heisst det Stand, hieß aber Polzeikrankenhaus in der DDR-Zeit und davor ooch schon so und ick sage, da weiss ich, da hat eine Tante von mir in der Küche mal gearbeitet, da ist det grosse Krankenhaus, da dachte ick im Stillen, also fährst sie mit ihr dahin, da wird der vielleicht’n Arzt sein, nicht. Hab ick ja ooch gemacht aber ich bin rechts und links wo viele Tote lagen, Schüsse waren und da wurde viel geschossen, dass ich dadurch gekommen, erst später wie haste dat geschafft, war ja ein weiter Weg noch, ziemlicher Weg, die Invalidenstraße runter und die Scharnhorststraße denn rechst runter zum Bundeswehrkrankenhaus wie’s jetzt heißt und, ehm, da waren, da waren früher immer in den Zimmer so zehn bis zwölf Betten drin in einem Raum, in einem Raum, nicht so Einzelzimmer sondern so grosse und da war noch ein Bett zufällig grade frei, da habe ick denn meine Freundin raufjepackt und bin denn eine Tag später bin nach Kreuzberg, durch, hab mich durch, konnte ja noch nicht irgendwo fahren, bin irgendwo mitgefahren und hab der Mutter gesagt die in Sorge um ihre Tochter war, na ja, und die ist später mit’na Kutsche, rüber, auch mit einem Pferdefuhrwerk ins Krankenhaus, nicht am gleichen Tag aber sie ist da verarztet worden meine Freundin und die Mutter hat sie denn abjeholt und hat’se zu sich wieder nach Hause jeholt. Aber das war auch ein Erlebnis wat ooch für mich sehr anstrengend war, ick seh den immer noch wie der sag, Mädchen, nimm meine Pistole und erschieß mich. Ich hatte damals een Interview im ZDF, det hatte ich mal erzählt und det hat zufällig eine Reporterin vom ZDF gehört und die hatte mich ooch gefragt, ob ich mal des noch mal ihr erklären, noch mal aber an gleicher Stelle, na ja, hab det noch mal sehr viel später mal gemacht und sie hat des denn irgendwo ooch in die Zeitung gegeben.
PS: Nur noch ein Paar Fragen für Sie. Ehm, die Zeit die Sie im Luftschutzkeller verbracht haben.
JP: Wie bitte?
PS: Sie haben doch auch Zeit im Luftschutzkeller verbracht.
JP: Wer, ich?
PS: Nee, ich, habe ich ja vorhin schon gesagt, wir hatten die Nazi-Zeit, det war ja noch die Nazi-Zeit, hatten in den eigenen Kellern, denn jeder hatte unten, ick hab hier ooch so’n kleenen Keller nur, da haben sie wo Fenster drinnen waren, nur Sandsäcke wurden da einfach reingemacht, da hat ja mein Vater gesagt, also, da kam noch nicht der Blindgänger, der ist ja später da gekommen und, ehm, da waren wir ganz kurz nur weil mein Vater gesagt hat, das ist hier kein Luftschutzkeller, hat er gesagt, war ja auch nicht, war ja unser, eigentlich unser Hausekeller, nicht. Da ist die zwei Säcke da, wat sollen die denn? Die jehen nicht gegen Bomben, denn der hat ja nun mein Vater, hat mein Vater ein bisschen mehr Ahnung wat Bomben machen und da hat er gesagt, wir müssen uns einen anderen Weg suchen und det haben wir jemacht weil er gesagt, mein Vater hat denn gesagt, dann laufen wir zum NordBahnhof oder Stettiner Bahnhof und nach unten endet es, tief unten, wo die Gleise da unten runter fahren, da ist, det ist ganz gut dort, da wird nicht so schnell ‚ne Bombe reinkommen. Hatte er Recht gehabt, da ist nie ‚ne Bombe reingekommen, rechts und linksrum, vorne und hinten ist überall bombardiert worden, Humboldthain ist ooch noch da gleich da nebenan, wo’s so, gehts, ist so’n Spaziergang habe wir als Kinder immer jemacht, über‘n Humboldthain gelaufen na ja, also das ist eben, ehm. Das wolten’se?
PS: Ich wollte Sie auch fragen.
