Träume und Tatsachen

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Title

Träume und Tatsachen

Description

The leaflet provides an overview of the strategic situation around mid-1943 pointing out that the tide has turned in favour of the allied, victory is inevitable and fighting futile. Provides evidence of the overwhelming superiority of the allies on land, sea and in the air. Stresses how Royal Air Force operations are getting more and more effective over time, a situation compounded by dwindling Luftwaffe defences. Explains that allies have no lust for vengeance and call for immediate capitulation, explaining that surrender would lead to a future of peace. A photograph of a dead soldier is captioned 'Wozu?'

Publisher

IBCC Digital Archive

Date

1943

Contributor

Steve Baldwin

Rights

This content is available under a CC BY-NC 4.0 International license (Creative Commons Attribution-NonCommercial 4.0). It has been published ‘as is’ and may contain inaccuracies or culturally inappropriate references that do not necessarily reflect the official policy or position of the University of Lincoln or the International Bomber Command Centre. For more information, visit https://creativecommons.org/licenses/by-nc/4.0/ and https://ibccdigitalarchive.lincoln.ac.uk/omeka/legal.

Format

One leaflet

Language

Identifier

MCluettAV120946-150515-200001, MCluettAV120946-150515-200002

Conforms To

Spatial Coverage

Temporal Coverage

Transcription

TRÄUME UND TATSACHEN

Unter den deutschen Soldaten, die sich Mitte Mai in Tunis ergaben, gab es zwei grosse Gruppen. Die eine Gruppe sah den Krieg als für Deutschland verloren an. Die andere glaubte noch an den Endsieg. Und wenn man fragte, worauf diese Optimisten ihre Hoffnung gründeten, erhielt man immer dieselbe Antwort:
“In diesem Sommer warden wir mit [indecipherable] letzten gewaltigen Offensive Russland endgültig aus dem Kriege herausschlager. Die U-Boote warden uns solange den Rücken freihalten. Und dann, wenn wir Russland erst einmal los sind, warden wir unsere ganze Kraft für den Westen und Süden frei haben!”
Das waren die Träume von Mitte Mai. Was sind die Tatsachen drei Monate später, Mitte August?
Die “letzte gewaltige Offensine” im Osten ist vorüber. Sie begann am 5. Juli mit einem Aufgebot von 15 Panzer-divisionen und 14 Infanteriedivisionen auf beiden Flanken des Kurskbogens, südlich von Orel und nördlich von Bielgorod. Zwei Wochen später war sie zusammengebrochen, und die deutschen Stossarmeen waren, nach einem schweren Aderlass, zurück in ihren Ausgangsstellungen. Weitere zwei Wochen später waren Orel und Bielgorod in russischer Hand. Und jetzt, Mitte August, sind die Russen auf breiter Front im Angriff. Charkov ist gefallen, und an der gesamten Zentralfront, von westlich Wjasma bis tief in die Nordukraine, rollt die russische Dampfwalze vorwärts.
Die deutschen Armeen im Osten führen verzweifelte Abwehrkämpfe. Ihre Widerstandskraft ist noch nicht gebrochen, aber ihre Reihen sind gelichtet, es fehlt an Nachschub und Material, ult sie gehen täglich 5 bis 10 Kilometer zurück. Die schlacht im Osten geht weiter – mit den Russen im Vormarsch. Eins steht fest: Die Hoffnung, Russland aus dem Kriegherauszuschlagen. ist begraben.
Und die andere Hoffnung, dass die U-Boote Deutschland im Westen den Rücken freihalten würden?
G.67
Als die Optimisten unter den tunesischen Gefangenen diese Hoffnung äusserten, war, ihnen unbekannt, die grösste U-Boot-Offensive dieses Krieges schon im Gange – und im Zusammenbrechen. Im Mai 1943 begann das grosse U-Bootsterben. In den drei Monaten Mai, Juni und Juli sind mehr als 90 U-Boote versenkt worden. Die alliierten Schiffsverluste sind derart zurückgegangen,dass der Nettozewachs der alliierten Handelstonnage – das heist, der Überschuss der Neubauten über die Versenkungen – fürdie ersten 7 Monate des Jahres 1943 über 3 Millionen Tonnen beträgt. Und zugleich wächst die Zahl der U-Bootjäger – Zerstörer, Flugzeugträger, Korvetten, Fregatten, Kanonenboote, Torpedoflugzeuge, Jageflugzeuge und Langstreckenbomber – von Tag zu Tag. Die Sterblichkeit in der deutschen U-Bootwaffe – 20 Prozent – ist jetzt schon die höchste in allen Waffengattungen aller kriegführenden Länder. Die Aufgabe der U-Boote wird täglich unlösbarer, ihre Lage täglich hoffnungsloser.

