Interview with Helmut Köhler

Title

Interview with Helmut Köhler

Description

Helmut Köhler (b. 1928) recalls his wartime experience as Luftwaffenhelfer. He provides a first-hand account of two attacks on Kassel, the first on the 22 October 1943 and the second in March 1944. He describes his time spent inside the air-raid shelter; how he helped extinguish fires; the destruction of schools and the entire old town being razed to the ground. He also discusses everyday life in an anti-aircraft unit, the process of matching skills to roles, training, and anti-aircraft fire. He mentions being posted to a special deployment unit as a punishment for noncompliance, following which he was re-trained on quadruplet flak guns at the Eder dam. He briefly talks about the breaching of the Eder dam and the ensuing flood wave. Helmut Köhler recalls Russian and French prisoners of war manning flak batteries. He describes an unexploded bomb in his house on new year’s eve 1944. He stresses that Luftwaffenhelfer freed up soldiers for combat roles and highlights how the replacement ratio was almost 1:1. He mentions his first encounter with American troops in Gudensberg at the end of the war.

Creator

Publisher

IBCC Digital Archive

Date

2017-03-03

Contributor

Peter Schulze

Rights

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Format

00:59:29 audio recording

Language

Type

Identifier

AKohlerH170303

Transcription

HZ: This interview is being conducted for the International Bomber Command Centre. The interviewer is Harry Ziegler. The interviewee is Helmut Köhler. The interviewee, the interview is taking place at Mr Köhler’s home in [omitted] Kassel on the 3 of March 2017. Also Herr Köhler, dann fangen wir mal an.
HK: Ja, also geboren wurde ich am ersten August 1928 und zwar hier in Kassel, im Rotenkreuz Krankenhaus und zwar in der Hansteinstrasse 17 haben wir gewohnt, das ist im Stadteil Wehlheiden, also nicht hier, sondern im Stadteil Wehlheiden. Und da bin ich, hab ich vier, drei Schwestern gehabt, ältere Schwestern, ich bin also nur unter Frauen gross geworden und leider ist mein Vater schon gestorben als ich knapp drei Jahre war, also 1991 ist, 1891 [?] ist schon der Vater gestorben und da war die Mutter mit vier Kindern alleine und der Vater war im Studienrat weil er einen Knieschaden hatte, desshalb ist er im Ersten Weltkrieg kein Soldat geworden, er hat also im Krieg warscheinlich einen Meniskusschaden durch Fussball haben sie gespielt und heute wär das operiert worden, aber damals konnten sie das nicht und desshalb ist er kein Soldat geworden. Und da hatt er hier in Kassel im Realgymnasium eins sein Studium, sein Abitur gemacht und hatt dann auch studiert in Marburg und zwar Geschichte als Hauptfach und hat da auch promoviert. Und a, und, er stammt also aus Gudensberg und die Vorfahren, also seine Eltern und seine Grosseltern und ich weiss nicht wie viele Generationen zurück, die hatten das Baugeschäft in Gudensberg, ein Bauunternehmen und meine Mutter, die stammt aus Rellingen bei Pinneberg in Schleswig-Holstein und die haben sich kennengelernt auf einer Hochzeit [laughs] die ein Gudensberger Freund von meinem Vater und einer Pinneberger Freundin von meiner Mutter, da waren sie beide eingeladen, haben sich kennengelernt neh und so. Na ja gut und so bin ich groß geworden praktisch ohne Vater und musste natürlich dann auch zum Gymnasium, Realgymnasium eins, das hieß damals Paul-von-Hindenburg-Schule. Und bin dann eben wie gesagt vier, fünf Jahre ganz normal zur Schule gegangen und am ersten September im ’39, Ostern bin ich dahingekommen, und im ersten September ’39 began der Krieg und da waren mit einem Schlag in einer Woche die ganzen jungen Lehrer weg und da kriegten wir die alten pensionerten Lehrer und dann waren aber zum Teil Lehrer, die mit meinem Vater zusammen an der Schule gelehrt haben [laughs], das war natürlich sehr interessant, ‚ach hier das ist der kleine Heinrich‘, neh, das war ich dann, neh. So und so sind wir dann, haben wir dann Schule gemacht war ganz normal, aber dann eben wiegesagt bis ’43 und dann wurde der Luftkrieg härter, da waren schon mehr mal Angriffe hier und dann kamen wir, als Schüler mussten wir dann Luftschutzwache machen nachts in der Schule, so fünf, sechs mit einem Lehrer zusammen, kriechten wir oben im Dachgeschoss so‘n kleines Zimmerchen mit‘em Feldbett und so haben wir den Krieg kennengelernt und in der Zeit ging dann auch in ’44, neh ’43, ging dann die Edertalsperre kaput, und das haben wir sehr gut beobachtet wie die Riesenwelle Wasser kam neh, na ja gut. [sighs] Jedenfalls, dann die Sommerferien waren rum und dann wurden wir zur Erntehilfe abkommandiert, vier Wochen mussten wir den Bauern helfen, Ernte zu machen und dann kamen wir kurz in die Schule und dann war am 22 Oktober 1943 der grosse Angriff hier. Und den habe ich in der Hansteinstrasse mitgemacht, wo ich geboren wurde. Und das war wirklich grauenhaft, also was ich da in den Keller so erlebt habe, auch die einzelnen Menschen, die da alle sassen, viel ältere Frauen und auch ein Paar Männer, ein hoher Offizier, der hier beim Generalkommando beschäftigt war der hat da immer ein bisschen beruhigt und so, also, es war schon grauenhaft, die eine Frau, die hat nur dauernd gesungen, vor lauter Anstrengung, und die andere die hat nur gebetet und so, und meine Mutter hat ganz still gesessen da, Hände gefaltet und dann gingen durch die detonierten Bomben dann gingen, flogen dann die Kellerfenster rein und dann, also er war grauenhaft. Na ja, und dann ist unser Haus nicht abgebrannt da sondern auch ein Paar Nebenhaüser und da hab ich mitgelöscht so und dann. Ja und dann waren die Schulen in Kassel alle kaputt, so und da haben wir drei Wochen, haben wir uns gefreut, hurrah die Schule brennt, uns gefreut alle, und so nach drei, vier Wochen dann haben wir dann doch bisschen im Zweifel geguckt und sind wir mal zu unser alten Schule gegangen, da war die ein riesen Trümmerhaufen aber die Kellergewölbe die waren noch da und da hatte die Schulsekretärin ihr Büro eingerichtet im Keller und da hatt‘se dann gesagt: ‘Jungs, also, Schule wird’s nicht mehr geben in Kassel’ und so war’s dann auch. Da wurden nach dem grossen Angriff, da sind ja etwa zehntausend Menschen umgekommen, und die ganze Altstadt, alles ein Trümmerhaufen, also es war grauenhaft neh und da sind die ganzen jungen Mütter mit ihren Kindern in einer Woche alle aus Kassel weggeschickt worden, die kamen alle in irgendwelche Lager, die Organisation die war damals schon wirklich klasse neh. So, und wir kamen in ein verlassenes Arbeitsdienstlager nach Bracht, bei Marburg liegt das, das war so alles ein Arbeitsdienstlager mit Baracken und da kamen wir alle rein.