JP: Mit dem Luftschutzkeller, den, ich persönlich hatten wir ja gar nicht, denn unten wo die Gleise waren, war ja kein Luftschutzkeller, nicht, und oben im Keller, es gab sicher, es gab schon Art grössere Keller wo auch die Fenster vielleicht zu waren oder irgendwie woanders hörte man in einem, das habe ich später erfahren, wat ick nicht so gut finde, da war eine die hat keinen, in ihren sogenannten Luftschutzkeller, det war ein grösserer, mit‘m anderen Nachbarnhäuser, also nicht bei uns, sondern woanders, wat ich nicht so kannte, die, da wollte eine Jüdin, die war bekannt dass sie Jüdin war im Haus und die wollte ooch in den sogennannten Luftschutzkeller und da war einer noch von den Nazis und hat’se nicht reingelassen weil sie Jüdin war, nicht. Und dat sie die Tür, der vor der Nase zugemacht, det fand ich unmöglich als ick det hörte. Das so weit, nur weil sie Jüdin ist, dass sie nicht da rein sollte, nicht und. Aber einen richtigen Luftschutzkeller habe ich nicht erlebt, konnte, ging gar nicht weil dieser kleene Keller da keen Luftschutzkeller war, mit’n Paar Sandsäcken vor’m Fenster. Ja, da hatte mein Vater schon recht, der ist denn mit meiner Mutter und meinem kleenen [unclear] Bruder noch zur S-Bahn Tunnel dahingelaufen und hat zu mir jesagt, aber du musst mitkommen, ich sage, ja, ick helfe nur meiner Nachbarin, Frau Müller mit den vier Kindern schaff die det nicht, mit den beiden, das hatte ich ja schon erzählt, dass ich die beeden dann, nicht. Und da kamen schon die Bomben, die kamen da schon an, nicht, und, Ja. [pauses] Tempelhof war auch für uns immer sehr interessant. Ich bin ja einmal mit, aus [unclear] mit einer Klasse nach Tempelhof weil die, aber das waren Amerikanische Piloten, nicht? Die Schokolade runtergeworfen haben, weil unsere Kinder ja keene Schokolade kannten praktisch, und in meiner Schule in der ich ja viele Jahre, fast dreissig Jahre gearbeitet habe, wo ja Draegert auch Rektor war eine Zeitlang, der da in der Schule da, ehm, ja, det war schon damals ein bisschen anders, nicht? In der Zeit war det alles ein bisschen schwieriger, ich war, ja bin neunzig hab ja denn aufgehört in der Schulze zu arbeiten und bin denn in diese Reformsachen da gegangen und. Aber Luftschutzkeller, wenn das, sicher gab’s welche. Die haben zum Teil Bunker, auch Bunker, aber nicht jetzt S-Bahn, wo wir, wo mein Vater gesagt hat, es für uns am nächsten, es gab Bunker die waren, da waren abends wurden auch, ja, des weiss ich, ja da hab ich auch mal‚ Dienst gemacht, ein Paar Abende oder ooch sogar die ganze Nacht und zwar, ich wüsst bloß nicht wo die waren, am Humboldthain glaub ich war auch ein Bunker, det waren alle zu, vorne und hinten, da war auch keine Bombe reingekommen, da mussten abends, sollten abends die Frauen mit kleinen Kindern ein, damit die Nacht Ruhe wenigstens haben und nicht in der Nacht raus mussten, nicht, wie meine Nachbarin mit ihren vier Kindern. Da haben’se det so angelegt dass die dann die ganze Nacht da bleibten mit Aufsicht, deswegen war ich da auch als Aufsichtperson, furchtbar eng war das ja auch weil det so in so’n Bunker war aber da wäre keine Bombe reingegangen, also det könnte man als Luftschutzkeller, Bunkerluftschutzkeller sehen aber da war ich nur um die, weil da ist, soll auch keine Bombe reingegangen sein, nicht. Da gib’s mehrere, hier bei uns war ooch so’ne Bunkergeschichte, aber nicht so’ne schwere Bunkergeschichte, hier drüben, wo die aber gesprengt wurde dann.
PS: Hatten Sie, hatten Sie Angst als Sie in dem Keller waren?
JP: Also ich.
PS: Als Sie da Zuflucht gesucht haben?
JP: Also ich, ich muss sagen ob ick in nicht meinem Leben so’n ängstlicher Mensch war, die Angst war nicht so gross, wie bei manchen, ick hab immer versucht, wat besseres zu machen oder, ja für irgendwat zu tun, also richtig Ängste, richtige Ängste, die hatte ich nur sehr viel später beim Sterben, den ich nicht geholfen habe, beim Sterben. Mein Mann ist in meinen Armen gestorben, das steht noch ein kleenes Photo von ihm da, und ich habe auch, ich weiss nicht ob das vielleicht wichtig ist, im kleinen Zimmer, wo ja mein Büro eigentlich war, ist ja hier keen Büro, sondern da drüben war ja mein Büro, da hab ich’s ja aber det ist so volljepackt da komm ich, und bin ich seit langen nicht mehr rangegangen und dort, ehm, wat wollt ick wohl sagen? [pauses] Jetzt ist mir der Faden weg. Wat hatten Sie gerade jefragt?
PS: Ich hatte Sie gefragt ob Sie Angst hatten.