Alles das ist kein Wunder. Ein Wunder wäre es, wenn e sanders wäre. Es entspricht der einfachen Mathematik des Krieges. 80 Millionen Deutsche – selbst mit der Hilfe von 12 Millionen ausländischer Zwangsarbeiter – können unmöglich auf die Dauer gegen die 400 Millionen Briten, Amerikaner und Russen aufkommen; weder in der Produktion noch im Kampf. Erfolge konnten sie nur haben, solange ihre Gegner unvorbereitet und ungerüstet waren. Das ist jetzt vorbei. Die Kriegsmaschinen Amerikas, Russlands und des britischen Weltreichs laufen auf vollen Touren. Schon jetzt übertrifft die alliierte Kriegsproduktion die Grossdeutschlands um das Fünffache. Die Überlegenheit der alliierten Streitkräfte an allen Fronten, zu Lande, zur See und in der Luft, wachst mit jedem Tag, den der Krieg weitergeht. Mit jedem Tag, den der Krieg weitergeht, wird Deutschlands Lage schlimmer.
Sizilien ist verloren. Mussolini ist gestürzt. Das italienische Volk verlangt Frieden. Die Achse RomBerlin ist gebrochen, die deutsche Südflanke aufgerissen, und es fehlt an Truppen, die Lücke zu stopfen.
Und dabei ist bisher erst ein geringer Teil der britisch-amerikanischen Armeen eingesetzt worden. Im ganzen Mittelmeerraum stehen weitere Armeen sprungbereit. Noch grössere Armeen stehen in England. “Bevor die Blätter fallen”, hat Churchill erklärt, “warden grosse Schlachten geschlagen warden: im Mittelmeer – und anderswo.”
In Deutschland selbst ist die Luftverteidigung im Zusammenbrechen. Während der letzten Wochen sind die Verluste der R.A.F. bei ihren grossen Luftangriffen von annähernd 5 Prozent auf rund 3 Prozent zurückgegangen. Die Wucht dieser Angriffe steigert sich von Monat zu Monat. Die Nächte warden länger, und mit ihren wächst der Angriffsbereich der R.A.F. jede Woche um 100 km. Von Süden rückt eine zweite Luftmacht näher. Am 14. August erfolgte der erste Grossangriff auf Wiener-Neustadt. Die Luftwaffe ist hilflos. Die deutschen Jindustriestädte sind wehrlos.

Das waren die Tatsachen. Goebbels kann um sie herumreden, aber niemand kann sie aus der Welt schaffen. Ganz Deutschland ist in der Lage einer eingekesselten Armee. Die Wahl heist: Kapitulation – oder Vernichtung. Tunis – oder Stalingrad. Palermo – oder Hamburg. Leben oder Tod.
Den Alliierten liegt nichts an eurer Verichtung. Churchill hat erklärt:
“Wir, die Vereinten Nationen, verlangen von den Nazis, den Faschisten und den japanischen Tyrannen bedingungslose Übergabe. Das heist, dass ihre Widerstandskraft vollständig gebrochen warden muss, und dass sie sich rückhaltlos unserer Gerechtigkeit und Gnade anvertrauen müssen. Das heist fernerhin, dass wir alle die weitschauenden Massnahmen treffen müssen, die nötig sind, um zu verhindern, dass die Welt aufs neue durch ihre Intrigen und wilden Friedensbrüche in Jammer und Elend gestürzt wird. Es heisst nicht, und es kann nimmermehr heissen, dass wir unsere siegreichen Waffen durch Unmenschlichkeit oder Rachelust beflecken warden. Wir planen eine Welt,in der alle Völker Glieder einer Familie sind, und allen der Weg offensteht zu Leben, Freiheit und Menschenglück.”
Das ist die Aussicht, wenn ihr kapituliert: Ein neuer Anfang, ein neues Leben, ein neues Deutschland in einem neuen Europa. Und die Aussicht, wenn ihr weiterkämpft? Fragt die Überlebenden von Stalingrad. Fragt die Überlebenden von Hamburg.
Der Krieg ist für Deuschland verloren. An euch liegt es, zu entscheiden, wieviele ihn überleben. An dir liegt es, zu entscheiden, ob du ihn überlebst.

Euer Schicksal liegt in eurer Hand.
DENKT ODER STERBT!

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[photograph]
WOZU?

Citation

“Träume und Tatsachen,” IBCC Digital Archive, accessed November 12, 2019, https://ibccdigitalarchive.lincoln.ac.uk/omeka/collections/document/757.

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