Interview with Renate Rothaler

Title

Interview with Renate Rothaler

Description

Renate Rothaler (b. 1937) recounts her wartime experiences in Gotha, where she lived with her mother and sister while her father was drafted. Mentions a bombing in spring 1944 when she watched ‘silver birds’ that soon started to drop bombs, a sight that prompted her mother to rush the whole family down to the cellar. Mentions the Easter 1944 bombing of their school - which was then used as a hospital - and explains how a bomb hit the staircase without causing harm. Explains that when the bombing war grew in intensity, her mother packed every day a picnic basket and caught the train to the Thuringian Forest. They spent their time playing and reading the books of the local novelist Gustav Freytag, works which gave Renate a basic historical knowledge.

Publisher

IBCC Digital Archive
Memoro. Die Bank der Erinnerungen

Contributor

Peter Schulze

Rights

This content has been originally published on Memoro – Die Bank der Erinnerungen, which has kindly granted the International Bomber Command Centre Digital Archive a royalty-free permission to publish it as an audio track. To see it in its original video form and read the terms and conditions of use, please visit www.memoro.org and then click on the link to the German section. Please note that it was recorded by a third-party organisation which used technical specifications and operational protocols that may differ from those used by International Bomber Command Centre Digital Archive. It has been published here ‘as is’ and may contain inaccuracies or culturally inappropriate references that do not necessarily reflect the official policy or position of the University of Lincoln or the International Bomber Command Centre.

Format

00:05:39 audio recording

Language

Type

Identifier

Memoro#15926

Coverage

Conforms To

Spatial Coverage

Temporal Coverage

Transcription


RR: Grüß Gott, ich bin Renate Rothaler. Ich neunundsiebzig Jahre alt und stamme aus Thüringen. In Gotha bin ich aufgewachsen, dort habe ich auch den Krieg ziemlich bewusst durchlebt und habe auch noch eine Zeit lang die DDR genossen. In den ersten Kriegsjahren kriegten wir nicht so sehr viel mit. Mein Vater war eingezogen und meine Mutter lebte mit meiner kleinen Schwester und mir alleine in einem hübschen Dreifamilienhaus mit Garten, schönes, edles Haus. [pauses] Wie gesagt, am Anfang kriegten wir nicht so sehr viel mit, aber im Frühjahr 1944, Februar, ich erinnere mich, es war ein strahlend schöner Tag, alles weiss voll Schnee, die Mutter hatte uns Kohlrübensuppe gekocht und das mochten wir gar nicht, und da war uns das sehr willkommen das mit einemmahl Flugzeuggebrumme zu hören war. Ruck Zuck standen Eva und ich auf’m Fensterbrett in der Küche und drückten die Nase an die Scheibe, die Mutter stand hinter uns damit wir nicht runterfielen war aber sehr neugierig. Es war ein riesiger Schwarm silberner Vögel und wir dachten das sind Deutsche weil es hat kein Alarm gegeben. Und ich ging die erste Klasse in die Schule und hab damit geprahlt wie gut ich schon zählen konnte. Hab die silbernen Vögel gezählt. Bei 47 fingen die an Eier zu legen. Das waren keine Deutschen, das waren Amis! Meine Mutter hatte uns rechts und links unter’n Arm genommen und ist mit uns in den Keller gerasst. Mein lieber Schwarn! Na ja, aber es ist uns glücklicherweise nichts passiert. Ostern, in den Osterferien 1944, wurde meine Schule bombardiert. Wir waren natürlich in Ferien und die Schule wurde als Lazarett genutzt aber zum Glück fiel die Bombe ins Treppenhaus und es hat keiner davon Schaden genommen. Wir hatten natürlich keine Schule mehr, war auch nicht zu übel. Und da die Angriffe immer stärker wurden, hatte meine Mutter folgenden Entschluss gefasst. Sie packte jeden Früh einen Picknickkorb, eine Tasche mit Spielsachen und Büchern und Decken und wir fuhren um 5 Uhr mit der ersten Waldbahn in den Thüringer Wald, suchten uns eine schöne Wiese und schlugen da unser Lager auf. Und da haben wir dann gespielt und vorgelesen, ich konnte da inzwischen schon lesen, machte das auch sehr gerne. Die Mutti hatte uns die Bücher von Gustav Freitag eingepackt, der in einem Vorort von Gotha gelebt hatte und den wir deswegen schon besonders schätzten. Der hatte eine grosses Werk verfasst, heißt die Ahnen, mehrere Bände, und es handelt von einem Königsssohn und seinen Nachkommen bis zur fast heutigen Zeit. Und jedes dieser einzelnen Bücher begann mit einer Jahreszahl, im Jahre sowieso. Und diese Jahreszahl bezog sich immer auf ein wichtiges Ereignis in der Geschichte. Und ich habe diese Bücher unheimlich gerne gelesen, weil ich sowieso eine Leseratte war, eigentlich ja heut noch bin. Und Diese Jahreszahlen die haben mir ein fabelhaftes Gerüst gegeben für den Geschichtsunterricht, da konnte ich sozusagen alles was ich neu erfahren habe anknüpfen. Na schön. Eines Tages war der Vater in Urlaub da und fuhr mit uns auch raus in den Wald. Er lief vor uns her und wir fanden auf der Wiese so dicke, weisse Pilze. Und die sahen eigentlich aus wie Schneebälle, sagen wir mal. Und wir packten die Dinger und warfen die auf den Vati, als wenn wir ihn mit Schneebällen beschmeissen. Und da wurde er sehr ärgerlich, nicht weil wir ihn beschmissen haben, sondern weil wir ihn mit den Pilzen beschmissen haben. Er kannte die, das waren Boviste, eine sehr sehr schmackhafte, gute Sorte und wir hätten eine Mordsessen davon machen können und jetzt hatte er sie auf’m Pelz.

Citation

“Interview with Renate Rothaler,” IBCC Digital Archive, accessed November 14, 2019, https://ibccdigitalarchive.lincoln.ac.uk/omeka/collections/document/242.

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