JP: Ach so, Angst, [pauses] nee, jetzt hba ich grade überlegt aber Angst, det war ja sehr viel später dass ich da neben im Büro, an dem Tisch sass, ick weiss auch nicht wie, ich wollte ja was ganz wat anderes sagen, drüben, über dem Schreibtisch wo ick ja immer sass, hab ich mal so die Photos alle so anjemacht, so Sippenphotos auch, det haben manche mal mitfotografiert, da über, drüben im kleinen Zimmer, ist mal ganz interessant, da sind eben, die, oben fängt det an, bis Grossmutter unten, nicht? Aber deswegen habe ich eben grade so überlegt, mit Ängsten, viele davon hab ich ja auch noch erlebt, wie’se lebten, zum Beispiel mein Bruder der ist mit 46 Jahren ooch an Krebs verstorben, da war ich auch bei und hab ihn, ja, das waren nicht Ängste, det war ooch, eigentlich nur, ick hab seine Hände gehalten und mein Mann als er im Sterben lag, hab ich in Armen gehabt, ja, und manchmal, aber det erzähl ich nicht so gerne, weil manchen denken, aber meine Putzhilfe die sagt zu mir, so was gibt es bei Menschen, ich sage ich habe einmal als mein Mann starb, hat die Ärztin mir gesagt, ich sage ich bleibe übernacht im Krankenhaus, wo mein Mann schon lag, nicht lange, und man wusste am Anfang gar nicht dass er Krebs hatte, das hat man damals nicht immer gesagt, heute wird immer den Kranken gesagt, aber damals nicht, ehm, und da hat, hab ich gesagt, ich bleibe aber hier im Falle dass mein Mann nachts, dass es gut vergeht und da sagt’se, ja da mache ich ihnen nebenan, da ist gegenüber, wo die Babys gezeigt wurden, nicht? Und zufällig ist mein Sohn da in diesen kleenen [unclear] noch geboren worden, es passt bei mir manches wat so zusammen gehört und da hat sie mir noch ein Bett fertig gemacht so ich hab nur noch ein Kissen für mich zu Hause, von zu Hause geholt und habe dann hat’se mir Schlaftabletten gegeben, die ich nie genommen hatte, so zum Einschlafen, nicht, weil sie sagte, ich müsste mal weil ich die ganze Zeit überhaupt nicht geschlafen habe auch mal schlafen, die hab ich ooch genommen und bin denn auch eingeschlafen und nach circa, ich weiß dass, dass ich habe ich mir auch so gemerkt, nach zwei Stunden bin ich wach geworden, trotz der Schlafmittel und auf der Liege da, wo ich liegen sollte, da bin ich wach geworden, bin runtergehüft von der, die war ein bisschen erhöht, wo ich drauf lag, nicht, wat die Schwestern mir da fertig gemacht hatte, rüber und bin zwei Türen musste ich aufmachen, meine Tür, die zum Gang war und die Tür wo mein Mann lag, in seinem Einzelzimmer, zwei Türen musste ich aufmachen weil ich rübergestürtzt bin und ich habe, ich habe gehört, ja, wenn ick det so erzähle, manche denken hier, die ist doch sonst eigentlich völlig vernünftig, ich hab gesagt, mein Mann hat mich gerufen, weil ich einfach, immer gedacht, gehört habe, innerlich, er ruft dich, Jutta, komm! Jutta, komm! Die beiden Wörter, Jutta, komm! Also, det ist so in mich reingegangen, det war eigentlich keine Ängste, des war nur, ja, wat, wie bezeichnet man det? Ich bin auch nie zum Psychologen, sollte ick später ja auch mal gehen, als ich das mal erzählt habe, ich sage, mein Mann hat mich, als er merkte dass es ihm, dass er sterben musste, hat er mich gerufen. Wenn ich det, konnte ich kaum reden, sagen, weil det so blöd klingt, aber ich habe es innerlich gehört, dass er mich gerufen hat, und das war ja auch so. Als ich die seine Tür aufmachte, meine Tür und in aller Eile rüber gelaufen bin, war bloß ein Stückchen und da hab ich gemerkt dass seine Atmung ganz andere war als ich abends noch rausging war’se noch einigermaßen vernünftig seine Atmung, aber da war die Atmung eine andere. Ich wusste dass diese Atmung nur eintrifft wenn derjenige stirbt aber det habe ick ja erst emerkt als ich dann an sein Bett kam, nicht. Und dann habe ich mich gleich neben ihn hingesetzt und hab ihn und er hat denn nur meine Hand genommen, hat denn nichts mehr gesagt, so, aber weil ich immer jedacht habe, er hat doch gesagt, Jutta, komm! Nicht. Aber er konnte ja eigentlich gar nicht mehr sprechen. Also dass war aber auch keine Ängste, sondern eben nur eine Hilflosigkeit irgendwie, nicht. Und ob das stimmt oder nicht stimmt, na ja, ich habe nach’ner Weile dann den roten Knopf da gedrückt und habe, dann kam, dass die Schwester oder Ärztin kam und hab ihr das gesagt, dass die Atmung ne andere ist, und da sagt‘se ja, ist jetzt seine letzte Atmung, nicht. Und dann sag ich, denn gehen sie wieder, ich bleibe hier. Und dann habe ich noch’ne Viertel Stunde mit ihm im Arm so gesessen, nicht. Aber selbst wenn ich bei sterbenden Menschen war, wenn‘s auch mein Mann war, also, Ängste in dem Sinne hatte ich eigentlich nicht. Andere haben vielleicht mehr Ängste gehabt und ist auch so, dass die den det nicht machen oder jenet auch heut unter anderem noch weil sie, nicht, weil sie immer zu mir, wat ick immer hier, ick sollte [unclear] nicht los lassen und eine Zeitlang hab ich’s ja schon besser da, ist ja kaum benutzt, aber ich bin denn ja nochmal hingeknallt, hingefallen, da hab ich so ein bisschen Ängste jetzt entwickelt, dass ick denk, nochmal will ich nicht wieder hinfallen und det ist hier so schlimm, hier mit meinem Oberschenkelhalsbruch, weil det bis oben ja die Op ging, weil ich ja denn gleich ins Krankenhaus gebracht wurde, nicht. Ehm, aber ich war nie besonders wie manche, ich, wenn ich so höre, ich hatte aber Angst, weil, habe ich nie gesagt, weil ich eigentlich mich auch gar nicht so entsinnen kann, vielleicht waren die Ängste immer mehr innerlich bei mir, denn mein Arzt, der ist jetzt nicht mehr, der ist jetzt im Ruhestand, den kenne ich über dreissig Jahre und der hat mir so Tabletten, die ich immer nehmen soll über Depression gegeben, vielleicht dass er gemerkt hat dass ich vieles innerlich so verarbeite aber ob det, aber det sind keine Ängste in dem Sinne, meiner Meinung nach. Warum haben Sie das gefragt? Haben Sie Leute gehabt, die es gesagt haben, ich hatte aber Angst?