HZ: Ist es Bracht mit B?
HK: Bracht mit B, R, A.
HZ: Ja.
HK: So etwa neh. Ich bin nachher nie wieder da gewesen. So und dann schliefen wir in den Hut, in den grossen Baracken da, zwanzig Leute gingen da glaub ich rein, dann immer zwei Lehrer dabei, die schliefen auf Strohsäcken dann und so und dann am Tag hatten wir da ein bisschen Schule und dann kriegten wir irgendwie die Nachricht das wir zur, als Luftwaffenhelfer eingezogen wurden und wir konnten dann nach Hause also im Dezember 1944, konnten wir, die wir bald eingezogen wurden, schon nach Hause. Und dann am fünften Januar mussten wir antreten Schule [unclear] Schule mit einem Papkarton und da stand da genau drinn was man da alles mitbringen durften, zwei Unterhosen, und ein Paar Socken, alles so was [laughs]. Und dann wurden wir auf’n LKW geladen und da stand da drauf:’Eltern durften nicht da mit’ oder so änlich wurde das da bezeichnet und von meinem Freund Erich, der mit mir grossgeworden ist, die Mutter die war klever, die ist dann hinter uns her gegangen wo wir zum, und wo wir auf der einen Seite von dem LKW standen dann ist sie auf der anderen Seite durch so’n Buschwerk und hat den Fahrer geholt und hat gesagt:’Hören Sie mal, wo fahren Sie den hin, mein Sohn ist hier bei’. Und da hat er gesagt: ‘Nach Heiligenrode’ und da wusste, wusste meine Mutter, hatte gleich Bescheid, wussten die zumindest wo wir Jungen hinkamen. Und da sind wir furchtbar ausgebildet worden, also furchtbar, jeden Tag acht Stunden und das im Januar bei Wind und Wetter und da wurden wir auch fast alle krank und erkältet und alles sowas. Und dann so nach’m viertel Jahr wurden wir eingesetzt und auf, ach so und dann fragte dann der Hauptmann, der Kommandeur, der war im Zivilberuf war der Studienrat und zwar in Matte, Mathematik [laughs] und der fragte dann:’was wollen Sie werden?’ Wir waren ja alle per Sie plötzlich mit fuffzehn Jahren und was wollen sie werden, was wollen Sie [unclear] , und da habe ich gesagt:‘Baumeister, Herr Hauptmann, Baumeister’. ‚Umwertung‘, das war also wo die Zielwege aufgezeichnet wurden, das wurde viel mit Zeichnung das war natürlich was neh. Und ein anderer Klassenkamerad der sagte: ‚ich will Elektroingenieur werden‘, der kam zum Funkmessgerät, das war der Vorgänger vom Radargerät, und so hatten manche schon Vorstellung und die die gar nix wussten die kamen zur Kannonen [laughs] na ja und so wurden wir dann ausgebildet. Und ja und so ging das weiter bis zum, also Januar bis etwa Juni und da wurden wir verlegt von der Flakstellung Heiligenrode zu der Flakstellung Niederkaufungen, da war nämlich ein grosses Heeresdepot und zum Schutz von diesem Depot wurde oben auf dem Berg, das ist heute noch hier, Papierfabrik heisst das, Richtung Kaufungen wenn se da mal [unclear], da waren wir zum Schutz da, so und dann war immer Fliegeralarm aber es passierte nix und da haben wir von der Umwertung, wir mussten auch Sperrfeuer schiessen und das wurde von der Umwertung aus gemacht, das war das Flug-Malsigerät, das war so’n, [unclear] und manchmal wurde Sperrfeuer geschossen, den das Vermessen der Entfernung war sehr schwierig damals neh, am Tag ging das durch die vier-meter Basis, aber am nachts war das schwierig. Und das war in der ganzen, in dem ganzen halben Jahr vorher nicht einmal passiert. Und da bin ich mit’m Paar die den Zielweg nicht aufzeichnen brauchten [unclear] Malsigerät wir haben oben zugeguckt wie da die Flak geschossen hat und da ist wohl das Stichwort gekommen Sperrfeuer und unsere Batterie hat das nicht gemacht weil ich net da war und meine Kumpels. Und da simma nächsten Tag wurde eine zbV Batterie aufgebraut und dann kam der Hauptmann schon auf mich zu und ’Sie wissen ja warum sie jetzt versetzt werden’. Da kam ich zur zbV Batterie mit vierleutenarme [?] und da wurden wir dann umgeschult, sollten wir eigentlich nach Breslau, [clears throat] und da haben wir schon das [unclear] gepackt und alles neh und da kamen kurz davor in der Doppelbaracke da war die andere Seite, da war der Oberleutnant, der Batteriechef und der telefonierte plötzlich, da haben wir alle gehorcht und da hatt er gesagt:’Wunderbar! Ist ja wunderbar! Herrlich! Toll!’ und so und da kam er gleich zu uns rüber: ‘Wir fahren nicht nach Breslau, das ist eingenommen worden von Russen’. Und dann kamen wir zur 12,8-Batterie, wurden wir umgeschult, nach Maronhüls [?], da in diesen ehemaligen,
HZ: Wie heisst das?
HK: [unclear] hiess das Nest, das Dorf, [unclear] ist eine grosse Stadt in das [unclear] gebiet da am Rand und da war eine V2-Herstellungs, so ‘ne Fabrik, die das herstellten oder auch schossen oder wie das war. Und die wurden da immer, wenn Flieger kamen, Feinde, da wurde das eingenebelt neh. Und dann wurden wir ausgebildet an den Kannonen und eines Tages da flogen mehrere Kannonen in die Luft durch Rohrkrepierung, das war also Sabotage von Munitionsfabriken, haben irgendwelche Fehler eingebaut.
HZ: Haben dann bei Ihnen waren da auch Russische Hiwis oder waren da auch andere in den Flak?
HK: Ja, waren da [unclear] dabei, Russische weniger, aber italiener, diese Badoglio-Truppen,
HZ: Ja.
HK: Diese von dem abgesprungenen General Badoglio neh, oder Serben glaub ich und so was, die wurden dann da beschäftigt. Und irgend einer hat da warscheinlich so was erfunden dass das und da krepierten in ganz Deutschland bei der 12,8 die Granaten und da hatten sie keine Kanonen mehr. Da kamen wir wieder nach Kassel, hier oben in Welhheiden da haben wir in so einer Baracke gewohnt vierzehn Tage oder was und dann kriegten wir den Einsatzbefehl zur Vierlingsflak Umschulung am Edersee auf der Talsperre. Die war wieder hergestellt, die war ja kaputt, wissen Sie das durch die Ballbombe,
HZ: Ja, die rolling bombs.
HK: Die da rotierte neh, das war ne ganz, technisch ne ganz tolle Sache neh, da muss ich wirklich sagen also war schon klasse aber als wir hinkamen war die schon wieder zugemauert, also das war für mich als Baumensch ein riesige Leistung innerhalb vom Jahr, oder halbes Jahr was die das alles fertigmachen, so sieht’s heute noch aus, ist da nachgemacht worden.
HZ: Wir sind da mal da gewesen, ja.