PS: Ja, ja, also, es ist natürlich sehr unterschiedlich.
Jp: Ja, na ja, immer wenn es schlimm ist war, denn habe ick sofort überlegt wat kannste machen? Gut dass ich immer noch, ja, da war und wat machen konnte, ich wenn ick, damals schon da auf der Weidendammer Brücke auch Schüsse rechst und links, hätte ich ja jar nichts machen können, nicht. Aber da konnte ich ja wenigstens ooch für meine Freundin noch machen, nicht. Da hatte ich ooch keene Ängste mehr, denn in dem Moment, da dachte ich, du must hier schnell weg und bloß los und aus Arbeitsscheu oder irgendwie blos los, drum nicht ich hab jetzt Angst und wat nun passiert dass habe ich nie gehabt eigentlich. Selbst im Roten Rathaus als die dann gesagt haben, also so grosse Ängste hatte ick da ooch nicht, allerdings war mir da unangenehm, dachte ich, Mensch, wenn die Russen hier ufftauchen und auf uns über’n Kopf schiessen, also ist ja aber da hab ich immer gedacht, dann wären wir ja hoffentlich weg sein aber richtige Ängste hatte ich da ooch nicht. Det war det einzige wo ich gedacht hätte, also bloß raus und so, nicht. [pauses] Doch det trinken sie jetzt, Sie haben ja jar nicht getrunken.
PS: Nein, nein, machen Sie sich keine Sorgen.
JP: Aber, die [unclear] Flaschen sind zwei, grosse Flaschen sind noch geschlossen.
PS: Ich wollte Sie nur noch ein Paar letzte Fragen stellen.
JP: Ja.
PS: Ehm, [clears throat] wenn Sie zurückblicken auf die Zeit, welche,
JP: Wie bitte?
PS: Wenn Sie in Ihren Erinnerungen zurückdenken an die Zeit, ehm, was dachten Sie damals von den Engländern und von den Amerikanern, die euch bombardierten?
JP: Wie, was, ich, über die sagen sollte? Oder, wie?
PS: Ja.
JP: Wie meinen Sie?
PS: Wenn Sie in Ihren Erinnerungen zurückdenken an die Zeit,
JP: Ja.
PS: Was dachten Sie von den Alliierten, die euch bombardierten?
JP: [sighs] Na ja, ich war natürlich ooch ein bisschen beinflusst durch meinen Vater. Vorher als ich, da war ich, da hatte ich vorher schon angefangen zu sagen, noch sehr, war ich zwölf Jahre oder so, nicht, und habe immer gehört dass Hitler Autobahnen baut und wat der alles tut, und dass mein Vater so über Hitler schimpft, da habe ich mit ihm, mit meinem Vater mich gestritten beinahe und hab gesagt, warum schimpftst du immer, nicht, der macht doch wenigstens was, bis mein Vater, er hat mir später mal gesagt, das wäre für ihn sehr schwer gewesen altergerecht, so jung wie ick war, mit zu erklären wat er damit meint, das der Mann, Mensch uns nicht gut tut, nicht, das mir auch richtig zu erklären. Er hat’s immer versucht und das habe ich dann, das habe ich erst langsam gemerkt dass er recht hatte aber Angst dabei hatte ich auch nicht. Dat einzige, wat ich immer nicht verstanden habe, mit viele jungen Frauen bei den Amis zum Beispiel die sich dann, weil’se wussten das se wat zu essen kriegen, und Schokolade oder Mitgebrachtes, oder auch mal mit dem Auto mit denen mitgenommen werden da hab ick immer gedacht, dat machst du nicht, mit den Amis musste nicht, Engländer war zu weiter weg, Olympia Stadion war ja ooch für uns so weit weg, für mich sehr weiter weg, Amis waren, die Nachbarn, also [unclear] nicht, da hab ich manchmal mitgekriegt, da dacht ich neh det machts du, das wirst du nicht machen, du musst doch nicht als Deutsches Mädchen nun dir einen Amerikaner anlachen bloß weil der da nun det kriegst oder jenes kriegst, es ist auch meistens gar nicht gut gegangen, eine Kusine von mir die hat einen Ami dann auch so sich angeangelt und ist dann mit ihm, der hat sie sogar mitgenommen nach Amerika, glaub nach Kanada, nee, Kanada war nicht normal, Amerika, nicht Kanada und hat sie mitgenommen aber die Ehe ist nach kurzer Zeit, wieder sie ist dann alleine wieder zurückgekommen, hat ooch nicht geklappt, da hab ich im Stillen so gedacht, warum machen so viele Frauen dat, na ja, ob so viele waren, aber ich hab’s von einigen gehört dass die so, dass, die denken auch. Ich habe nicht gemeint, ich hab die nicht verflucht nun oder, ehm, die Amis oder Engländer oder Franzosen, weil die ja, ick hab zwar im Stillen mal gedacht, als die Bombe, als die, ehm, det waren ja die Amis, die, die, wie heißt diese Bombe, die so schlimm ist, geworfen haben? Und so viele in, drüben in, kaputt gegangen sind?
PS: Die Atombombe.
JP: Wie bitte?
PS: Die Atombombe.
JP: Welche?
PS: Die Atombombe.
JP: Atombombe, wo die Atome die die Menschen, so viele umjebracht haben. Da habe ich ooch jedacht, ja, aber habe ich im Stillen jedacht, ob das nun das einzige Mittel war damals aber nicht inzwischen ist ja, aber geistert ooch dauernt hört man wieder, nicht, aber ich hab’s, aber im Stillen gedacht, ja, hinter, vielleicht war det ooch erst hinterher dass eben dadurch wenigstens der Krieg zu Ende ging, wat ja dann gestimmt hat. Also des war aber eine sehr verflixte Sache, die hab ich ooch nicht so gut jefunden aber ich hätte ooch nicht jewusst, wat man ausserdem hätte machen können, na ja, was soll ich dazu sagen, nicht? [laughs] Det, das, ehm, denn der Krieg, dass der zu Ende wollte, gehen sollte, wollte ich ja in jedem Fall ich auch, das ist, dass ich mit den, die Engländer waren immer zu uns sehr freundlich weil wir viel, ich bin denn später immer mit ins Mommsenstadion, dort mit hingefahren, hatte da auch Vorträge und die kamen und haben uns ooch öfter wat zu essen so gebracht den wir morgens wurden wir schon um fünfer abgeholt mit einer Gruppe im Bus hingefahren, nicht, und haben da Vorträge uns anhören müssen und die waren immer sehr freundlich, ooch im Stadion, nicht. Det waren ooch alle Engländer, weil ja, da gehörte ja zu dieser Teil, nicht, zu Berlin, ehm, also da hab ich, da konnte. Na ja, und die Italiener, mein Name, die waren ja denn ooch erstmal unsere Feinde, da hab ick mal gedacht, ja warum, also hat mir mein Vater mir ja damals schon erklärt, det Schiessen mit gegen einander, warum man, wir sind alle Menschen und ja, mein Vater konnte mich auch immer besser beinflussen, nicht, dat kann ja auch nicht jeder Vater machen mit den Kindern. Na, noch Geschichten?
PS: Nein, nur eine einzige Erinnerung, von der Sie mir erzählt hatten. Sie redeten, erzählten mir vorher einer Episode die mit den Rauchbomben zu tun hatte.
JP: Wie bitte?
PS: Rauchbomben.
JP: Rauch?
PS: Rauchbomben, die ins Haus gefallen sind.
JP: Ja, aber was damit?
PS: Ehm, ja.
JP: Ich hab nur in der Wohnung von meiner Tante, nicht, und auf’n Treppengelände lagen ein Paar Rauchbomben, und die habe ich gegriffen, ick weiss ja nicht, ob die in meiner Hand, ist nüscht explodiert, habe ich gleich runtergeschmissen. Unten da kam so’n Blitz, ick hab den auch aus’m schnell Fenster geguckt, wo überhaupt noch ein Fenster war, die Fenster waren ja alle raus, die Scheiben waren ja auch kaputt und raus. Meine Mutter hatte schon lange immer Pappe vor’s Fenster jemacht weil keine Scheiben da waren und teil runtergeschmissen, wat blieb ihr übrig? ich wusste dass ja nun, hatte mein Vater mir ooch gesagt, wenn es da brennt, dann sind es dat eben Feuerbomben, oder wie det hieß, und die Feurwehr hat ooch nüscht gemacht, die kam ‚43 war’se ja am Anfang noch mal da, nicht, danach is ja auch die Feuerwehr nicht mehr dajewesen, nicht? Als es überall gebrannt hat, nicht. Na ja, aber was meinten Sie sonst mit den Bomben?
PS: Nein, ich dachte, ob Sie mir noch ein Paar Einzelheiten darüber geben konnten über dieses [unclear].