HK: Also das ist also eine riesige Leistung gewesen, wie die das alle gemacht haben, das weiss ich net, jedenfalls dann wurden wir auf der Vierling, da hatten wir oben auf der Mauer da war so’n holz, Holztürmchen aufgebaut da standen vier, drei Vierlingsflak [laughs] und da soll’n wir nun, wurden wir ausgebildet. So und dann am zwanzigsten, so und dann weil wir vier Kasselaner waren dann wurden wir immer weggeschickt zum Kurierdienst weil man der, Autos gab’s ja nicht, sie mussten also die Kurierpost, die musste zur Heeresgruppe, zur Luftwaffengruppe, des war hier in einer Kaserne auf der Hasenhecke hier in Kassel und da konnten sie an einem Tage nicht mit der Bahn hinfahren und wieder zurückkommen und da haben sie uns vier Kasseler immer eingeteilt, da konnten wir zuhause schlafen. Und da hatten wir das natürlich wunderbar. Und [unclear] ich mal wieder wegblicken, Anfang Februar oder irgend, Mitte Februar war das, da sagte mir der Schreibstubenbulle da, sagte:’Hör mal, wenn du jetzt nach hause gehst bring dir mal ein Paar Zivilklammotten mit’. Ich sag:’warum dann das?’. Das habe ich dann gemacht und dann zwei Tage später bei der Befehlsausgabe, da sagte der Hauptmann: ‘Wer hat Zivilsachen mit?’ Ich, Herr Hauptmann’, ‘morgen Abmarsch’ und da war die Entlassung hier neh. 20 Februar 1944 wurde ich von der Flak entlassen, ich war der erste [laughs], werde ich nie vergessen. Na ja, und dann war ich ein Paar Tage zuhause und da kriegte ich die Einberufung da, die hatte ich ja schon und dann hatten wir den Angriff hier etwa, ich weiss des Datum leider net mehr, am zweiten März oder irgendsowas, muss jetzt, grade jetzt auf die Zeit [unclear] muss das gewesen sein,
HZ: Ich hab mir.
HK: Da ist das Haus getroffen worden und ich war da zu Hause und da war ich mit ein Paar Freunden in einem Bunker.
HZ: Ja?
HK: Das erste Mal in meinem Leben in einen Bunker gewesen, weil da einer Musik machte, da war immer so’n bisschen was los. Und da kam ein Junge rein der sagte: ‘Helmut, stell dir mal vor, bei euch da in der Strasse brennt’s wie verrückt’. Und da bin ich raus, der Luftschutzwache wollte mich net raus lassen, da hab ich ihn weggeschoben, das war mich ganz egal [unclear] und da kam ich hin polterte die treppe hoch so, kurz vor mir ist die Holztreppe eingekracht, desshalb würde ich heute als Baumensch nie eine Holztreppe bauen, immer ne Betontreppe [laughs]. So und da stand ich unten und sah wie aus unserem Wohnzimmer, unserem Herrenzimmer die Flammen [unclear] schlugen und ich konnte nix machen. Da guckte ich so an mir runter da hatte ich Hose an und Schuhe an, keinen Kamm, keine Zahnbürste, da kam ich mir vor wie der ärmste Mensch den’s gibt auf der Welt, wirklich dieses Gefühl, das habe ich schon meinen Kindern erzählt, das war furchtbar, da stand ich da ach Gott, mein Wintermantel der hängt da an der Gardrobe, alles so und kam ich da gar net dran, das war eine furchtbare Nacht. Da bin ich mit meinen Freund, der war auch zufällig da, und da sind wir in den Keller, haben das bisschen was Mutter so’n Paar Koffer und so was, haben wir dann raus auf die Strasse gestellt, na ja und das haben wir dann, haben wir später mit einem Pferdefuhrwerk geholt und alles nach Gudensberg geschafft zu Verwandten.
HZ: Ja, die Geschichte wo Sie da noch zur Stadtkommandantur gegangen sind [unclear] mir erzählt haben.
HK: Ja, das ist da passiert.
HZ: Ja, die könnense noch amal für das Band erzählen.
HK: Ja, gut und da hatte ich ja di Einberufung und dann, so die hatte ich ja vorher schon deshalb bin ich ja bei der Flak entlassen worden, und dann einberufen sollte ich werden, das glaub ich am 6 März oder irgendwas sollte ich da antanzen und am zweiten oder so dann passierte der Bombenangriff und da hat der Onkel gesagt, neh, richtig, der Onkel hat gesagt:’Neh, das geht net, da kannste net weg’, ich sage:’Was mache ich den jetzt?’ ‚Ja dann, geh doch mal zur Ostkommandantur’, und da bin ich dann nach Kassel, ich glaub sogar gelaufen, [unclear] viele Stunden, und dann war die Geschichte ja mit der Ostkommandantur, wo ich draussen stand der Posten und da sagte ich, ‘Luftwaffenoberhelfer Koeler hier der will zum Ostkommandanten sprechen’, [laughs] das ich überhaupt den Mut hatte da staune ich heute noch, und wo er dann, wo ich dann sagte: ‘Ich bitte da um ein Paar Tage Urlaub, meine Mutter ist alleine und wir haben ein Paar Sachen rausgeholt aus’m Keller, die stehen da alle noch und ich muss, meine schwangere Schwester kann auch net helfen und so neh, und dann hat er dann gesagt also, na ja, mich mitleidig angeguckt und da hat er gesagt: ‘Na ja, melden sich in acht Tagen wieder’. ‘Jawohl!’ Und dann bin ich dann los und dann hat der Onkel gefragt: ‘Hat er überhaupt gefragt wo du wohnst?’, da hab ich gesagt: ‘neh’, ‚das ist gut, da gehst du nicht mehr hin‘. Und dann haben wir den englischen Rundfunk gehört abends, ‘Hier ist England, Hier ist England’. Und dann habe ich dann nun, haben wir dann nun bald erfahren wo die Amerikanischen Truppen, die sind dann in Remagen über’m Rhein weg, und dann waren sie schon über Frankfurt weg, und dann sagte der Onkel: ‘Das dauert keine zwei Wochen dann sind die hier’, und es stimmte auch. Am ersten April waren die ersten Amis in Gudensberg. Und so bin ich davongekommen. Und vorher hatte ich noch, da hatte mich mit so’n Mädchen da getroffen, standen wir so im Hauseingang, Ich konnte ja nur abends weggehen, am Tage lies mich der Onkel net raus, da kam einer plötzlich [makes a noise] stand einer neben mir, guckte mich an, sagte: ‘Bist Du den verrückt?’, der dachte ich wäre so’n Desertierter, er war nämlich auch einer. ‚du stellst dich hier hin, eben haben’se drei da oben erschossen‘, die haben’se erwischt neh, und da wurde es mir natürlich unheimlich, da bin ich auch abends weggegangen. Ja und bis die Amerikaner kamen. Das war ein Karfreitag, erster April 1945 [laughs], Karfreitag war das. Und die Tante hatte vorher schon ein bisschen Kuchen gebacken und dann sassen wir dann am Küchentisch und haben Kuchen gegessen. Auf einmal klopft es an der Haustür. Da kamen die ersten Amerikanischen Soldaten. Vor jedem Haus hielt ein, wie nannten die sich diese drei-achsler?, LKWs, na ja gut, weiss jetzt nimmer, und da sassen immer zehn Mann drauf, Amerikaner und im jedem Haus kam da Einquartierung und da mussten die Zivilleute alle raus. Und da kam der Unteroffizier oder was er da war, weiss ich net, der kam als erste sah mich an: ‘Raus!’, so ‘Raus!’. Da sag ich: ‘Moment muss ich Schuhe anziehen‘, zieh am ende Schuhe, dann kam ich die Treppe da runter und da standen zwei mit der MP und haben sie mich abgeführt zum Ostkommandanten. Und da war so’n netter kleiner Dolmetscher und der fragte: ‘Warum sind sie kein Soldat?’ Sag ich: ‘Ich war bei, als Luftwaffenhelfer’. Konnte er nix mit anfagen. [unclear] Und diesen Luftwaffenhelferausweis den hatte ich in der Tasche und dann wollte ich ihn zeigen und da fiel er vor lauter Aufregung fiel mir da hin, da war der schneller da und, ‘Ach!’ sagte ‘jetzt weiss ich was sie waren’. Da ist er zu seinem Boss hingegangen, zu dem Kolonel oder, neh Kolonel war er net, also der Offizier neh, und da kam der raus und dann guckte der mich an. This fellow is [unclear], ab und da bin ich auch schnell nach hause und so bin ich davongekommen. Draussen standen dann da, die haben sie alle aufgesammelt, die verwundet waren, Verwundetenurlaub und so und die sind dann alle nach Frankreich abgeschoben worden. Mussten ein Jahr im Bergwerk arbeiten und so. Ich bin da davongekommen. Das war meine Zeit in Gudensberg und da war ich eben fünf Jahre in Gudensberg, Fussball gespielt und so, das war eine schöne Zeit, aber in Kassel gab’s keine Schulen, des erste halbe Jahr gab’s nix. Und mein Freund hier, der Erich, der ist in Kassel weiter geblieben und der hat mich immer mal besucht in Gudensberg und der sagte eines Tages: ‘Helmut, im Herbst geht die Schule wieder los‘, die Albert-Schweitzer Schule, hier in der Kölnischen Strasse, die hiess damals Adolf Hitler Schule während des Krieges [laughs], und der sagte der Rektor da das ist der Ale Witschi [?], der mal zu uns in der Flakstellung kam und mit dem habe ich jetzt mal gesprochen über dich und der hatte gesagt ich sollte mal kommen, sollte mal gucken, der hätte einen Plan für mich. Da bin ich dann hingegangen, habe einen Ausbildungschef gefragt, hier ‚n Meister, darf ich da mal dahingehen? Ja selbstverständlich. Und da hat er gesagt: ‘Gut, zwei Tage Schule haben wir in der Woche. Und in den zwei Tagen kannste zur Schule gehen und die anderen vier Tage, weil ja Sonnabend auch ein Arbeitstag war, da gehste in die Lehre. Frag mal deinen Lehrmeister ob er das macht.
HZ: Und was haben sie da für eine Lehre gemacht?
HK: Maurerlehrer.
HZ: Maurerlehrer.
HK: So ich war im Baugeschäft, und meine Mutter stammte auch aus dem Baugeschäft, also für mich gab’s gar nichts anderes, ich war, begeistert bin ich heute noch. Ich wollte Baumeister werden, was das damals war weiss ich net, aber das wollte ich ja einfach werden und da musste ich, ja Schule gab’s nicht mehr und da hab ich gesagt, jeden Tag beim Onkel Stall misten wollte ich auch net, ich will Lehre machen und so. So ist das gekommen. Und die Tochter von dem Bauunternehmer hier in Kassel, die war eine Freundin von meiner ältesten Schwester. Also wir kannten die, die Familie kannte sich persönlich sowieso. Nun dann bin ich zum Vitrokin [?], das war der Rektor, der Kommissarische Rektor von der Schule und der hat mich begrüsst wie ein alter Kumpel den der kam in unser Flakschirm das hat man auch Unterricht gekriegt [unclear] Flakschirm weil wir Schüler waren neh und dann hatt er manchmal gesagt [unclear]:’Ach Jungs, habt ihr noch mal, nimmt mal eine Tasse Kaffee für mich’ Und dann kam so, alles zu Fuss, [unclear] und der war wie’n Kumpel für uns, das war der Lehrer, und dann hat er mich begrüsst wie ein alter Kumpel da neh, sagte mach dein Lehrmeister einen Vorschlag und da machste bis Ostern das und dann kriegste das Zeugnis der Mittleren Reife, das hatte ich auch net, hatte ich nix, Schule kaputt, und so haben wir das gemacht. Dann bin ich zwei Tage zu Schule gegangen, richtig noch Latein und Matte und alles sowas neh und dann habe ich so ein Einheitszeugnis, so gross, stand ‘Alles befriedigt’ [laughs]. Na ja gut, und das ist meine Schulausbildung gewesen, kein Abitur gemacht, gar nix. Na ja, und dann habe ich dann studiert, habe ich dann meine Maurerlehre gemacht, an der staatlichen Ingenieurschule beworben, und das war ja auch so tragisch. Da musste zwei Tage Aufnahmeprufung sein neh, mit dem bisschen Wissen was ich da aus der Schule hatte und dann waren, dreisig haben, wolltense aufnehmen, und driehundertsechsig Bewerber kamen da in die Schule am Königstor als Offiziere und hatten noch ihre Offiziersmäntel an und so weil wir nix kaufen konnten [unclear]. Und da bin ich natürlich mit Glanz und Gloria auch durchgefallen. Und da habe ich mich auf die Hose gesetzt. Mit einem Freund aus Gudensberg zusammen, den Roman [unclear], der stammte aus Litauen, der war da Flüchtling, und da haben wir da richtig gepauckt. Hier neben uns da wohnte der Doktor Enders, Mathematik, Studienrat, war’n Kollege, Freund von meinem Vater, genau hier in der Parallelwohnung in der [unclear] und der hat uns dann Mathe beigebracht. Plötzlich viel es mir wie Schuppen von den Augen, plözlich konnte ich ne Gleichung mit zwei Unbekannten, das war gar kein Problem mehr. Und so bin ich dann zur zweiten Prüfung ein halbes Jahr später und da hab ich’s bestanden und so hab ich meine Paar Semester, fünf, sechs Semester glaub ich, [unclear] Ausbildung
HZ: Gemacht.
HK: So ist das geworden. Und dann fanden wir keine Arbeit und so. Und dann bin ich da mit einem Kollegen hier rumgelaufen ob als Maurer ein bisschen Geld verdienen konnten, als Maurer kriegten’se [unclear] Arbeit das war ’52.
HZ: Das war [unclear].
HK: Das war ganz ganz schlimm neh. Und dann hatte ich durch einen Onkel, der war in Bielefeld Stadtrat und der hat mir vermittelt beim Bielefelder Tiefbeamt eine Aushilfstelle für einviertel Jahr und habe auch bei denen gewohnt, es waren so Industrielle die haben da heute noch so Fabriken und so was Graustoffwerk und da hatten sie aber keine Planstelle und mittlerweile habe ich mich beworben bei einer Hamburger Firma die ein Onkel von mir kannte weil der Besitzer, der Vater von dem jetzigen Besitzer er war, war ein Studienkollege von meinem Ober, so hat sich das ergeben. Und die bauten Helgoland wieder auf, weil Helgoland ja ein Abwurfgebiet von der Britischen Armee war nach’m Kriege, da haben sie X Bomben ausprobiert, die ganze Insel Helgoland die war praktisch unbewohnbar, Blindgänger und die mussten wir, wurde praktisch umgepflügt die ganze Insel, drei meter da weggetragen und dahingepackt und da gingen natürlich immer die Blindgänger und die Bomben hoch. Die Bagger die hatten solche Stahlplatten davor, das der Fahrer net verletzt wurde. Und kurz davor kriegt ich ein Telegramm, das habe ich übrigens noch, nächste Woche nicht, Telefon gab’s ja gar net, nicht nach Helgoland sondern Mönchengladbach. So, Telefonummer aufgeschrieben, da bin ich nach Mönchengladbach gefahren da kriegte, hatte die Firma einen grossen Auftrag gekriegt, das englische Hauptquartier, das Hauptverwaltungsgebaüde, das steht übrigens heute noch, da habe ich auch jetzt ein Bild gefunden noch davon und das hatte ja zweitausendzweihundert und so und soviele Zimmer, Britische Rheinarmee. Und das habe ich, da war ich Bauführer nannte sich damals. Waren wir drei Mann und hatten teilweise bis vierhundert Leute beschäftigt. Britische Rheinarmee hiess das glaub ich. Und da habe ich auch die Einweihung mitgemacht, da haben wir noch, vorne in den Haupteingang, in dem Pfeiler, da haben wir noch eine Kassette eingemauert die muss heute noch [unclear] sein, sind noch warscheinlich noch Namen die ich noch merkte, ich weiss es nimmer so genau, mit ne silbernen Kelle haben wir da [unclear]. Und das war meine Grösse und auch eine, da habe ich viel gelernt [unclear]. Ganze drei Jahre war ich da. Das war sehr interessant und da habe ich mit einem Englischen Pionieroffizier viel zu tun gehabt neh, das waren die die eher kein Deutsch konnten. Und ein Ziviloffizier der war mittlerweile dann, er war früher auch bei den Pionieren gewesen und der war dann entlassen worden wegen Alter, der war dann schon Ende fuffzig oder irgendwas, und der wollte noch als Zivilingenieur und der schlief auch in einer Barakke von uns und dem haben wir auch Skatspielen beigebracht.