JP: Nee, nee, ich weiss eben bloß dass eben bei anderen war, bei den anderen waren es meistens Sprengbomben, das es gleich gesprengt war und kaputt war, aber bei uns da, dieses, dat war die Erinnerung natürlich dass diese Ruine dann runtergebrannt hat in den Wohnungen aber durch die Rauchbomben, nicht, durch diese Rauchbomben, dadurch ist mir det erstmal klar geworden, das det ooch gab, ich hab immer jedacht, das sind mehr, ich glaube das diese anderen Bomben die Sprengbomben sind höher, von höher während die anderen, diese anderen Bomben niedriger, also nicht von oben, ich weiss es nicht, det hat mich nicht so interessiert. Ich hab nur, das weiss ich, dass ich die noch aufgenommen hatte im Flur und einfach runtergeschmissen hatte weil ich dachte, die können jetzt nicht hier brennen, losbrennen [coughs] wenn wir da auf meinen Vater und ich da vorbei wollen, wieder runter [coughs]. Und da ist ooch unten nüscht passiert weil ja nüscht zu brennen war, war Asphalt eben unten der Boden, wo ich’s runtergeworfen hatte, nicht. Da war’n Baum, ja wir hatten eine schöne Kastanie, eine grosse die da auch stand und daneben also war nur der Baum da und sonst eben nüscht weiter, kein, also dass war ja das habe ich ja nüscht uff Menschen oder uff’s Haus oder irgendwo jeworfen sondern nur erstmal das es von der Treppe da runter kam. Aber wat anderes kann ick, kann ick davon nicht sagen [unclear].
PS: Haben Sie je die Flugzeuge gesehen, die die Bomben abwarfen?
JP: Wie bitte?
PS: Haben Sie je, oder erinnern Sie sich, ob sie je die Flguzeuge gesehen haben, die die Bomben abwarfen?
JP: Ja, wenn wir, wenn wir, wenn ich mit rannte, meine Eltern schon in dem, unten in dem Gleisen im Bahnhof waren, war ich ja immer die letzte, weil ich die Kinder da mitjeholfen hab, fertig zu machen und mit den beiden Kindern, bin ooch hier ran, zum, ins Kirchwarten, nee, Kirchwart nicht, der hat ja mal gesehn, der sagt, du rennst ja schon wieder, nun mach mal, die schiessen doch schon, die werfen doch schon die Bomben ab, guck doch mal! Ick habe det Blitzen nur jesehen, ich hab den, bin ja denn hochjerannt, nicht? Weil ick musste ja auch denn rennen, ich bin ja nicht langsam jegangen. Bloß weil ich die beiden Kinder hatte konnte ja nicht so pesen wie wenn ick alleine gewesen wäre und da hat der Luftschutzwart dann ooch gesagt, du rennst, du rennst nicht hin, du musst dich beeilen, die werfen doch schon ab, hat der ooch gesagt, und guck doch, dreh dich um, muss ich mal, wollte ja vorwärts gehen, hab ich ja nicht so viel dahingeguckt aber ein Mal glaub ich habe ich nur so’n Blitzen denn gesehen, direkt hoch, nicht? Gesehen habe ich eben nur bei meiner Freundin wo die tot da neben mir lag, diesen gelben oder roten Stern von den Russen, dass, da hab ich jesagt, das und das war auch bekannt, dass die doll geschossen haben auf uns von, aber nicht die Amis und auch nicht die Engländer, die warfen eben ab, nicht?
PS: Also, dass die Russen von den Flugzeugen aus auf die Bevölkerung geschossen haben.
JP: Ja, also ich hab’s ja nur dadurch gemerkt, nicht, weil, ehm, weil ich das Sogen noch hörte, nicht? Det sogte ja so’n bisschen, meine Freundin die neben mir stand, det war ja alles in Sekunden schnell, nicht? Der Schuss der fiel sofort und der sauste da vorbei, det ich habe det das noch gesehen, ich dachte, det kann doch ja net sein, aber das waren die Russen weil die viel niedriger waren, nicht, die haben, waren ja nicht so wie die Engländer und Franzosen oder Amerikaner, vor allen Dingen auch net, die denn später denn auch in Tempelhof das Dankeschön, also wat teils Dankeschön für die Kinder den die Schokolade runtergeworfen haben, die Kinder, denn wir hatten die, unseren, die im Büro sassen in der Schule, die ist jünger als ich, ja zehn Jahre oder so, und die hatte, die lebt ja auch noch, die hat freudestrahlend mir denn in der Schule den nächsten Tag gesagt, ich hätte, Frau Petenati, jetzt duzen wir uns aber damals, hatse mich also angesprochen und hat gesagt, ich habe und hat des erzählt, dass sie Schokolade bekommen hatte sogar, sie wäre auch schon ein bisschen grösser als ich und hat Schokolade weil so viele Hände, Kinderhände da auch Schokolade haben wollten von denen, die da oben det runtergeschmissen haben, hätt sie eine Tafel Schokolade erwischt, nicht, und hat sie mir mal noch erzählt. Na ja, so, des war, aber und direkt mit Bomben zu hab ich, man hat denn immer nur Auszügen haben ich denn gehört und gesehen von Leuten, von Soldaten die in den Flugzeugen sassen, die später, ehm, dann von sich sprachen, mit welchen Gefühlen sie dann, eben die Bomben geworfen haben und so. Nur später habe ich manchmal so eine Geschichte mal von der Kirche, weil ich ja manchmal zur Kirche jegangen bin die denn der erzählte ooch dass er immer, er musste ja, die kriegten ihren Befehl, nicht, und mussten det ja machen ob sie wollten oder nicht, der hat es so geschildert auch, nicht? Aber sonst direkt das ich’s gesehn habe, das habe ich nicht. Hatten Sie da Interviews die das direkt gesehn haben? Ich hab manchmal eben nur det Blitzen, weil der Luftschutzwart sagte, sie dir das det an, det blitzt doch schon, die fallen ja schon die Bomben, da sind die schon gefallen aber nicht direkt auf unseren Kopf, ich hab’s immer noch jeschafft bis da unten runter, nicht?
PS: Ehm, Ich habe nur eine letzte Frage für Sie. Es ist wirklich.
JP: Wie bitte?
PS: Ich habe nur eine letzte Frage für Sie. Ehm, wie sehen Sie die Bombardierungen von damals, von heute aus gesehn? Also, wenn Sie jetzt zurückdenken an die Zeit, was denken Sie heute von, von dem was damals passiert ist, von den Bombardierungen Berlins von damals?
JP: Na ja, ich, aber ich, inzwischen wusste ich das, wusste ja, dass das auch zum Kriegsende gewünscht war, nicht, Kriegsende, und Kriegsende war für mich so wichtig dass ich dachte, dieser verdammte Krieg muss zu Ende gehen, ehm, und ich immer für dafür gestanden habe, also da hab ich gar nicht, vielleicht gibt es Leute die da gegen Engländer, Amerikaner und, ehm, auch Einstellungen gehabt haben, dagegen, nicht? Und sagen, unmöglich, und das furchtbar wat die gemacht haben und so, so habe ich nie geredet weil ich mir gesagt habe, die wollten ja nicht uns nur bestrafen sondern eigentlich Hitler, den Krieg beenden, denn geht’s allen vielleicht besser. Habe ich damals schon so’n bisschen gedacht di erste Zeit danach. Und im Grunde war et aber ooch so, oder? Oder gib’s den von ihren, haben Sie da welche die da im Gegenteil sagen sie, wie konnte’se det machen, wie konnten’se da bombardieren oder so?
PS: Unterschiedliche.
JP: Wie bitte?
PS: Es sind unterschiedliche Meinungen.
JP: Unterschiedlich, nicht? Also, ich hab das nie gesagt, weil ich immer gesagt habe, so schlimm, mit Sicherheit gesagt, so schlimm wie es war, natürlich, det habe ick ja gemerkt, wat so passiert auch, nicht? Aber es geht alles, es geht’s ja um den blöden Krieg und ich inzwischen hatte ich ja nur jewusst, durch meinen Vater dass er mir det alles schon früher so erklärt hat, dass eben Hitler eben die ganze Welt und wat der alles machen wollte, alos aber det is ja wieder wat anderes, nicht? Wen mann überlegt wat der Hitler alles wollte, wie der uns, wie der moderne Sachen bauen wollte, bloss, ohgottogottogott, dat hätte ich den umbringen können wen ich den gehabt hätte oder gesehen hätte. Ja, aber det is eben, ja jetzt können’se schon ja nimmer mehr richtig sitzen [laughs]. Aber vielleicht jetzt zum Schluss vielleicht noch doch noch was trinken. Bisschen.
PS: [laughs] Ja.
JP: Wie bitte?
PS: Aber erst möchte ich, ich möchte mit dem Interview jetzt aufhören und erstens mich sehr recht herzlich auch im Namen des International Bomber Command Digital Archive bei Ihnen bedanken für Ihre Zeit und für alle die sehr interessanten Sachen, die Sie mir erzählt haben und mich noch recht herzlich bedanken und ich würde jetzt Schluss machen.