HZ: [laughs]
HK: Und dann haben wir auch mit dem die Weltmeisterschaften damals wo Deutschland Weltmeister 1954, da hatten wir noch kein Fernsehen und alles so was. Da hat er mit uns geguckt, da haben wir auf’n Stuhlen gestanden und [laughs], na ja und das war der mister Webster und der hat mich so ein bisschen aufgeklärt, der sagte, hören sie mal Herr Koehler, der sprach ganz gut Deutsch, weil er eine Deutsche Frau hatte aus Aachen und der sagte: ‚Die können bestimmt auch Deutsch‘, und da habe ich mal irgendwie was falsch verstanden und da hat er mich zur Rede gestellt. Mister Buru, was er für einen [unclear] hatte weiss ich nicht, Major, Major Buru, und da habe ich gesagt: ‚so Major Buru‘, habe ich in Deutsch dann gesagt, ab jetzt kann ich kein Englisch mehr‘ und da hat er gelacht und da kam der mister Webster dazu und da haben die ein bisschen gequatscht und seit dem haben wir nur noch Deutsch gesprochen und mit den anderen Kollegen genauso [laughs]. Das war nun meine Zeit mit den Engländern und ich wollte immer nochmal nach’m Kriege hin, nach der Zeit hin, aber ich bin nie wieder dahingekommen. Es muss heute noch da und wenn sie mal da in der Nähe sind, Mönchengladbach, Ortsteil Hardter Wald, das ist ja’n Riesenbezirk, das sind ja, das ist hier wie ‚ne Stadt, da lebten fast zwanzigtausend Menschen, da gab’s Schulen und für die Offiziere, und Offizierskasino und Kino und Theater und da haben wir mehrere Baustellen gehabt, das war meine schönste Zeit so mit
HZ: Aus [unclear]
HK: Und von da aus sollte ich dann nach Berlin da kriegtense in Berlin ‚n Auftrag, und weil wir nun damals für das Englische Hauptquartier bauten, da waren wir für die DDR Feinde. Das war der Karl Eduard von Schnitzler hiess der, Sudel-Ede hiess der, der brachte so politische Kommentare jeden Tag, das war so’n Richter. Ich weiss nicht ob sie den Namen schon
HZ: Den Namen kenn ich noch ja.
HK: Eduard von Schnitzler, der Sudel-Ede hiess er bei uns, und der hat da mal gesagt: ‘Es gibt sogar Deutsche die für die feindlichen Truppen heute noch bauen’ und da haben wir sogar, wurden die Namen genannt, unsere drei Namen. Und ich hab’s selber net gehört, das haben sie von Hauptbüro aus Hamburg habense uns das gesagt, also hütet euch, die Verbindungsstrasse zu fahren zwischen Helmstedt und Berlin, [unclear] vielleicht festgenommen. Und dann sollte ich nach Berlin, da hätten wir nun fliegen können von Hannover aus und da hab ich dann hier alles mögliche mobil gemacht hier in Kassel neh. Durch so‘n befreundeten Architekten, dann kriegte ich dann ‚ne Stelle bei einem Architekten hier und von da aus, na ja, das interessiert sie jetzt [unclear]. Und so bin ich nachher bei der Stadt gelandet, bei der Stadt Kassel und hab für die die Kläranlage, das war der erste grosse Massnahme, die Kläranlage baute, seit dem haben sie mich übernommen und da war ich naher auch in zwanzig Jahren Sachgebietsleiter vom Brucken und [unclear] Bau. Wenn sie jetzt über eine Brücke fahren ist alles so [laughs]
HZ: [laughs] kann ich sagen.
HK: Na ja gut das ist mein Lebenslauf.
HZ: Ehm, so, weil sie schon mal angefangen, angesprochen haben mit dem Bombenangriff auf Kassel, was denken sie eigentlich wären so prägende Erlebnisse gewesen die sie vielleicht auch heute noch beschäftigen?
HK: Ja, die mich heute noch beschäftigen, ich seh’s jetzt erstmal vom baulichen Standpunkt her. Die ganze Altstadt, die aus‘m Mittelalter noch stammt, die ist mit einem Schlag innerhalb zwei Stunden war alles kaputt und zehntausend Menschen in den Kellern, so, und die haben einen schönen Tod gehabt. Die sind an Sauerstoffmangel eingeschlafen. Den Keller hat wir ja früher net met waagerechten Decken gemacht sondern es waren nur Gewölbe, sonst ging aus staatlichen Gründen net anders neh. Und da sind die eingeschlafen, die sind regelrecht gebacken worden, oben bis auf diesen brennenden Schutt rauf und dieses Gewölbe war wie Backofen beim Bäcker. Da sind die zusammengeschrumpft so wie wir, wir wären plötzlich so gross gewesen, dieses ganze Wasser wäre verdampft neh. Die haben eigentlich einen sehr schönen Tod gehabt. Entschuldige wenn ich das so sage heute, das will ja keiner hören. Die sind eingeschlafen, Sauerstoffmangel, eingeschlafen und nie wieder aufgewacht. Und sind gebacken worden. Denn Ich habe die ja nachher gesehen wo sie aus den Kellergewölben rausgeholt wurden, von Gefangenen her, die ehemaligen Nazis und die mussten die da rausholen. Nach’m Kriege und so neh.
HZ: Sind da eigentlich beim raümen weil sie da auch dabei waren, sind da auch Zwangsarbeiter und Kriegs, wie heiss’ns, Kriegsgefangene eingesetzt worden?
HK: Ja diese, Kriegsgefangene, waren da auch. Das will ich noch mal kurz sagen. Die Flakstellung wo wir waren bei der Flak. Ich war nun bei der Umwertung, und der, war mein Schulfreund hier und der Elektrofritze da, wir hatten zuhause, der Mann, der Ober der war schon ein grosser Elektroindustrielle und so, Funkmessgerät und so. Und wennse zur, an’s Geschutz kamen, da war, drei Kannoniere waren Luftwaffenhelfer, die stellten diese Messgeräte an, wir konnten das ja viel besser als die Soldaten die vorher da waren, weil wir schneller und pfiffiger waren neh, das waren drei Luftwaffenhelfer an jeder eine Kannone, die die Breitengrade, Höhengrade und die Entfernung eingestellt haben und der Ladekannonier das war ein Deutscher und die Zureichen die Munition, das waren meistens Russische Kriegsgefangene. Müssen sich das vorstellen, die saßen, oder Französische, die saßen mit uns in dem kleinen Wald da neh und haben gebibbert. Dann habe ich dann auch von denen die, zum Teil Deutsch, hattense immer Hunger und dann kriegten sie von uns immer eine Scheibe Brot neh und alles so was. Wir hatten ein gutes Verhältnis mit denen, das war das mit den Kriegsgefangenen und die waren natürlich auch viele in der Industrie hier in Kassel, in Kassel hatten wir die Junkerswerke und so,
HZ: Da hätten [unclear] der Fieseler.
HK: Fieseler und so. Und auch die Munition herstellten [unclear] war früher neh und so und deshalb war ja auch die Flak hier rings rum und so. Ja und so haben wir viel mit den Kriegsgefangenen, wie viel da nun tot gegangen sind hier in der Stadt, die wohnten ja net hier in so, die wohnten immer ausserhalb in so Lagern, desshalb sind net allzu viele da umgekommen von den Kriegsgefangenen.
HZ: Nöh, ich hab bloß, ob die dann auch eingesetzt, ob die dann auch eingesetzt wurden beim raümen. Ich hatte da, ich hatte da von dem, da hatt schon mal einer Überlebensberichte veröffentlicht ‚93, die habe ich mir mal angeguckt und da sind auch zumindestens zwei Holländer und ein Franzose dabei. Aber, weil halt dann die Zeitungen hier, die Regionalzeitungen, die fragen ja dann schon nach Zuschriften, aber weil das ja dann immer bloß regional gemacht wird, da kriegt man ja dann immer bloß die Deutschen Stimmen,
HK: Richtig. Richtig, genau. Richtig.
HZ: Die von dem anderen, da hört man ja nix und das wär natürlich auch mal interessant.
HK: Nein also Holländer waren viele, Kriegsgefangene Holländer waren viele hier in Kassel. Und hier eine kleine Episode wo wir aus dem Keller mit meinen Freunden, aus dem, irgendwo brannte es, aus dem Keller haben wir dann die Paar Sachen rausgeholt, die lagen tagelang, vier, fünf Tage auf der Strasse, da hat keiner was geklaut oder irgendwas neh. Und dann wo wir dann mit dem Pferdewagen hier nach Kassel kamen und haben das dann abgeholt wollen, da war mitten in der Strasse, also die Hansteinstrasse, die Uferstrasse ist, genau in der mitte der Strasse war ein Riesenbombentrichter. Wir konnten also mit dem Wagen garnet zu unserm Haus finden.
HZ: Ja.
HK: Es war nur so’n schmaler Streifen an dem Vorgarten links und da hätten wir die ganzen Sachen da vorne an die Hauptstrasse bringen müssen, wo der Wagen stand, und da bin ich unten in die Hauptstrasse rein und da kam mal zwei Männer und da sag ich:, kommt mal her, wollt ihr mir da ein bisschen helfen?‘, das waren Holländer und die haben mir geholfen diese Sachen dahin und da habense so’ne Flasche Wein also von meinem Vater her, der hatte noch so‘n Weinschrank und da waren noch ein Paar Flaschen Wein drin und da hab ich ihnen eine gegeben und eine habense mir noch geklaut, das hab ich aber erst später gemerkt aber das hab ich ja eingesehen, das war schon richtig neh und so und das waren Holländer. Die haben mir dann geholfen. Also die liefen dann hier rum, so Freizeit, haben net dauernd gearbeitet, aber wie das war weiss ich net. Also über diese Verhaltnisse weiss ich eigentlich wenig Bescheid, die waren nur da, aber was se sonst so gemacht haben weiss ich net.
HZ: Da hat’s, ’95, die haben mal eine Wiedervereinigung hier gemacht, da haben sich welche hier in Kassel sogar wieder, wieder getroffen. Aber wie gesagt, die, man hört halt die Stimmen, man hört halt immer bloß die, also die Deutsch waren und auch hier im Gebiet geblieben sind, weil ich glaube das da einer in Bad Nauheim zum Beispiel die Hannoversche Allgemeine liesst, die werden, da gib’s halt dann keine Zuschrifften, desswegen habe ich da bloß immer so, so gefragt.
HK: Also es gab ja viele persönliche Schicksale auch neh, das auch sich Freundschaften gebildet haben. Zum Beispiel hier hatte mein Onkel in Gudensberg, der kriegte einen Polnischen Kriegsgefangenen, so als Hilfe, und das war ein Polnischer Student, war ein hochintelligenter Kerl, Jurek hiess er, und der hatte vorher noch nie was mit Landwirtschaft zu tun gehabt, der musste da milken lernen und so, der hatte es sehr gut beim Onkel, der durfte nur net am Tisch sitzen, sondern der musste am Küchentisch, da wurde so’ne Platte rausgeschoben, da sass der. Und mit dem bin ich dann zusammen auf’n Acker und hab gehackt und so und da hab ich ihm die Deutsche Grammatik beigebracht, das wollte er gerne wissen und ich hab da auch die Polnische Grammatik mitgekriegt, also das war aüsserst interessant. Und die Geschichte, er interessierte sich für alles, also war schon interessant neh. Hatten ne richtige Freundschaft geschlossen neh, der war nur zehn Jahre älter oder was, aber trotzdem. Und der ist auf einem Polnischen Zerstörer Soldat gewesen und da kamen die Stukas gleich am ersten oder zweiten Tag und haben den versenkt in der Ostsee und da haben sich ganze drei Mann retten können und er konnte gut schwimmen und hatt dann, durch’s schwimmen hatt er dann sich’s Leben gerettet. Und dadurch das er nun gut Deutsch konnte und sehr intelligent war, ist er in dem Polnischen Reisebüro Orbis nachher angestellt gewesen, in Danzig, neh in Posen glaub ich war das, neh Danzig, Stettin, entschuldigung, es ist, so ist das heute mit dem alten Kopf, Stettin. Und der hat mich hier mehrmals besucht. Der war der erste Polnische Reisende der hier in Deutschland sich bewegen durfte und der hat die Deutschen Reisegruppen, die wurden an der Grenze abgefangen und dann, die mussten ja alles ohne Aufsicht neh und wenn ne Deutsche Reisegruppe war, dann haben sie ihn eingeteilt weil er auch Deutsch konnte und wenn hier eine Reisegruppe aus Kassel kam, dann hatt er gesagt: ‚Sie kommen aus Kassel?‘, ‚Ja‘ ,Kennen sie Helmut Koehler?‘ ‚Nöh‘. Dann hatt er ihn die Telephonnummer gegeben, ja da hatte ich schon Telephon richtig, Anfang der 60er Jahre oder wann das war, ändert doch, ja so ungefähr, was soll denn, und da hatt er gesagt: ‚Rufen sie an wenn sie jetzt zuhause sind‘. Und da kriegt ich da X Telephongespräche hier von allen möglichen Leuten, ich soll sie grussen vom Yurek, [laughs] war schon interessant. Und dann kam er dann wirklich mal an und hat, er war der erste Polnische Reisende der hier nach Deutschland kommen konnte. Und dann kam er hier an, hatte vorher angerufen, war meine Frau da, die kannte den Jurek ja net und dann sagt’se, rief sie mich an im Büro, sagt‘se:‘Der Jurek hat angerufen‘. Jurek, ja dein Polnischer Freund, ja ja. Und dann haben wir am Fenster gestanden, um fünf oder was wollte er kommen und hatt sich dann, savott, [unclear] sieht genauso aus. Und der war jahrelang gleich nach’m Kriegsende hier in einer Kaserne auf der Hasenhecke da kamen die ganzen Polnischen und Russischen Kriegsgefangenen wurden da erstmal einquartiert und da war er Chef der Lagerpolizei. Da hat er mich eingeladen zu seiner Hochzeit, da hat er geheiratet und da hat meine Mutter gesagt: ‚Du kannst da net hinfahren, erstmal komste da gar net hin‘, erstmal von Gudensberg aus nach Kassel fuhr gar kein Zug richtig, und dann von hier aus laufen bis zur Hasenhecke das war in Waldau ganz, ich weiss net ob sie das genau so kennense.