JP: Und wichtig, das könnte aber ich doch, aber das steht ja auch auf der einen Seite, dass ich’s wichtig finde dass man ein bisschen von der Sachen was man noch so weiss ruhig erzählen sollte weil damit, wir haben seit ‚45 keinen Krieg mehr hier in Deutschland und ich will, solange ick denke immer solange, bloß keenen Krieg solange ick noch lebe, keinen Krieg, wir, ich bin so sehr, freue ich mich so dass noch so, nach so langer Zeit, da hatten wir ja noch nie in Deutschland ohne Krieg gelebt, nicht? Und das ist so für mich so wichtig, denn wer liebt Krieg? Und vielleicht gib’s da auch Leute die denken det is, oder junge Leute, denken ja nicht so daran. Aber ich hatte immer öfter Interviews mit Mädchen aus der Oberschule, manchmal waren’s drei sogar, irgendwann waren’s glaub ich vier oder fünf, die dann immer das auch betont haben, die wenigsten gesagt haben, also sie sind so froh, dass sie jetzt in Deutschland, das waren Kinder, Flüchtlingskinder, nicht. Also det heißt, Ihre Eltern kamen, waren nach Berlin aus der Türkei hier nach Berlin jekommen und die dann immer sagen, sie sind so glücklich dass Deutschland eben noch keinen Krieg hatte, hoffentlich sagen die meisten auch da, die sagen denn hoffentlich bleibt es so, nicht und sind es auch meine Ideen und dass solange ich noch lebe, bin ja ooch so alt schon jeworden, ick kann ja wenigstens noch so ein bisschen berichten wenn auch nicht so grafierende Sachen, nun so tolle Sachen berichten aber det wat ick so erlebt habe und noch so in Erinnerung habe, wie schlimm es im Grunde war, nicht? Und, und, ehm, und damit auch junge Leute, wenn’se Interesse haben es nicht vergessen dass das immer passieren kann, nicht, Und es wird ja nun noch, wie viele werden heutzutage noch erschossen [unclear]? Ick kann nicht mehr im Fernsehen, ich kann nicht mehr, da glaube ich, weil Sie fragten nach Ängsten, ick habe nie, eigentlich nie gehäult, oder irgendwie mich aufgerägt oder besonders mich aufgerägt aber wenn ick dann im Fernsehen irgendwie doch sehe von irgendwelchen die des aufgenommen haben, wenn man’n Kind verliert oder irgendwat, da sitze ick manchmal wenn ick denn, ick mache es meisstens wieder dann aus, wiel ick sitze und plötzlich kommen mir die Tränen, dabei bei ganz anderen die mich ja im Grunde gar nichts weiter angehen aber die Situation, warum passiert? Warum schiesst det einfach? Warum wird det Kind da erschossen? Warum werden die erschossen? Warum explodieren die, ooch in China oder wo det war, oder in Japan oder irgendwo wo die Kinder die über Reis, mit Reis zu tun hatten, wo’se vorher Bomben reingeschmissen haben und wo die denn explodieren durch die Bomben weil sie da Arbeit tun mussten, also da dachte ich wie kann man sowas machen? Ja, natürlich kommen dann diese Gedanken immer und aber direkte, wat kann mann machen, nicht? Wat kann mann machen?
PS: Immernhin, ich bedanke mich noch recht herzlich bei Ihnen und ich.
JP: Und wenn’s für die Engländer, ich hab’s ja vorher gesagt dass weil ich nun ein bisschen entfernter bin als, also und ich nicht nur sondern die da mitfahren und da kenne ich jetzt auch keine mehr, weil die immer sehr freundlich waren zu uns und ich ja immer da überhaupt keine Schwierigkeiten hatte, ich hatte auch mit den Amis nicht, bloß det fand ich nicht gut mit den Mädchen, wat ick vorher ja gesagt hatte, nicht? Ihr Deutsche Mädchen, ick hab nie so gehört dass die so voller Engländer, die waren wohl mehr zurückhaltender, und auch weniger als die Amis, oder? Ich weiß nicht. Vielleicht war es so, ich weißnicht, denn da hab ich das nicht so gehört, dafür hab ick immer gedacht, dat ist nicht so nötig aber vielleich ist et ooch nötig, überhaupt alle miteinander, wir leben doch alle auf eener Kugel noch, solange es die Kugel gibt, manchmal, ich mag nicht die Zeugen Jehovas, die sind ja in der Nazi-Zeit ooch eingesperrt worden und jetzt vor kurzem kamen wieder zwei ältere Herren wieder durch, die trauen sich det immer nicht zu sagen, dass sie von Zeugen Jehovas sind, bloß da hab ick mich sehr eingesetzt, nicht für sie und ooch nicht direkt dagegen, gegen einiges von ihnen, dass die ihre Kinder, wenn die in der Schule sind, dass die nicht mal die Gruppen mit den anderen auf Gruppenfahrt gehen dürfen, die dürfen dat nicht, die dürfen det nicht, die dürfen jenes nicht, det sage ich denen immer wenn die mich fragen warum ich det nicht mag, nicht? Weil ich das eben, ja weil ich det nicht so gut finde, nicht, und dass die, auch die, allerdings wat ick ooch nicht gut finde, aber die werden ooch, weil ich immer denke für die, ooch Deutsche Jungs, oder Deutsche werden Junge, ehm, die nach, mit den Islamisten [unclear] machen und einen ooch tot schiessen, da denke ich immer, wie werden die denn nicht von zu Hause mal anders beeinträchtigt oder anders erzogen, aber ist oft genau das Jegenteil, nicht? Denn der Vater sagt so und die Kinder machen’s anders, nicht? [sighs] Ja. So jetzt.
PS: Immerhin.

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Citation

Peter Schulze, “Interview with Jutta Petenati,” IBCC Digital Archive, accessed July 21, 2019, https://ibccdigitalarchive.lincoln.ac.uk/omeka/collections/document/9021.

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