HZ: Wir sind heute oben gewesen.
HK: Waldau, das ist so ganz unten an der Fulda da neh. Das ist noch mal mindestens zwei Stunden Fussweg neh, wie willste denn dahin kommen und da bin ich da net hin. Und da hat er mich am Bahnhof abgepasst, ich hab ja da schon gearbeitet, da hat er gesagt:‘So, du bist auf meiner Hochzeit nicht gewesen‘, da hat er mich ein ganzes Jahr lang net angeguckt, da kam er [unclear]. Und der, ich hab noch Post von ihm heute, da hatt er mir, ach, x-mal geschrieben und da kam er hier und dann hatt er mir von der Polnischen Politik berichtet, hier bei mir durfte er das jetzt sagen. Also das waren Zustände, wissense [unclear], soundosoviel Quadratmeter eine Person, durfte glaub ich nur zehn Quadratmeter Wohnfläche haben für eine Person sonst musseste zahlen, also unmögliche Zustände. Na ja gut, das war mit den Polen.
HZ: Und noch, noch irgendwas von der, noch irgendwas aus ihrer Zeit von der, bei der Flak?
HK: Von der Flak, neh. Ja gut also, wie gesagt, hier wo wir am Edersee waren, alle, zweimal in der Woche musste ich nach Kassel fahren, ich hatt’s natürlich gut, da brauchte ich keinen Dienst mehr zu machen. Und so habe ich auch viele Angriffe mitgemacht, die letzten Angriffe neh. Und da war ja meine Mutter und meine [unclear] schwangere Schwester die waren dann schon in Gudensberg, aber die Wohnung war immernoch da, die ist erst ganz, ja, letzter Angriff oder vorletzter Angriff auf Kassel. Und da war die Nachbarin die hat ja gesagt: ‚Helmut, kannst ruhig hier schlafen, wenn Fliegeralarm kommt da mach ich dich schon wach‘. Weil ich das [unclear] gehört habe, als junger Bursche [laughs] und so war das neh. Ja also da gibt’s eigentlich und dann die Angriffe hier. Dann eines Tages hatten wir einen Blindgänger im Haus, das war in der Silvesternacht, vom ‚44 auf ‚45, da war ich am Edersee und Neujahr musste ich Kurierdienst machen und da war ein Zettel an der Haustür: ‚Vorsicht, Blindgänger‘. Alle Leute [unclear] raus, die mussten alle weg. Da ist durch die Decken, durch die Bäder, wir hatten sogar schon Bäder damals, ist die Bombe durch die ganzen Bäder durch und über der Luftschutzkellerdecke ist die Bombe hängen geblieben, wenn die explodierte waren sie alle tot. Und meine Mutter, wir wohnten im dritten Stock, die ist als erstes raufgegangen, die wäre fast da reingefallen in das Loch, die hat das erst gar nicht gesehen weil ja kein Licht da, kein Strom und nix. Und dann hat sie geschrien und dann die Leute alle: ‚Ach Gott!‘ durch die Badewanne durch, war plötzlich ein Loch [laughs]. Na ja, und das haben’se dann wieder irgendwie geflickt, bis es dann ganz kaputt ging. Ja und als Luftwaffenhelfer das was insofern ‚ne interessante Zeit weil das für uns eben, ja, wie soll ich das sagen, wir waren aufgeweckte Gymnasiasten und wir hatten plötzlich eine Zeit vor uns die, die wir net richtig begreifen konnten, habe ich ja eben schon gesagt was is wenn der Krieg jetzt zu Ende ist, was passiert denn mit uns? Diese Gespräche hatten wir schon.
HZ: Das könnten sie auch für das Band nochamal dazu sagen, weil das haben sie mir ja schon vorher mal erzählt. Die Gespräche dann das die vielleicht, das da vielleicht die Flakhelfer so einen Sieg des Dritten Reiches gar net so entgegengesehn haben.
HK: Ja, das war zum Beispeil nach dem Angriff, nach dem Attentat auf‘m Hitler, das war der 20 Juni, Juli, glaub’ich, Juni.
HZ: Juni.
HK: 20 Juni 1944.
HZ: ‚44.
HK: Und dann, wie gesagt, dann in der Kabine, von der Funk, ach wie heisst der, wo die Nachrichten kamen, da wurde dann immer so die Lage da mitgeteilt, Hitler ist davongekommen undsoweiter, aes wurde da immer mitgeteilt. Und da kam der Hauptmann, Leutnant [unclear] und konnte dann [unclear] hören. So und da haben wir abends im Bett gelegen und haben dann gesagt: ‚Hier, das was wohl jetzt wird hier‘ undsoweiter und der Hitler ist davongekommen und da hat der einer gesagt.‘So’ne Scheisse!‘ [laughs], das werde ich also nie vergessen. Und da haben wir schon drüber unterhalten. Was wäre gewesen wenn und da haben wir aber auch debatiert drüber was des auch der Stauffenberg neh, was der auch für Fehler gemacht hat. Wenn er schon sowas macht, das Attentat auf’n Hitler, dann hätte er das auch richtig machen müssen. Er hätte warten müssen bis der tot ist, net vorher schon weglaufen. Er ist ja weggelaufen wo es da explodiert ist, er hätte sich erkundigen müssen, ist er nun wirklich tot oder so, und dadurch ist [unclear] das alles entstanden, wäre er danach stehngeblieben und hätte anschliessend erschossen, dann wäre er zwar auch erschossen worden aber so ist er auch umgekommen. Also das haben wir damals diskutiert, also der Stauffenberg hat da Fehler gemacht. Also so sachliche Gespräche haben wir als junge Leute gemacht, das ist mir noch gut [unclear] aber sonst mussten wir immer das machen was befohlen wurde, eigene Initiative konnten wir net haben.
HZ: Die, ehm, da werden verschiedene Zahlen angegeben, wie viel Flakhelfer einen Luftwaffensoldaten ersätzt hätten, ‚43, da heisst es, die einen sagen das wären, ein Flakhelfer für einen Soldaten gewesen, andere sagen das seien drei Flakhelfer für zwei Soldaten gewesen. Wissen sie da irgendwas?
HK: Hab ich ihnen ja eben gesagt, also diese Posten die wir hatten an der Kannone, die wären sonst von Soldaten gemacht worden
HZ: Also eins zu eins.
HK: Also jede Kannone wurden drei Soldaten gespart. Und wenn’s so’ne Grosskampfbatterie, die hatten acht Kannonen, acht ortsfeste Kannonen, also drei mal achzehn, vierundzwanzig Soldaten wurden schon alleine Kannonen gespart. Und dann kam dazu noch Kommandogerät, da hatten wir auch pfiffige Schüler von uns, die waren am Kommandogerät, da waren auch mindestens dreie, ich weiss es heute nicht mehr so genau, jeden [unclear] und Funkmessgerät. Und dann hier die Umwertung, wo wir nur Luftwaffenhelfer waren, da waren ja früher Soldaten. Also ich hatte alleine, ich war mal eine Zeitlang [unclear] Unteroffizier der, des Befehlsgewalt hatte über die Umwertung, der musste zum Lehrgang, da muss ja einer Stellvertreter sein und da hatt der Hauptmann bestimmt das war ich. Und in der Zeit ist das passiert mit dem Sperrfeuer und da musste ich natürlich bestraft werden, da kam ich zur zbV Batterie [laughs] das ist so kleine Erinnerung, da wurde ich bestraft. Na ja aber schon, das sind dann schon also vierundzwanzig, ich möchte mal sagen schon fast dreissig Soldaten wurden da schon gespart an einer Flakstellung, und wir waren ja ungefähr dreissig Luftwaffenhelfer.
HZ: Sind da auch welche von denen die sie gekannt haben, sind da auch welche gefallen?
HK: Neh.
HZ: Neh.
HK: Also wir haben zwar einen Bombenangriff mitgemacht und zwar in Kaufungen, da wo des grosse Lager von Panzern und LKWs war von der Deutschen Industrie, da ist genau zwischen der Flak, zwischen der Geschützstellung und zwischen der Befehlsstelle, da waren ungefähr, hundert, hundertfuffzig meter dazwischen und genau da ist mal ein ganzer Bombenteppich runter [unclear], genau dazwischen, und da hatt einer noch hier, am Fuss hier, irgendwie‘n Stein oder was da, kam ins Lazzaret hatte eine Verse kaputt. Das war das einzige was ich erlebt habe. Aber hier vorne, in der [unclear] hier, wenn sie hier ein Stückchen runtergehen, zum Auestadion, da ist, geht’s links die Ludwig-Mond-Strasse hoch und das war früher alles freies Feld und da stand eine Flakstellung, die haben viele Tote gehabt da. Da ist mal ein ganzer Bombenteppich über die Flakstellung weg, aber wie viel das wurde damals nicht bekannt gegeben. Da waren also mehrere Schüler die sind dann umgekommen aber zahlmässig waren es verhältnissmässig wenig, dass muss ich schon sagen. Die haben schon ein Bisschen auf uns jungen, junge Burschen so’n bisschen Mitleid gehabt oder so. Auch die Offiziere, das waren alles Familienväter und so. Unser Batterieschef der war von Beruf Mattestudienrat und der sah nun die armen Jungen da und hatte vielleicht selber auch Kinder zuhause und so. Also die haben uns schon so’n bisschen [unclear], das haben wir damals nicht so gemerkt, das haben wir nur dann später so erzählt wenn wir mal zusammen waren, na ja.
HZ: Gut.
HK: Weiss nicht ob ich ihnen viel dienen konnte mit dem, also, eh.
HZ: Des ist, des is ok, da bedanke ich mich. Weil das geht ja um ihre Erinnerungen, das geht ja net da drum.
HK: Ja, sicher, ich meine, Politik wurde damals ja ausgeschlossen, Politik gab’s die ganze Woche Politik, das kannten wir ja net gar net, also wenn da einer was von Politik erzählte wusste da einer gar nix mehr da anzufangen. Was Hitler sagte das war Evangelium. Und ich kann mich erinnern, das war wo wir am Edersee waren, sind, Weihnachten, ja hatten wir keinen Ausgang, mussten wir da bleiben Weihnachten, Weihnachten ‚44, ah da gab’s da ein Festessen, da gab’s net nur Sauerkraut und Pellkartoffeln, das gab’s fünf mal in der Woche, da gab’s dann zu Weihnachten ein Stückchen Fleisch ob das nun vom Hund war oder vom das wusste kein Mensch. Und da sassen wir in der Kantine und da sagte dann der Hautpmann: ‚Na, nun wollen wir mal ein Weihnachtslied singen‘. Da waren wir alle so traurig, wir Jungen, kriegte keiner einen Ton raus und einer nach‘m anderen ging dann raus und ich musste dann auch raus weil Tränen kamen und dann standen im Saal und heulten aber wie, ein Geschluchze und so. Also man merkte dann doch diese innere Ergriffenheit unter uns Schülern, wir waren net alle so, und dann mussten wir dann die Reden von Goebbels glaub ich oder wer das war, mussten wir dann anhören. Also es war schon manchmal schwierig, das kann ich ihnen sagen. Genau wie ich mal als Pimpf, wie war denn das, ich war hier auch, Hitlerjunge net zuerst waren es Pimpfe neh, also Jungvolk hiess das, mit zehn Jahren und so, da kriegtense die Uniform da waren wir ganz stolz drauf. Und dann war, wie war denn das eigentlich, jetzt weiss ich nicht zu welchem Anlass, denn da musste ich in der Stadthalle auf der Bühne an der Fahne stehen und vor uns dann, war das nach dem ersten Angriff auf Kassel glaub ich, das war ‚42, was, so war das, da kam der Joseph Goebbels und hat’ne Rede gehalten, da [unclear] so fünf, sechs Meter hinter’m Joseph gestanden, mit der Fahne neh, da konnte sie ja nix ändern dran, sie wurden einfach bestimmt, konnte sie sich net wehren oder so, das weiss ich immer noch so und da hat unsere Herzen werden starker und was er da alles gebrüllt hat, das ist zu erinnern. Genau wie einmal, das war glaub ich zum Reichskriegertag, ‚39, da war ich grade so‘m Pimpf, da war der Hitler hier in Kassel, zum Reichskriegertag, das mus ‚39, nah sie konn’s ja besser recherchieren, ich weiss nicht mehr wann das war, und da waren wir an der schönen Aussicht und da sollten wir absperren und, aber die Leute haben uns kleinen Jungen ja weggedrängt. Da bin ich hinten auf die Mauer die ja heute noch da ist und hab von oben geguckt und ich sag immer heute noch zu den Jungen, da hat mich der Hitler begrüsst, da guckte er nämlich grade dahin, machte immer so net, und grade da in dem Moment wo er zu mir guckt, da winkte er, da sag ich er hat mir zugeguckt [laughs] [unclear] das wissen meine Enkel sogar [laughs] [unclear]. Ja, Hitler, das ist so, für meinen Begriff, war das schon ein grosser Stratege und ein unheimlich schlauer Mensch, ganz egal was er nun gemacht hat, das Ergebniss war ja schlecht, aber wie er das gemacht hat, es gibt in der ganzen Geschichte, sie kennen die Geschichte besser, so Napoleon oder, ganzen Kriegen so, wie der Cäsar und so, das waren Strategen neh, oder hier, Dschingis Khan und so, wenn man sich vorstellt, in der Zeit, die kommen von der Mongolei mit Pferden und was weiss ich alle hierher, und beherschen ganze Riesenreiche hier. Also das ist schon eine gewaltige Sache und in diese Kategorie gehört meiner Meinung auch der Hitler wenn auch jetzt negativ seine Taten waren, aber er war Stratege, er hat bestimmt was jetzt gemacht wurde und die ganzen Generäle, die Feldmarschälle mussten das machen was er wollte. Das ist gar nicht so einfach sich das vorzustellen. Ich will den net in Schutz nehmen, net dasse denken ich wär ein alter Nazi oder so neh [laughs]. Aber er war wirklich und mein Vater der war jawohl, gut ich wusste nur, er hat jetzt eine Doktorarbeit gemacht über den Alten Fritze da und den Schlesigen Kriege da, und was er verehrt hat, das weiss ich von meiner Mutter her, Napoleon. Das war für ihn ein Riesenstratege wohl. Da hing sogar im Flur ein Riesengemälde von Napoleon, da kann ich mich als Kind da noch erinnern. Also es gab in der Welt mal so bestimmte Typen die übernormal strategisch begabt waren, das wissen sie besser, [unclear] sowas hier dazu erzählen [laughs] aber das ist meine Empfindung hier, meine Empfindung.
HZ: Gut, dann bedanke ich mich jetzt auch [unclear] mal.
HK: Ja, ich hoffe das.

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Harry Ziegler, “Interview with Helmut Köhler,” IBCC Digital Archive, accessed November 21, 2019, https://ibccdigitalarchive.lincoln.ac.uk/omeka/collections/document/1614.

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